Panorama

Getötete Enthüllungsjournalistin Mordfall-Zeuge wird in Blutlache gefunden

RTX6ZU2H.jpg

Die Enthüllungsjournalistin Daphne Caruana Galizia wurde 2017 getötet - nun soll ein Zeuge in dem Mordfall einen Suizidversuch unternommen haben.

(Foto: REUTERS)

Szenen wie in einem Mafia-Film: 2017 wird die Journalistin Daphne Caruana Galizia durch einen Bombenanschlag umgebracht. Ein Mittelsmann in dem Mord stellt sich der Polizei. Nun wird er mit mehreren Stichwunden in seiner überwachten Wohnung gefunden. Alles deutet auf einen Suizidversuch hin.

Ein wichtiger Zeuge des Mordes an der maltesischen Enthüllungsjournalistin Daphne Caruana Galizia schwebt nach einem mutmaßlichen Suizidversuch in Lebensgefahr. Der Taxifahrer Melvin Theuma sei am Dienstagabend in einer Blutlache liegend an seinem Wohnort in Swieqi in Malta aufgefunden worden, wie die Polizei mitteilt.

Die Anzeichen deuteten darauf hin, dass Theuma sich die Verletzungen selbst zugefügt habe. Es habe keine "Abwehrwunden" gegeben und Blutspritzer zeigten eine Selbstverletzung an, sagte Maltas Polizeichef Angelo Gafà gegenüber Reportern. Theumas Zustand habe sich inzwischen stabilisiert.

Theuma behauptet von sich selbst, Mittelsmann in dem Mord an Caruana Galizia gewesen zu sein, die im Oktober 2017 in Malta durch einen Bombenanschlag auf ihr Auto getötet wurde. Er stand wegen des laufenden Verfahrens unter dauerhaftem Polizeischutz und wurde im vergangenen Jahr vom maltesischen Präsidenten begnadigt. Bewaffnete Beamte begleiteten seine Wege zum und vom Gericht, seit er letztes Jahr mit der Aussage begonnen hat, weil ein Mordanschlag realistisch schien. Polizisten waren zuvor in seinem Haus stationiert gewesen, aber dies wurde auf Wunsch von Theuma wegen "Privatsphäre" eingestellt, bestätigt Gafà.

Keine Anzeichen für gewaltsames Eindringen

Die Journalistin Caruana Galizia hatte regelmäßig über Korruption, Geldwäsche und andere illegale Geschäfte in Malta berichtet. Darin verwickelt waren nach ihren Recherchen auch Mitglieder der Regierung. Theumas Aussage hatte zur Verhaftung des mächtigen Geschäftsmannes Yorgen Fenech geführt, der wegen des Vorwurfs der Beihilfe zum Mord vor Gericht steht. Theuma hatte erklärt, er sei von Fenech bezahlt worden, um andere mit der Platzierung der Bombe zu beauftragen.

Theumas Anwalt hatte nun die Polizei informiert, nachdem er seinen Mandanten nicht erreichen konnte. Laut Polizei gibt es keine Anzeichen für ein gewaltsames Eindringen in Theumas Haus.

Der Mord an der Journalistin in einem EU-Land hatte weltweit für Aufsehen gesorgt. Zuletzt gab es in dem Skandal immer neue Enthüllungen. Drei Männer stehen wegen des Mordes vor Gericht. Fenech ist als Komplize angeklagt. Im Polizeiverhör beschuldigte er Ermittlungskreisen zufolge den langjährigen Kabinettschef der Regierungsspitze, Keith Schembri, den Mord in Auftrag gegeben zu haben.

Quelle: ntv.de, dbe/AFP