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Alles zum Mund-Nasen-Schutz Muss man jetzt überall Masken tragen?

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Dieser Anblick wird nun normal.

(Foto: dpa)

Lange wird über den Nutzen von Gesichtsmasken in der Corona-Pandemie gestritten. Doch inzwischen setzt sich die Auffassung durch, dass der Mund-Nasen-Schutz helfen kann, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Aber ist er schon Pflicht?

Gibt es denn bereits die allgemeine Pflicht, eine Maske zu tragen?

Als erstes Bundesland führt Sachsen ab heute eine Maskenpflicht ein: Beim Einkauf und im Nahverkehr muss man im Freistaat ab sofort einen Mund-Nasen-Schutz oder Schal tragen. Zuvor hatte es bereits regionale Verordnungen gegeben. Im thüringischen Jena beispielsweise ist das Tragen in Supermärkten, im öffentlichen Nahverkehr und in Gebäuden mit Publikumsverkehr schon länger Pflicht. In Jena muss man auch am Arbeitsplatz eine Maske tragen. Auch die Städte Hanau, Münster und Wolfsburg machen den Mund-Nasen-Schutz nun zur Pflicht. In Mecklenburg-Vorpommern ist das Tragen einer Maske im öffentlichen Nahverkehr ab dem 27. April verpflichtend. Auch Bayern führt die Maskenpflicht in der kommenden Woche ein. Zuletzt hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel betont, dass es aber zunächst keine generelle bundesweite Maskenpflicht geben soll.

Könnte man eine bundesweite Maskenpflicht überhaupt anordnen?

Eine bundesweite Maskenpflicht wäre laut einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland rechtlich zwar möglich, allerdings müsste sie durch die Bundesländer oder kommunalen Gesundheitsbehörden angeordnet werden. Die Einführung einer allgemeinen Maskenpflicht wird jedoch immer wahrscheinlicher. "Ich bin überzeugt, dass Alltagsschutzmasken bald zu unserem öffentlichen Leben gehören und etwa im Öffentlichen Personennahverkehr auch bald zur Pflicht werden können, sobald sie ausreichend verfügbar sind", sagte Niedersachsens Regierungschef Stephan Weil am Wochenende der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung".

Soll man jetzt eine Maske tragen?

Die Ministerpräsidenten der Länder und die Bundesregierung empfehlen das Tragen von sogenannten Alltagsmasken im öffentlichen Nahverkehr und im Einzelhandel "dringend".

Aber schützen die Masken denn überhaupt?

Vor einer Ansteckung des Trägers mit dem Virus schützen die einfachen Masken eher nicht. Allerdings verhindert man mit dem Tragen die Infektionsgefahr für andere Menschen. Die Stoffbarriere vor Mund und Nase fängt in gewissem Umfang Tröpfchen beim Sprechen, Niesen oder Husten auf. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht eine Mundschutzpflicht jedoch weiter skeptisch. Das allgemeine Tragen von Mundschutz habe im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus keinen Nutzen, heißt es. Es gebe keinerlei Anzeichen dafür, dass damit etwas gewonnen wäre, sagte der WHO-Nothilfedirektor Michael Ryan in Genf.

Wie komme ich zu einem Mund-Nasen-Schutz?

Im Internet kursieren zahlreiche Anleitungen, wie man sich mit und ohne Nähfertigkeiten selbst eine Maske herstellen kann. Außerdem bieten inzwischen viele Hersteller ihre Masken zum Kauf an. Selbst bei kleinen Änderungsschneidereien kann man fündig werden. Nachdem vor allem medizinische Masken zunächst kaum zu bekommen waren, gibt es inzwischen in Apotheken auch einfache Masken wieder zu kaufen. Im Zweifelsfall könnte man sich auch einen dünnen Schal oder ein Tuch vor Mund und Nase binden. In Dresden werden im Rathaus Masken an die Bürger ausgegeben. Pro Person ist die Ausgabe auf zwei Masken begrenzt, wenn die Bürgerämter wieder öffnen, will die sächsische Landeshauptstadt ihre Bürgerinnen und Bürger auch an diesen Standorten mit Masken versorgen. "Jeder Dresdner, der keine eigene Möglichkeit sieht, sich eine Mund-Nasen-Bedeckung zu besorgen, wird eine Maske erhalten", heißt es von der Stadt.

Was muss man beim Tragen einer Maske beachten?

Für den allgemeinen Gebrauch reicht eine sogenannte Mund-Nasen-Bedeckung, die zertifizierten medizinischen Schutzprodukte sollen weiterhin dem medizinischen Personal vorbehalten bleiben. Man sollte die Maske mit sauberen Händen aufsetzen und wenn möglich an den Befestigungsbändern oder -schlaufen anfassen. Der Schutz sollte eng am Gesicht anliegen und Mund und Nase vollständig bedecken.

Wie lange kann ich eine Maske tragen?

Ist eine Maske feucht oder schmutzig, sollte sie gewechselt werden. Insgesamt sollte man eine Maske nicht länger als acht Stunden tragen. Stoffmasken aus Baumwolle kann man bei 60 Grad in der Waschmaschine waschen. Dann sind nach Ansicht des Virologen Christian Drosten von der Berliner Charité auch mögliche Viren abgetötet. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte empfiehlt eine Waschtemperatur von 95 Grad. Alternativ kann man die Mund-Nasen-Bedeckung fünf Minuten auskochen oder im Backofen bei 70 Grad trocknen. Wer sicher gehen will, kann die Maske auch heiß bügeln. Wichtig ist, eine von der Atemluft durchfeuchtete Maske nicht immer wieder zu tragen, sondern zwischendurch zu reinigen.

Was spricht denn gegen das Tragen einer Maske?

Ein Risiko besteht darin, dass Menschen die Maske falsch abnehmen und sich dabei dann erst recht infizieren. Außerdem wird befürchtet, dass man sich mit der Maske in falscher Sicherheit wiegt und andere Hygienemaßnahmen wie das gründliche Händewaschen oder den Abstand zu anderen Menschen vernachlässigt. Die Maske könnte auch dazu verleiten, sich häufiger ins Gesicht zu fassen, was man ebenfalls vermeiden sollte.

Wie viele Masken werden jetzt gebraucht?

Die Bundesregierung rechnet mit einem Bedarf von jährlich bis zu zwölf Milliarden Atemschutzmasken. "Wenn wir allen Menschen in Deutschland das Arbeiten, Einkaufen und Busfahren mit Mundschutz ermöglichen möchten, brauchen wir zwischen acht und zwölf Milliarden Masken pro Jahr", sagt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier der "Bild am Sonntag". Ziel sei, schon in der zweiten Sommerhälfte Millionen OP-Masken und Mundschutze in Deutschland produzieren zu können.

Quelle: ntv.de, sba