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Reaktion auf Sexismusvorwürfe "Miss Germany" verzichtet auf Bikini-Runde

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Die Kandidatinnen zur Wahl der "Miss WM 2018" im Europa-Park auf der Bühne.

(Foto: Patrick Seeger/dpa)

Die Wahl der deutschen Schönheitskönigin findet in Zukunft ohne eine Bikini-Runde statt. Damit reagiert der Wettbewerb auf die Sexismuskritik in den vergangenen Jahren. Nun soll der Fokus stärker auf der Persönlichkeit der Teilnehmerinnen liegen.

Bei der Wahl der "Miss Germany" werden die Kandidatinnen künftig nicht mehr in Bademode zu sehen sein. Stattdessen präsentieren sich die Damen ab der Wahl 2019 in einem Sommer-Outfit, wie der Veranstalter mitteilte. "Wir brauchen keine Bademode, um die Teilnehmerinnen wirklich kennenzulernen", sagte "Miss Germany"-Geschäftsführer Max Klemmer. "Wir wollen die Miss Germany als Persönlichkeit herausstellen", führt er fort. "Dafür war der Bikini-Durchgang nicht sehr relevant." Auch für die Männer soll die Neuerung gelten. Die "Mister Germany"-Kandidaten sollen in der einstigen Badehosen-Runde nun in Jeans und sommerlichen Hemden auflaufen.

Mit der Entscheidung reagiere man auch auf die gesellschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre. "Wir wollen nicht nur irgendein Topmodel sehen, sondern jemanden, der Deutschland repräsentieren kann", sagte Klemmer. Neben der Sommergarderobe soll es bei der kommenden Miss-Wahl ein Interview der Kandidatinnen geben, in dem sie ihre politische Einstellung darlegen sollen.

Die Zurschaustellung leicht bekleideter Frauen ist in den vergangenen Jahren aus den Programmen vieler Großevents gestrichen worden, weil sie als sexistisch kritisiert worden war. So hatte Anfang des Jahres etwa die Formel 1 die sogenannten Grid Girls abgeschafft, die bei der Startaufstellung Schilder mit den Namen und Startnummern der Fahrer hochgehalten hatten. Die Organisatoren der Darts-WM verzichten inzwischen auf die sogenannten Walk-On-Girls. Und auch die "Miss America" in den USA wird inzwischen ohne Bikini-Runde gewählt.

Aussehen ist weiter wichtig

Das habe mit der Entscheidung des deutschen Pendants jedoch "absolut gar nichts" zutun, sagte Klemmer. Trotz der neuen Kleiderordnung und der Betonung der Persönlichkeit spiele das Aussehen der Anwärterinnen bei der "Miss Germany"-Wahl auch künftig eine Rolle, so Klemmer. "Natürlich gehören ein guter Körper und ein gesunder Lebensstil auch weiterhin zu den Anforderungen." Die Schönheitskönigin solle auch eine Vorbildfunktion erfüllen. Dafür sei aber keine Bademode nötig.

"Miss Germany" ist nach Angaben der Veranstalter der älteste Schönheitswettbewerb in Deutschland, es gibt ihn seit 1927. Gewählt wird jährlich. Bereits seit März werden die Anwärterinnen für die "Miss Germany" 2019 in Städte-Misswahlen ermittelt. Die hier ermittelten Gewinnerinnen treten dann an den Wettbewerben zu den Misswahlen in den Bundesländern an. Im Februar 2019 nehmen die 16 Siegerinnen im Anschluss an einem knapp dreiwöchigen Camp teil, in dem sie unter anderem in Social-Media- und Knigge-Kursen geschult werden. Ende Februar 2019 wählt dann eine Jury im Europa-Park in Rust die Nachfolgerin der aktuellen "Miss Germany", der Studentin Anahita Rehbein aus Stuttgart.

Quelle: n-tv.de, Fabian Albrecht, dpa

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