Panorama

Eurofighter-Einsatz am Himmel Maschine aus Hurghada löst Luftalarm aus

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Abfangjäger im Einsatz: Wenn die Funkverbindung zu einem Flugzeug abreißt, müssen Eurofighter-Piloten aufsteigen.

(Foto: REUTERS)

Laute Donnerschläge reißen die Menschen im Spessart aus dem Alltag: Hat sich am Freitagabend zwischen Bayern und Hessen eine Explosion ereignet? Bei den Behörden gehen zahlreiche besorgte Anrufe ein. Experten der Flugsicherung können den Vorfall erklären.

Der Überflug einer ägyptischen Passagiermaschine hat am Freitagabend einen lautstarken Einsatz zweier Bundeswehrjets in der Grenzregion von Hessen und Bayern ausgelöst. Die deutschen Behörden hätten am Abend mehr als fünf Minuten lang keinen Funkkontakt zu dem Flugzeug herstellen können und daraufhin routinemäßig das Lagezentrum der Luftwaffe alarmiert, erklärte ein Sprecher der Deutschen Flugsicherung.

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Donnerschläge, die in der Spessartregion von der Mainlinie bis nach Hessen hin zu hören sind: Im Alarmfall durchbrechen Eurofighter die Schallmauer.

(Foto: n-tv.de / stepmap.de)

Die Bundeswehr setzte Abfangjäger ein, die der verdächtigen Maschine folgten. Ein Bundeswehr-Sprecher bestätigte den Einsatz der sogenannten Alarmrotte. Die beiden Bundeswehrjets starteten demnach im bayerischen Neuburg an der Donau und nahmen mit hoher Geschwindigkeit die Verfolgung auf. Dabei durchbrachen sie die Schallmauer und lösten lautstarke Donnerschläge aus, die weithin zu hören waren.

Die Schallmauer durchbrochen

Unter anderem in Aschaffenburg, Würzburg und Umgebung, aber auch in Teilen Hessens gingen bei der Polizei Anrufe besorgter Bürger ein. Viele Anrufer seien von einer Explosion ausgegangen, hieß es. Die Behörden konnten zumindest dahingehend Entwarnung geben, dass ihnen keine Hinweise auf etwaige Explosionen vorlägen. Die Ursache der beunruhigenden Schallereignisse, die über eine Strecke von mehr als hundert Kilometer hinweg zu hören waren, blieb zunächst jedoch im Dunkeln.

Das fragliche Verkehrsflugzeug war im ägyptischen Badeort Hurghada gestartet, wo ein Angreifer am Freitag mit einem Messer zwei deutsche Frauen getötet hatte. Auf den Einsatzbefehl für die Jets habe das aber keinen Einfluss gehabt, sagte ein Sprecher der Luftwaffe. Es habe sich um ein "Routinemanöver" gehandelt.

Fehlbedienung am Funkgerät?

Nötig wurde das Eingreifen der Abfangjäger letztlich nicht - die Besatzung des Fliegers mit Ziel Münster/Osnabrück meldete sich via Funk, noch bevor die Jets aufgeschlossen hatten. Sie hatten zuvor vermutlich lediglich eine falsche Frequenz eingestellt. Die Maschine konnte planmäßig und sicher am Flughafen Münster/Osnabrück in Nordrhein-Westfalen landen.

Zum Schutz des deutschen Luftraums stellt die Bundeswehr eigenen Angaben zufolge rund um die Uhr zwei Jagdmaschinen bereit, deren Besatzungen und dazugehörige Techniker Dienst in einer 24-Stunden-Schicht verrichten. Die sogenannte Alarmrotte kann bei Bedarf innerhalb von 15 Minuten abheben. In der Regel werden die Piloten erst in der Luft über ihren Auftrag informiert.

Verfolgungsjagd am Himmel

In den meisten Fällen, so heißt es bei der Luftwaffe, handelt es sich bei solchen Alarmierungen um Flugzeuge, die sich auffällig verhalten, gegen die luftfahrtrechtlichen Vorgaben verstoßen oder die nicht über Funk zu erreichen sind.

"Die Alarmrotte nähert sich dem Flugzeug und versucht über Funk oder mittels Zeichen, Kontakt zum Piloten aufzunehmen", heißt es. "Die Besatzung der Alarmrotte identifiziert das Flugzeug und die Fluggesellschaft, das angestrebte Flugziel sowie mögliche Probleme der Maschine."

In Neuburg an der Donau ist das taktische Luftwaffengeschwader 74 stationiert. Die Einheit ist für den Einsatz am Himmel mit Kampfjets vom Typ Eurofighter ausgestattet. Eine zweite Alarmrotte für die Sicherung im Nordwesten Deutschlands steht mit dem Taktischen Luftwaffengeschwader 71 "Richthofen" am Standort Wittmund bereit.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP/dpa