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Mörder hofft auf Ende der Haft Marc Dutroux will neues Gutachten erwirken

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Dutroux gilt als einer der gefährlichsten Verbrecher Belgiens. Sein Fall ist wohl der bekannteste Kriminalfall Belgiens.

(Foto: picture alliance/dpa)

Kindermörder Marc Dutroux hofft auf eine vorzeitige Haftenlassung, obwohl er zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt worden war. Um möglicherweise eher frei zu kommen, beantragen seine Anwälte ein neues psychiatrisches Gutachten. Die Eltern der Opfer sind entsetzt.

Die Anwälte von Kindermörder Marc Dutroux haben einen Antrag auf Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens eingereicht. Sie wollen, dass der psychische Zustand und das Risiko, dass ihr Mandant rückfällig wird, neu bewertet wird. Die Anwälte sprechen von einem "nötigen Schritt" auf einem langen Weg. Die belgische Staatsanwaltschaft hat sich dafür ausgesprochen. Die Freilassung des Mannes, der als einer der schlimmsten Verbrecher in der Geschichte Belgiens gilt, scheint schwer vorstellbar. Allein die Debatte darüber erhitzt die Gemüter.

Dutroux war 1996 festgenommen und 2004 von einem Schwurgericht zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Geschworenen befanden ihn für schuldig, in den Jahren 1995 und 1996 zwei Mädchen und einen Komplizen ermordet sowie insgesamt sechs Mädchen entführt und vergewaltigt zu haben. In den Augen der Opfer-Anwälte ist der heute 62-Jährige auch dreiundzwanzig Jahre nach seiner Verhaftung "ein großer perverser Manipulator". Sie werfen ihm vor, nie die Wahrheit gesagt und kein Bedauern geäußert zu haben.

Während und auch nach seinem Prozesses hatte Dutroux keinerlei Reue gezeigt und sich nicht entschuldigt. Seine Verteidiger dagegen kritisieren die "skandalöse" Behandlung Dutroux' im Gefängnis: Er sei völlig isoliert und würde "lebendig verrotten", seit seiner Verhaftung sei nichts getan worden, um seine Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu fördern. "Er darf unter dem Vorwand, seine eigene Sicherheit zu wahren, an keinen gemeinsamen Aktivitäten teilnehmen", sagte sein Anwalt Bruno Dayez der Nachrichtenagentur AFP.

Mögliche Entlassung in 2021 angestrebt

Dayez hatte Anfang 2018 angekündigt, sich für eine vorzeitige Haftentlassung seines Mandanten nach 25 Jahren Haft, also im Jahr 2021 einzusetzen. In seinem Buch "Warum Marc Dutroux freigelassen werden sollte" kritisiert der Dayez das belgische Haftsystem und verteidigt die These, dass kein Verurteilter länger als ein Vierteljahrhundert im Gefängnis verbringen sollte. Beim Gerichtstermin mit Dutroux im Gefängnis geht es heute zunächst nur um die Frage, ob das von den Anwälten geforderte Gutachten erstellt werden soll. Die Entscheidung darüber soll einige Wochen später fallen. Anschließend hängt es von der Bewertung der Experten ab, ob weitere Schritte zu einer Freilassung unter Auflagen unternommen werden können.

Anwälte der Opfer halten das Verfahren für "verkürzt": Ihren Mandanten werde keine Gelegenheit zur Mitsprache eingeräumt, kritisieren sie. Georges-Henri Beauthier, der den Vater eines der getöteten Mädchen sowie eines der überlebenden Opfer vertritt, wirft den Gerichten vor, eine widersprüchliche Debatte zu führen und Zugang zu Unterlagen vorzuenthalten. Außerdem sollten Akten zu Dutroux' erster Verurteilung wegen mehrerer Vergewaltigungen in den 1980er-Jahren in das Dossier aufgenommen werden, fordert Beauthier. Der spätere Kindermörder war 1992, drei Jahre nach seinem Hafturteil, begnadigt worden. "Schon damals hieß es, dass er höchst manipulativ und gefährlich ist", sagte Beauthier AFP.

Dutroux' Ex-Frau Michelle Martin, die wegen ihrer Beteiligung an den Verbrechen zu 30 Jahren Haft verurteilt worden war, wurde 2012 unter Auflagen freigelassen. Vergangenen Monat wurde auch Dutroux' Komplize Michel Lelièvre die Freilassung unter Auflagen zugestanden. Er war zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. Ein erster Antrag auf Dutroux' vorzeitiger Haftentlassung - mit einer elektronischen Fußfessel - war 2013 gescheitert.

Quelle: Matthieu Demeestere, AFP

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