Panorama
Ausläufer von "Michael" erreichten bereits die Küste von Kuba.
Ausläufer von "Michael" erreichten bereits die Küste von Kuba.(Foto: picture alliance/dpa)
Mittwoch, 10. Oktober 2018

USA erwarten starken Hurrikan: "Michael" trifft mit voller Wucht auf Florida

Die USA wappnen sich für Hurrikan "Michael", der mit hohen Windgeschwindigkeiten und Regen auf die Küste treffen wird. Und auch in Europa richten extreme Niederschläge Schäden an. Die wichtigsten Fragen klärt n-tv Wetterexperte Björn Alexander.

In den USA droht der nächste Hurrikan. Wie stark ist "Michael" derzeit?

Hurrikan "Michael" hat sich zuletzt sogar noch etwas verstärkt. Aktuell ist es ein Major-Hurrikan der zweithöchsten Kategorie 4 (von 5) mit mittleren Windgeschwindigkeiten von um die 215 Kilometer pro Stunde (km/h). Dabei dürften die Spitzenböen bei circa 250 km/h liegen. Die Zuggeschwindigkeit, mit der sich das System bewegt, beträgt knapp 20 km/h in Richtung Nordost.

Wo genau wird der Sturm auf Land treffen?

Der Landfall wird im Bereich zwischen New Orleans und Florida sein. Im Zentrum der stärksten Winde liegen die Bundesstaaten Alabama und Florida. Bekanntere Städte sind Mobile, Pensacola, Panama City und Tallahassee.

Wann ist der Landfall?

n-tv Wetterexperte Björn Alexander
n-tv Wetterexperte Björn Alexander

Am späten Mittwochnachmittag beziehungsweise am frühen Abend unserer Zeit. Wahrscheinlich wird "Michael" dann immer noch eine zerstörerischer Hurrikan der Kategorie 3 mit Windgeschwindigkeiten um die 200 mit Spitzen bis um die 240 Stundenkilometer sein. Darüber hinaus muss man sich an der Küste auf eine Sturmflut von 2 bis 4 Metern über Normal einstellen. Hinzu kommen noch meterhohe Wellen. Da die Küstenbereiche dort sehr flach sind, müssen wir außerdem davon ausgehen, dass die Wassermassen in den Unterläufen der Flüsse weit hochgedrückt werden können. Zudem gibt es teils sintflutartigen Regen.

Wir das Szenario ähnlich wie bei Hurrikan "Florence" vor einigen Wochen sein?

Eher nicht. Denn im Gegensatz zu "Florence" trifft "Michael" senkrecht, ziemlich schnell (mit einer hohen Zuggeschwindigkeit) und mit voller Wucht auf die Küste, sodass der Regen vergleichsweise rasch durch ist. Bereits am Donnerstag in der Früh wird "Michael" - stark abgeschwächt - weit ins Landesinnere von Georgia gezogen sein.

Und danach?

Anschließend zieht er über South- und North Carolina weiter auf den offenen Atlantik. Dabei dürften Regenmengen von 100 bis 300 Liter pro Quadratmeter zusammen kommen. Das ist zwar sehr viel und wird auch für Überflutungen reichen. Allerdings brachte "Florence" doch noch um einiges mehr. Damals waren es 500 bis 1000 Liter auf den Quadratmeter.

Sturm, Flutwellen und Regen. Müssen die Menschen noch weitere Gefahren befürchten?

Wie bei fast allen Tropenstürmen sind auch bei "Michael" einzelne Tornados möglich.

Was genau ist der Unterschied zwischen einem Hurrikan und einem Tornado?

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Hurrikane sind Tropenstürme mit Hunderten bis über 1000 Kilometer Durchmesser, die eine relativ lange Lebensdauer von einigen Tagen haben. Ähnlich also wie unsere Tiefdruckgebiete. Tornados sind im Gegensatz dazu kleinräumige und kurzlebige Wirbelstürme, die in diesem kleinen Umfeld (wenige Meter bis hin zu 1000 Meter) allerdings ein enormes Zerstörungspotenzial aufweisen. Das liegt an den rotierenden Winden, die durchaus 300 bis 500 km/h erreichen können.

Auch in Europa stürmt und regnet es teilweise sehr heftig. Wie ist die Situation in Spanien und insbesondere auf Mallorca?

Dort dreht sich derzeit ein Höhentief. Also ein Tiefdruckgebiet, das mit kühler Luft besonders in höheren Luftschichten ausgeprägt ist und das damit sehr intensive Gewitter auslösen kann. Hinzu kommt, dass das Mittelmeer dort immer noch Wassertemperaturen von um die 25 Grad hat und damit den Unwettern noch mehr Feuchtigkeit und Energie zur Verfügung steht.

Wie viel Niederschlag ist dort gefallen?

Vor allem der Nordosten von Mallorca sowie die Regionen rund um Barcelona bis in den Süden Frankreichs im Bereich der Pyrenäen hat es mitunter sehr schlimm erwischt. So vermeldete zum Beispiel der Flughafen Reus (südlich von Barcelona) um die 150 Liter Regen pro Quadratmeter. Vergleichbar viel dürfte auch im Nordosten von Mallorca gefallen sein. Hinzu kommt natürlich, dass die Böden in diesen Regionen solche enormen Wassermassen in kurzer Zeit nicht aufnehmen können und dass das Wasser somit oberirdisch abfließt. Oder besser: schießt. Denn durch das teilweise hügelige Gelände dürften sich zum Teil reißende Sturzfluten gebildet haben.

Wie geht es dort weiter?

Auch in den nächsten Tagen bleibt das Unwetterrisiko in Nordostspanien, Südfrankreich und Nordwestitalien leider hoch, denn das Höhentief wird sich dort nur langsam abschwächen.

Quelle: n-tv.de