Auch Angriff auf WohnprojektMutmaßliche Rechtsextreme beschmieren Synagoge in Cottbus mit Hakenkreuz

Cottbus im Süden Brandenburgs ist seit Jahrzehnten eine Hochburg der rechtsextremen Szene. In der jüngeren Vergangenheit häufen sich die Angriffe auf Andersdenkende jedoch. Die jüngsten Ziele: ein Hausprojekt und eine Synagoge.
Ein Hakenkreuz an der Synagoge, eine brennende Fackel in einem alternativen Wohnprojekt: Der Staatsschutz der Polizei prüft, ob hinter diesen Straftaten in Cottbus in Brandenburg rechtsextreme Täter stecken. Bereits vor wenigen Tagen waren mehrere mutmaßlich rechte Drohungen auch vor der Wohnung eines Studentenpfarrers, der sich gegen Rechtsextremismus stellt, bekannt geworden.
Nach einem volksverhetzenden Schriftzug an der Synagoge in Cottbus am Freitag wurde das jüdische Gotteshaus nun mit einem rechtsextremistischen Symbol beschmiert. Wie ein Sprecher der Polizei sagte, entdeckte eine Streife am Morgen ein schwarzes Hakenkreuz an der Synagoge. Die verbotene Schmiererei sei 1,0 Meter mal 1,50 Meter groß. Die Polizei klebte das Hakenkreuz zunächst ab. Die Entfernung der Schmiererei sei veranlasst.
Die Jüdische Gemeinde teilte auf Anfrage mit: "Natürlich erleben Cottbuser Jüdinnen und Juden vermehrt Anfeindungen, aber sie haben keine Angstgefühle." Es gebe ständig Kontakt mit regionalen und überregionalen Sicherheitsbehörden. Äußere Videokameras seien wegen des Datenschutzes aber kaum hilfreich, hieß es.
Angriff auf Wohnung von Pfarrer
Zudem war es in Cottbus am Sonntag kurz vor Mitternacht zu einem Angriff auf ein alternatives Wohnprojekt gekommen. Unbekannte warfen eine Leuchtfackel in den Hausflur. Es sei eine gezündete Bengalo-Fackel gewesen, sagte ein Sprecher der Polizei. Die Initiative Sichere Orte Südbrandenburg schrieb von einer "Rauchbombe" auf das Wohnhaus "WK51".
Mit Blick auf jüngste Drohungen und Einschüchterungsversuche mutmaßlich aus der rechtsextremen Szene teilte die Initiative mit: "Wieder trifft ein rechter Angriff private Wohnungen und die Menschen, die dort leben." Die Bewohner hätten wegen des Rauchs das Haus verlassen, es sei niemand verletzt worden, so der Polizeisprecher.
"Mitten in der Nacht stand dichter Rauch in unseren Wohnungen. Wir dachten, unser Haus brennt", schilderte eine Bewohnerin der Initiative zufolge. In dem Haus leben demnach internationale Studierende, Handwerker sowie zivilgesellschaftlich und kulturell engagierte Menschen.
Es ist längst nicht der erste Angriff auf alternative Wohnprojekte in Cottbus. Im März waren etwa am Haus "WK51" Fensterscheiben eingeschlagen worden, wie ein Sprecher der Polizei sagte. Zuletzt hatten Unbekannte auch das Wohnprojekt "Zelle 79" mit Hakenkreuzen beschmiert. Das Objekt wurde bereits wiederholt zum Ziel solcher Attacken.
Auch weitere Fälle hat die für politisch motivierte Straftaten zuständige Staatsschutz-Abteilung der Polizei übernommen. Vor rund zehn Tagen sollen Unbekannte vor der Wohnungstür eines Studentenpfarrers, der für die Initiative Sichere Orte Südbrandenburg engagiert ist, randaliert haben. Die Zahl rechter Gewalttaten in Brandenburg ist nach Angaben des Vereins Opferperspektive 2025 auf einen Höchstwert gestiegen. Für das vergangene Jahr seien 290 rechte, rassistische, antisemitische und queerfeindliche Angriffe gezählt worden, teilte der Verein mit. Cottbus ist in Brandenburg seit Langem als eine Hochburg des Rechtsextremismus. bekannt