Panorama

Romanze im Warschauer Getto Liebesbriefe nach Jahrzehnten veröffentlicht

Mitten im Warschauer Getto hatten Simcha Rotem und Irena Gelblum eine Beziehung. Dass Rotems Liebesbriefe aus dieser Zeit nun Jahrzehnte später in einem Buch veröffentlicht werden, passt ihm aber nicht. Er zieht vor Gericht.

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450.000 Menschen lebten 1941 im Warschauer Ghetto unter unmenschlichen Bedingungen. Unklar ist, ob das auf dem Gehsteig liegende Kind auf dem Foto tot oder lebendig ist.

(Foto: Bundesarchiv)

Ein ehemaliger Gettokämpfer hat den Prozess um die Veröffentlichung von Liebesbriefen aus der Zeit des Krieges verloren. Die Romanze im Angesicht des Todes im Warschauer Getto war durch eine Buchveröffentlichung bekannt geworden - Jahrzehnte nach der Beziehung des Getto-Kämpfers Simcha Rotem zu der Untergrund-Kurierin Irena Gelblum.

Gelblum war nach 1968 aus Polen emigriert und hatte die Identität einer italienischen Dichterin namens Irena Conti di Mauro angenommen. Der Autor Remigiusz Grzela veröffentlichte nach ihrem Tod im Jahr 2009 ein Buch über ihr Leben und zitierte darin auch aus den Liebesbriefen Rotems - ohne dessen Wissen und Einwilligung.

Briefgeheimnis verletzt?

Rotem, der aktiv am Aufstand im Warschauer Getto beteiligt war und seit Ende der 40er-Jahre in Israel lebt, klagte vor dem Warschauer Bezirksgericht, weil er seine Persönlichkeitsrechte verletzt sah. Doch das Gericht entschied gegen den ehemaligen Widerstandskämpfer, berichtete die polnische Nachrichtenagentur PAP.

Nach Einschätzung des Gerichts war keine Einwilligung Rotems notwendig, da bereits Gelblums Tochter die Erlaubnis zur Veröffentlichung der an ihre Mutter adressierten Briefe erteilt hatte. Rotems Anwalt kündigte Einspruch gegen das Urteil an, da er das Briefgeheimnis verletzt sieht.

Rotem ist einer der letzten noch lebenden Teilnehmer am gescheiterten Aufstand im Warschauer Getto im Frühjahr 1943, bei dem sich die jüdischen Bewohner gegen die Deportation in die deutschen Vernichtungslager erhoben. Insgesamt starben bei den Kämpfen 12.000 Menschen. Danach kam es zu Massenhinrichtungen mit etwa 30.000 Opfern. Rotem wurde für seine Beteiligung mehrfach ausgezeichnet, auch in Polen.

Quelle: ntv.de, mli/dpa

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