Panorama
Ressentiments gegen Muslime nehmen deutschlandweit zu.
Ressentiments gegen Muslime nehmen deutschlandweit zu.(Foto: dpa)
Mittwoch, 06. Juli 2016

"So brutal wie ein Boxer": Mann schlägt Kieler Muslimin nieder

Auf dem Weg zum Einkaufen passiert es: Plötzlich ruft ein Mann "Scheiß Muslime!" und geht auf eine junge Frau mit Kopftuch los. Er bricht ihr das Nasenbein. Selbst für die Kieler Polizei hat die Gewalt gegen Muslime damit eine neue Dimension erreicht.

Eine Kopftuch tragende Muslimin ist in Kiel von einem ihr unbekannten Mann in der Öffentlichkeit angegriffen und brutal niedergeschlagen worden. Die Polizei habe bestätigt, dass wegen Körperverletzung ermittelt werde, berichteten die "Kieler Nachrichten". Ein 55-Jähriger aus Kiel stehe unter Tatverdacht. "Es ist alles in Sekunden passiert", sagte die Frau. "Das war so brutal wie bei einem Boxer, der einen K.o.-Schlag macht."

Der Mann habe "Scheiß Muslime!" gerufen und ihr am Samstagvormittag auf dem Weg zum Einkaufen mit der Faust unvermittelt ins Gesicht geschlagen, sagte die Frau der Zeitung. Die türkischstämmige Deutsche sei mit Prellungen und einem Nasenbeinbruch ins Krankenhaus gekommen. Am Freitag müsse sie operiert werden.

Dem Bericht zufolge zeigten sich Vertreter Türkischer Verbände entsetzt von der Tat. Ein Polizeisprecher sagte demnach, für Kiel bedeute der Vorfall eine neue Dimension von Gewalt: "Eine Tat, so unvermittelt, zwischen zwei Menschen, die sich überhaupt nicht kennen, so etwas ist neu."

Erst vor wenigen Wochen hatten Forscher der Universität Leipzig in der Studie "Die enthemmte Mitte" eine Verschärfung der Ressentiments gegenüber Muslimen in Deutschland beklagt. Demnach gab die Hälfte aller Befragten an, sich "durch die vielen Muslime (...) manchmal wie ein Fremder im eigenen Land" zu fühlen. 2014 waren es noch 43 Prozent gewesen. Zugleich stellten die Wissenschaftler fest, dass Menschen mit rechtsextremer Einstellung zunehmend bereit seien, zur Durchsetzung ihrer Interessen Gewalt einzusetzen.

Quelle: n-tv.de