Panorama

Coronavirus in Deutschland Mann steckte sich bei chinesischem Gast an

Wie ist das Coronavirus nach Deutschland gekommen? Der erste Patient soll sich bei einer Chinesin angesteckt haben, die zu Gast bei seiner Firma war. Es handelt sich dabei weltweit um die erste Ansteckung zwischen nicht eng Verwandten in einem Land außerhalb Chinas.

Der erste bestätigte Coronavirus-Patient in Deutschland hat sich bei einem chinesischen Gast seiner Firma angesteckt. Die Frau aus China war zu einer Fortbildung bei der Firma Webasto im Landkreis Starnberg in Oberbayern gewesen. Bei dem Patienten handele es sich um einen 33-jährigen Mann, teilte der Präsident des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Andreas Zapf, bei einer Pressekonferenz mit.

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Die Firma Webasto im Landkreis Starnberg.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Mann halte sich im Münchner Klinikum Schwabing auf, teilte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml von der CSU mit. Ihm gehe es gut, er sei weiterhin isoliert, sagte Huml. Sie kündigte an, dass eine Info-Hotline für besorgte Bürger eingerichtet werden solle. Sie ist unter 09131/68085101 zu erreichen. Ob, wie in anderen Ländern schon praktiziert, auch an deutschen Flughäfen Fieber gemessen werden wird, sei noch nicht entschieden. "Wir nehmen die Lage sehr ernst, aber wir sind auch gut vorbereitet", sagte Huml. Die "Task Force Infektiologie" des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) stehe im ständigen Austausch mit den Bundesbehörden wie etwa dem Robert-Koch-Institut.

Der erkrankte Mann habe vergangenen Dienstag in seiner Firma in Stockdorf, die auch Zweigstellen in China unterhalte, an einer Schulung mit der Chinesin teilgenommen, teilte Zapf mit. Am Wochenende habe er sich dann krank gefühlt und Symptome einer Bronchitis gezeigt. Am Montag sei es ihm allerdings schon besser gegangen, sodass er auch wieder auf der Arbeit erschien. Die chinesische Mitarbeiterin soll sich seit dem 19. Januar in Deutschland aufgehalten haben und vier Tage später abgereist sein. Auf dem Heimweg habe sie sich krank gefühlt, nach ihrer Ankunft wurde die Krankheit diagnostiziert. Am Montag habe die Firma davon erfahren und das Gesundheitsamt informiert. Das bestätigt auch Webasto. Wie Zapf schildert, komme die infizierte Frau aus Shanghai, einige Tage vor ihrer Reise nach Deutschland habe sie allerdings Besuch von ihren Eltern gehabt, die aus Wuhan stammen.

Stationäre Behandlung ist reine Vorsichtsmaßnahme

"Wir teilen die Auffassung der internationalen Gesundheitsbehörden, dass es ein moderates Risiko für Patienten in Deutschland gibt", sagte Zapf. Dass der Patient noch in stationärer Behandlung ist, sei eine Vorsichtmaßnahme, da man in Deutschland noch wenig Erfahrung mit dem Virus habe. Die Klinik habe die weitere Behandlung für nicht unbedingt erforderlich erachtet.

Zu den weiteren Maßnahmen gehört laut Zapf nun, die Mitarbeiter, die ebenfalls an Schulungen mit der chinesischen Kollegin teilgenommen haben, sowie die Menschen, die Kontakt zu dem 33-Jährigen hatten, zu identifizieren und ihren Gesundheitszustand gegebenenfalls zu überwachen. Derzeit würden 40 Kontaktpersonen in der Firma und der Familie überprüft, sagte der Leiter der Taskforce Infektiologie, Martin Hoch. "Die Zahl kann noch steigen." Webasto teilte mit, alle Reisen von und nach China für mindestens zwei Wochen abzusagen. Außerdem dürften die Mitarbeiter am Standort Stockdorf diese Woche von zu Hause arbeiten.

Besonders an dem Fall in Bayern ist, dass damit wohl erstmals weltweit eine Ansteckung zwischen nicht eng Verwandten in einem Land außerhalb Chinas nachgewiesen wurde. Bisher handelte es sich bei fast allen der rund 50 erfassten Infektionen in Frankreich, den USA, Thailand und anderen asiatischen Ländern um importierte Fälle. Die Betroffenen hatten sich bei einer Reise nach China infiziert. Lediglich ganz vereinzelte Fälle von Ansteckungen zwischen engen Familienangehörigen wurden bekannt, aber keine Übertragungen etwa auf Klinikpersonal, Arbeitskollegen oder Zufallskontakte.

Das Coronavirus kann eine Lungenkrankheit auslösen, an der im Hauptverbreitungsland China bereits mehr als 100 Menschen gestorben sind - die meisten davon waren ältere Patienten mit schweren Vorerkrankungen. Zur Behandlung der Lungenkranken in Zentralchina sind inzwischen fast 6000 Ärzte und Pfleger aus ganz China in die schwer betroffene Provinz Hubei entsandt worden. Wie die Gesundheitskommission nach Angaben der Nachrichtenagentur Xinhua in Peking berichtete, seien mehr als 4100 bereits vor Ort und hätten die Arbeit aufgenommen. Weitere 1800 dürften demnach bis zum Abend eintreffen, um die völlig überforderten Krankenhäuser zu unterstützen.

Mehr als 2700 Infektionen in Hubei

Mehr als 2700 Infektionen sind allein in der 58 Millionen Einwohner zählenden Provinz Hubei bestätigt, deren Hauptstadt die schwer heimgesuchte Elf-Millionen-Metropole Wuhan ist. 100 Menschen seien allein in Hubei gestorben. Wie die lokalen Gesundheitsbehörden ferner berichteten, lägen 2567 Patienten mit dem neuen Coronavirus in Krankenhäusern. In den Hospitälern der Provinz hätten sich allein am Montag fast 32.000 Fieberpatienten gemeldet.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt trotz der weiteren Verbreitung des Coronavirus vor einer Panik. Er sei zuversichtlich, dass China die Ausbreitung kontrollieren und eindämmen könne, sagte WHO-Generalsekretär Tedros Adhanom Ghebreyesus laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua nach einem Treffen mit Behördenvertretern in Peking. Er befürworte die Maßnahmen der chinesischen Regierung. Tedros sprach sich den Angaben zufolge dagegen aus, Ausländer, die sich derzeit in China aufhalten, außer Landes zu bringen. Zugleich forderte er die Menschen auf, Ruhe zu bewahren. Der Erreger hat seinen Ursprung in der zentralchinesischen Stadt Wuhan.

Mehrere Länder fliegen ihre Staatsangehörigen aus

Wegen der neuen Lungenkrankheit wollen immer mehr Länder ihre Staatsangehörigen aus den besonders betroffenen Regionen zurückholen, so etwa Großbritannien und Belgien, Frankreich und die USA. Auch Deutschland bereitet eine mögliche Rückkehr seiner Landsleute vor. Japan hat bereits einen ersten Charterflug für seine Landsleute organisiert, dieser solle am Abend aufbrechen, sagte Außenminister Toshimitsu Motegi nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo.

Aus Frankreich startet nach Behördenangaben am morgigen Mittwoch ein erstes Flugzeug nach China, um Franzosen aus der besonders vom Virus-Ausbruch betroffenen Stadt Wuhan zurückzuholen. Die Maschine werde am Donnerstag in Frankreich erwartet, sagt der Staatsminister im Verkehrsministerium, Jean-Baptiste Djebarri, dem Sender CNews. Die Insassen würden zunächst unter Quarantäne gestellt. Zu einem späteren Zeitpunkt solle ein zweites Flugzeug Franzosen zurückholen, die Symptome der Krankheit zeigen. Sie sollen dann in Paris behandelt werden.

Quelle: ntv.de, ibu/dpa/rts