Panorama

Inkubationszeit unterschätzt? Mysteriöse Corona-Fälle in Italien und Iran

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In Indonesien werden China-Touristen nach ihrer Ankunft am Flughafen gründlich desinfiziert.

(Foto: REUTERS)

Maximal 14 Tage soll es nach der Infektion dauern, bis das neuartige Coronavirus ausbricht - das war bisher die Annahme der Gesundheitsbehörden. Möglicherweise haben sie sich getäuscht: In mehreren Ländern häufen sich Infektions- und Todesfälle. Eine nachvollziehbare Ursache ist nicht ersichtlich.

Die Inkubationszeit des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 könnte nach chinesischen Angaben deutliche länger sein als bislang angenommenen. In der besonders betroffenen Provinz Hubei habe sich ein 70-jähriger Mann mit der Lungenkrankheit infiziert, aber 27 Tage lang keine Symptome gezeigt, teilt die Provinzregierung mit. Bisher waren Gesundheitsbehörden wie das Robert-Koch-Institut davon ausgegangen, dass es nach der Infektion mit dem Virus maximal 14 Tage dauert, bis die Krankheit ausbricht.

Eine längere Dauer von der Ansteckung bis zu den ersten Anzeichen der Krankheit könnte die Bemühungen erschweren, die Epidemie einzudämmen. Erste Hinweise darauf gab es bereits bei dem Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess", das vor der japanischen Küste liegt. Nach zweiwöchiger Quarantäne hatten am Mittwoch rund 500 Passagiere das Schiff verlassen. Anschließend stellte sich bei mehreren ehemaligen Passagieren, die ursprünglich negativ auf das Virus getestet wurden, heraus, dass sie doch infiziert waren.

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Laut der chinesischen Gesundheitskommission sind in der Volksrepublik derzeit 76.288 mit der Lungenkrankheit Covid-19 infiziert. Insgesamt forderte die Epidemie in China schon rund 2350 Menschenleben.

Zweiter Todesfall in Italien

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In Venetien gibt es aktuell 2 Infektionsfälle, in der benachbarten Lombardei 15.

(Foto: dpa)

Die ersten beiden europäischen Todesopfer meldete am Samstag Italien. Wenige Stunden, nachdem der italienische Gesundheitsminister Roberto Speranza den Tod eines 78-jährigen Mannes in Venetien bestätigt hatte, starb laut der Nachrichtenagentur Ansa eine Frau in der Lombardei an der Infektion.

Um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern, haben die Behörden in mindestens zehn norditalienischen Städten angeordnet, dass Schulen, Behörden und sonstige öffentliche Gebäude vorerst geschlossen bleiben. Das gilt für mindestens eine Woche auch für Lebensmittelgeschäfte, Bars, Diskotheken sowie Sportzentren. Betroffen seien rund 50.000 Menschen.

Insgesamt sind in Italien bislang 30 Infektionsfälle bekannt, davon 17 aus der Lombardei und Venetien. Wie sich die Betroffenen infiziert haben, ist unklar: Keiner von ihnen war nach China gereist. Der erste bekannte Patient, ein 38-Jähriger aus Lodi, sei krank geworden, nachdem er einen Freund getroffen habe, der kurz zuvor nach China gereist war, heißt es. Dieser Freund sei seither negativ auf das Virus getestet worden.

Rasanter Anstieg in Südkorea

Besonders besorgniserregend ist zudem die Lage in Südkorea, wo die Zahl der Neuinfizierten am Wochenende sprunghaft anstieg und sich mehr als verdoppelte: Seit Freitagabend haben die Behörden in Seoul 229 neue Infektionen gemeldet. Damit sind derzeit mindestens 433 Menschen mit dem Virus infiziert.

Infektionsherd ist demnach eine 61-jährige Anhängerin der christlichen Sekte "Shincheonji Church of Jesus". Sie hatte zunächst einen Virustest verweigert und war trotz der Erkrankung weiter zu Gottesdiensten in der Stadt Daegu gegangen.

Mittlerweile hat auch der Elektronikkonzern Samsung einen Infektionsfall in seinem Werk im südkoreanischen Gumi bestätigt. Die Niederlassung, in der Mobiltelefone hergestellt werden, sei geschlossen worden, heißt es.

Rätselhafte Infektion im Iran

Einen weiteren Todesfall meldet der Iran. Nach Angaben des iranischen Gesundheitsministeriums stieg die Zahl der toten Covid-19-Patienten damit auf fünf. Außerdem sei die Zahl der positiv getesteten Patienten von 11 auf 28 gestiegen.

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Aus Sorge, das Virus könnte aus dem benachbarten Iran herüberschwappen, hat auch der Irak seine Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen verstärkt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Auch im Iran ist die Infektionsursache unklar: Bei den ersten beiden Toten aus der Stadt Ghom im Zentraliran soll es sich um zwei ältere Männer handeln, die in jüngster Zeit nicht im Ausland waren und auch keinen Kontakt zu chinesischen Touristen hatten. Beide sollen Vorerkrankungen gehabt haben. Bei einem weiteren Opfer handelte es sich möglicherweise um einen Arzt in der nordiranischen Gilan Provinz, der Corona-Patienten behandelte. Das vierte Opfer soll eine ältere Frau gewesen sein. Über das fünfte Opfer sind noch keine Informationen bekannt.

Quelle: ntv.de, chr/rts/dpa