Panorama

Strategie wird ausgeweitet Mit Schnelltests aus dem Lockdown

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Ein Corona-Schnelltest liefert in der Regel nach wenigen Minuten ein Ergebnis.

(Foto: picture alliance/dpa)

Sie könnten ein wichtiger Baustein auf dem Weg aus dem Lockdown werden: Schnelltests sollen in Deutschland künftig für jeden kostenlos zur Verfügung stehen. Bund und Länder, die heute über weitere Öffnungsschritte entscheiden, erhoffen sich damit, das Infektionsgeschehen unter Kontrolle zu halten.

Neben den Impfungen gewinnen die Antigen-Schnelltests rasant an Bedeutung bei der Eindämmung der Corona-Pandemie. Der massenhafte Einsatz von Schnell- und auch Selbsttests soll nach dem langen Lockdown weitere Öffnungsschritte flankieren und helfen, Infektionen und Ausbrüche rechtzeitig zu entdecken. Das ist die Hoffnung von Bund und Ländern, die an diesem Mittwoch über mögliche Lockerungen beraten.

Wer darf die bereits verfügbaren Antigen-Schnelltests vornehmen?

Grundsätzlich dürfen diese Tests nur von medizinischem Fachpersonal vorgenommen werden, weshalb sie auch nicht für jeden frei verkäuflich sind. Allerdings dürfen sie inzwischen auch in Schulen oder Unternehmen angewandt werden - Voraussetzung ist eine Schulung des Personals.

Wann und wo gibt es kostenlose Schnelltests?

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kündigte ursprünglich an, dass ab dem 1. März alle Bürger etwa in einem Testzentrum, einer Arztpraxis oder Apotheke kostenlos einen Corona-Schnelltest vornehmen lassen können. Dies wurde jedoch verschoben. Ein vorläufiges Beschlusspapier zum Corona-Gipfel an diesem Mittwoch sieht die Umsetzung der Maßnahme bis Anfang April vor. Dem Entwurf zufolge soll allen Bürgern mindestens ein Schnelltest pro Woche kostenlos zur Verfügung stehen. Nach Einschätzung der Bundesregierung stehen derzeit noch zu wenige Tests für eine umfassende nationale Teststrategie zur Verfügung. Das soll sich bald ändern - derzeit werden 96 Anträge von Herstellern auf Zulassung geprüft.

Wer trägt die Kosten?

Pro Schnelltest werden 18 Euro veranschlagt. Die Kosten dafür will der Bund tragen. Dafür geschätzt werden 540 Millionen bis 810 Millionen Euro pro Monat - dabei wird nach Erfahrungswerten angenommen, dass etwa 2 bis 2,5 Prozent der Bevölkerung pro Tag ein Testangebot nutzen. Ob auch Selbsttests bezuschusst werden, ist noch offen. Ursprünglich erwog Spahn, die Selbsttests mit einer Eigenbeteiligung von einem Euro abzugeben. Für die Umsetzung ihrer Teststrategie rechnet die Bundesregierung mit Kosten in dreistelliger Millionenhöhe pro Monat.

Wann gibt es Laientests zur Selbstanwendung zu kaufen?

Die ersten Selbsttests soll es in wenigen Tagen geben. Die Drogerieketten dm und Rossmann kündigten an, ab kommender Woche solche Tests zu verkaufen. Natürlich werden sie auch online zu haben sein oder in Apotheken. Die drei jüngst vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zugelassenen Tests für zu Hause funktionieren über einen Abstrich im unteren Nasenbereich. Es gibt aber auch Tests zum Gurgeln oder Spucken. Sie sind für Laien jedenfalls leichter zu handhaben als die normalen Antigen-Schnelltests, bei denen ein tiefer Nasen- oder Rachenabstrich erforderlich ist.

Wo sollen die Schnell- und Selbsttests eingesetzt werden?

Eine zentrale Rolle spielen sie bei weiteren Öffnungsschritten für Schulen und Kitas, aber auch für die Gastronomie und Dienstleistungen. Unternehmen werden dazu angehalten, ihren in Präsenz arbeitenden Beschäftigten mindestens einen kostenlosen Schnelltest pro Woche anzubieten. Schnell- oder Selbsttest könnten künftig auch vor Veranstaltungen oder Familienfeiern zum Einsatz kommen, um eine Ausbreitung des Virus zu vermeiden.

Werden die Schnelltests die bisherigen PCR-Tests ersetzen?

Nein, denn die PCR-Tests, die anders als die Schnelltests in Laboren ausgewertet werden müssen, sind verlässlicher. Sie gelten den Experten nach wie vor als "Goldstandard". Der große Vorteil der Schnelltests ist vor allem der Zeitgewinn. Sie liefern in der Regel bereits nach einigen Minuten ein Ergebnis.

Was passiert bei einem positiven Schnelltest?

Dann muss auf jeden Fall noch ein PCR-Test erfolgen, um das Ergebnis zu bestätigen. Aber auch ein negativer Test schließt eine Infektion nicht aus, vor allem bei einer niedrigen Viruslast etwa in der frühen oder späten Phase der Infektion. Coronaviren könnten so trotzdem weitergegeben werden. Deshalb hält etwa das Robert-Koch-Institut Antigen-Schnelltests nur für eine ergänzende Maßnahme.

Quelle: ntv.de, Andrea Hentschel, AFP

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