Panorama

Hanoi - Moskau - Berlin Menschenhändler liefern Kinder-Sklaven

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Der Dong Xuan Markt in Berlin-Lichtenberg gilt als Drehscheibe des Menschenhandels.

(Foto: imago/Schöning)

Internationale Schleusernetzwerke spezialisieren sich zunehmend darauf, Minderjährige in Vietnam anzuwerben. Aus den Versprechen für ein besseres Leben wird dann jedoch Sklavenarbeit. Auch in Berlin.

In Deutschland werden jedes Jahr Dutzende vietnamesische Kinder und Jugendliche als vermisst gemeldet. Die Zahlen steigen seit Jahren, berichtet der RBB unter Berufung auf eigene Recherchen in Berlin und Brandenburg.

Viele der Kinder reisen demnach illegal nach Deutschland ein, organisiert von Menschenhändlern. Mutmaßlich zwingen diese die Kinder dazu, die geschätzten Kosten ihrer Schleusung von 10.000 bis 15.000 Euro abzuarbeiten - unter anderem in Nagelstudios. Wenn es den Behörden gelingt, die Transporte zu stoppen, werden die aufgegriffenen Minderjährigen in Jugendhilfeeinrichtungen gebracht.

Doch von dort verschwinden sie dann. Ein Mitarbeiter einer brandenburgischen Jugendhilfeeinrichtung, der anonym bleiben will, äußert gegenüber dem Sender die Vermutung, dass die Minderjährigen für diese Fälle bereits instruiert sind. Sie "wissen, was zu tun ist, wen sie dann zu kontaktieren haben, wo sie hinzugehen haben, an welche Treffpunkte. Es gibt Leute, die dann auf sie warten. Da scheint vieles im Vorfeld organisiert zu sein". Die Einrichtungen erstatten dann Vermisstenanzeige.

Bisher werde jedoch nach keinem der vietnamesischen Mädchen und Jungen öffentlich gefahndet. Die Brandenburger Polizei erklärte dazu, man suche nach den Minderjährigen mit dem "erforderlichen Druck". Ob das öffentlich geschehe, entscheide die zuständige Dienststelle. Man gehe jedoch nicht davon aus, dass bei den Vermissten Gefahr für Leib und Leben bestehe.

Besorgniserregende Entwicklung

Polnische Ermittler äußern sich jedoch besorgt. Der Posener Staatsanwalt Michal Smetowski berichtet von einem Fall, der dort gerade vor Gericht verhandelt wird. Eine Gruppe angeklagter Menschenhändler soll fast 300 Vietnamesen nach Deutschland eingeschleust haben. "Sie haben sie gezielt nach Deutschland und weiter nach Westeuropa gebracht, sie und ihre Familien bewusst in die Irre geführt, ihnen gute Arbeit versprochen. Sie haben sie unterwegs hungern und umsonst arbeiten lassen, sie geschlagen, ein Mädchen vergewaltigt. Wir gehen davon aus, dass man sie dann in Massagesalons unterbringt oder in Bordellen", beschreibt Smetowski die Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft.

Internationale Schleusernetzwerke haben die Route Hanoi - Moskau demnach seit Jahren ausgebaut. Von der russischen Hauptstadt aus erfolge die Weiterreise dann über die baltischen Staaten und Polen weiter nach Westen. Manchmal würden von Auftraggebern Waisen- oder Straßenkinder regelrecht bestellt. Dem Bericht zufolge wurden in Berlin seit 2012 insgesamt 474 minderjährige Vietnamesen als vermisst gemeldet, in Brandenburg sind es 32.

Quelle: n-tv.de, sba