Panorama

Rohrbomben-Prozess Lidl-Erpresser müssen zehn Jahre in Haft

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Die Angeklagte Liana D. sitzt neben ihrem Verteidiger Volker Schröder.

(Foto: dpa)

Ein Gaunerpärchen aus Gelsenkirchen zündet Bomben und versucht, eine Million Euro von Lidl zu erpressen. Doch die beiden fliegen auf und müssen ihren Traum vom Häuschen in Spanien gegen eine Gefängniszelle tauschen.

Zwei Erpresser des Lebensmittel-Discounters Lidl sind vom Bochumer Landgericht zu jeweils zehn Jahren Haft verurteilt worden. Der 48-jährige IT-Techniker und seine sechs Jahre ältere Verlobte hatten gestanden, zwischen 2012 und 2016 drei Sprengsätze vor Lidl-Filialen in Bochum, Bottrop und Herten gezündet zu haben. Dabei war eine Mitarbeiterin leicht verletzt worden. Das Urteil lautet auf Mordversuch, räuberische Erpressung, gefährliche Körperverletzung und Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion.

Im Prozess hatten beide Angeklagte umfassende Geständnisse abgelegt. Die Sprengsätze hatten sie in ihrer Gelsenkirchener Wohnung aus Silvesterböllern gebaut. Laut Urteil hatten die Angeklagten zwar nicht vor, Menschen zu töten, hätten das aber in Kauf genommen. "Der Tod eines Menschen oder mehrerer Menschen war ihnen gleichgültig", sagte der Richter bei der Urteilsbegründung. Die Staatsanwaltschaft hatte wegen der besonderen Gefährlichkeit der Tat sogar lebenslange Haftstrafen beantragt.

Drei Anschläge und ein großer Traum

Begonnen hatte alles vor mehr als vier Jahren: Am Abend des 22. Oktober 2012 ging vor einer Lidl-Filiale in Bochum-Wattenscheid der erste Sprengsatz hoch. Die Angeklagten sollen in ihrem Keller ein Stahlrohr mit Schwarzpulver gefüllt und vor einem der Schaufenster gezündet haben. Knapp zwei Monate später, am 14. Dezember, kam es in Bottrop zur nächsten Explosion.

Der dritte und letzte Anschlag erfolgte am 15. April 2016 in Herten. Diesmal wurde die Rohrbombe in einem Papierkorb gezündet. Eine Mitarbeiterin wurde durch herumfliegende Teile leicht verletzt.

In den Erpresserbriefen, die mit "Mr. X" unterzeichnet waren, wurde damit gedroht, auch "unschuldige Menschen" zu töten - und zwar europaweit. Lidl hatte zwischenzeitlich rund eine Million Euro überwiesen, abgehoben wurde am Ende aber nur ein Betrag von 1800 Euro. "Die Angst vor Entdeckung war einfach zu groß", sagte Verteidiger Schröder während des Prozesses. Um das Geld abheben zu können, soll der Angeklagte eine Latex-Maske als Tarnung getragen haben. Die Ermittler kamen trotzdem auf seine Spur.

Was die Beiden vorhatten? "Sie wollten sich ein Haus in Spanien kaufen, um dort ihren Lebensabend zu verbringen", sagte Schröder. Das ergebe sich aus abgehörten Telefonaten.

Quelle: n-tv.de, dsi/dpa