Grillfest auf PoelMinister Backhaus plant Dankesparty mit Wal-Helfern

Sein Schicksal beschäftigte Deutschland. Vor gut einem Monat endet die Rettungsmission für den Buckelwal in der Nordsee. Doch das Tier stirbt, sein Kadaver treibt vor die dänische Küste. Die Aktion einer privaten Initiative ist ohnehin umstritten. Dennoch sollen die Helfer gefeiert werden.
Tagelang haben Helfer im April in der flachen Kirchsee-Bucht der Ostseeinsel Poel vor Wismar um das Leben des gestrandeten Buckelwals gekämpft - letztlich ohne Erfolg, da das Tier kurz nach seinem Transport in die Nordsee verendete. Jetzt will sich Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus mit einem Fest bei den Ehrenamtlichen bedanken, die an der Aktion in der Bucht beteiligt waren.
Am Samstag soll auf der Insel Poel gegrillt werden und Backhaus will Ehrenurkunden überreichen, wie ein Ministeriumssprecher sagte. Auf den Urkunden steht laut "FAZ" unter einem schwimmenden Buckelwal, die Helfer hätten mit "persönlichem Engagement" und "fachlicher Unterstützung" maßgeblich "zu einem Gelingen dieses außergewöhnlichen Einsatzes beigetragen". Eingeladen sind demnach Helfer von Organisationen wie DLRG und Freiwilliger Feuerwehr - den Angaben zufolge werden etwa 50 Gäste erwartet.
Laut NDR schreibt der Minister in seiner Einladung, es sei gemeinsam gelungen, "den in Kirchdorf gestrandeten Wal auf den Weg in seine Heimatgewässer zu geleiten". Auch die "Ostsee-Zeitung" berichtete vorab über das Dankesfest, das laut Ministerium eine nicht öffentliche Veranstaltung ist und deshalb nicht in die wöchentlich verbreitete Aktivitätenliste der Landesregierung aufgenommen wurde.
Wal verwest am Strand
Eine private Initiative um den Media-Markt-Gründer Walter Gunz und die Unternehmerin Karin Walter-Mommert hatte den mehrfach an der deutschen Ostseeküste gestrandeten Meeressäuger vor Poel in einen mit Wasser gefluteten Lastkahn bugsiert und in die Nordsee gebracht. Die Aktion war hochumstritten, Wissenschaftler hatten davon abgeraten und die Überlebenschancen des Tiers als sehr gering eingeschätzt. Wenige Tage nach der Freilassung nördlich von Skagen verendete es, am 14. Mai wurde der Kadaver vor der dänischen Ostseeinsel Anholt entdeckt.
Der Wal hatte nach seiner Freilassung noch vier oder fünf Tage überlebt, sagte Backhaus zuletzt bei einer Auswertung der Senderdaten des Tiers. Demnach steuerte das Tier direkt wieder die Ostsee an. Experten bezweifeln laut "FAZ" aber, ob das Tier nach seiner Freilassung überhaupt noch lebte.
Backhaus zufolge soll der Wal bis zu seinem Tod noch 250 Kilometer zurückgelegt haben. Der geschwächte Wal hätte also äußerst lange tauchen und ungewöhnlich langsam schwimmen müssen. Der dänische Buckelwalfachmann Peter T. Madsen von der Universität Aarhus sieht die veröffentlichten Ortungsdaten in der "FAZ" kritisch. " Ich komme zu dem Schluss, dass solche Daten eher mit einem toten, im Wasser treibenden Wal übereinstimmen, der sich in der Verwesungsphase gelegentlich umdreht, wodurch der Sender freigelegt wird."