Panorama

Kliniken wegen Corona überlastet New York baut Lazarett im Central Park

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Die Hilfsorganisation Samaritan's Purse hat das Feldlazarett am Wochenende aufgebaut.

(Foto: AP)

Der Höhepunkt der Corona-Krise ist noch längst nicht erreicht, doch schon jetzt steht New York am Rande einer Katastrophe. Mitten im Central Park sollen deshalb künftig Patienten in einem Feldlazarett versorgt werden. Und auch finanziell kämpfen plötzlich viele ums Überleben.

Ein Feldlazarett mitten im Central Park, ein Massenansturm auf die Tafeln und ein Bürgermeister, der nach medizinischer Unterstützung durch die Armee ruft: In der Corona-Krise gleicht New York einem Kriegsgebiet. Die sonst pulsierende US-Küstenmetropole bereitet sich auf eine drohende Katastrophe wegen der Pandemie vor.

Experten erwarten den Höhepunkt der Corona-Pandemie in den USA erst in rund zwei Wochen, doch den Krankenhäusern in New York droht bereits jetzt die Überlastung. Bürgermeister Bill de Blasio warnte am Sonntag, die in den Kliniken der Stadt vorhandene Schutzausrüstung werde nur noch für eine Woche reichen. In einem Eilantrag an die Regierung in Washington forderte er Militärmediziner zur Unterstützung an.

Die christliche US-Hilfsorganisation Samaritan's Purse machte derweil Nägel mit Köpfen. Im Central Park errichtete sie am Wochenende ein Feldlazarett für Corona-Patienten. Der Bau des Lazaretts erfolgt in Abstimmung mit dem New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo, der US-Katastrophenschutzbehörde und dem Klinikbetreiber Mount Sinai, erklärt der Arzt und Samaritan's-Purse-Mitarbeiter Elliott Tenpenny. Ziel sei es, noch in dieser Woche erste Patienten aufzunehmen. "Die Krankenhäuser überall in der Stadt füllen sich und brauchen jede Hilfe, die sie bekommen können." Bis zu 68 Corona-Patienten können laut Tenpenny in dem Lazarett aufgenommen werden.

Normalerweise ist die in den 70er Jahren gegründete Organisation in von Krieg oder Naturkatastrophen heimgesuchten Krisengebieten tätig. "In der Regel sind das internationale Einsätze nach Katastrophen - aber die USA sind jetzt in einer massiven Notlage und so sind wir hier, um unserem eigenen Land zu helfen", sagt Tenpenny.

Warten auf Einmalzahlung

Auch die Tafelbetreiber in New York beobachten eine Notlage in der Stadt - auch auf sozialer Ebene. Allein die Organisation City Harvest, die mehrere Lebensmittel-Ausgabezentren betreibt, verzeichnete am Wochenende Hunderte Kunden.

Sie sei zum ersten Mal hier, sagt die 40-jährige Lina Alba beim Besuch einer Tafel unter freiem Himmel im Stadtteil Washington Heights. Bis vor zwei Wochen hat die 40-jährige Mutter von fünf Kindern als Servicekraft in einem jetzt wegen der Corona-Krise geschlossenen Hotel in Manhattan gearbeitet. Auch ihre zwei ältesten Kinder sind durch die Krise arbeitslos geworden. "Wir brauchen die Hilfe jetzt. Das ist verrückt. Wir wissen nicht, was in den nächsten Wochen passieren wird."

Alba berichtet von langen Wartezeiten bei den Sozialämtern. Es habe eine Woche gedauert, bis sie ihre Arbeitslosigkeit formal anmelden konnte. Drei Wochen muss sie nun auf die Auszahlung von Sozialleistungen warten. Zudem hofft sie, bald eine einmalige Barzahlung von 1200 Dollar zu bekommen, welche die US-Regierung in ihrem billionenschweren Corona-Hilfsprogramm für die Bürger plant. "Es wird nicht reichen, aber es ist immerhin etwas", sagt Alba. "Sehr viele Menschen" bräuchten jetzt Hilfe. "Es ist die ganze, gesamte Stadt."

Abrutschen in die Armut

Die Schließung fast aller Geschäfte in New York vor zwei Wochen hat viele Schicksale hervorgebracht, die jenem von Alba ähneln, sagt Geraldine Fermin, die für den Tafelbetreiber City Harvest arbeitet. "Menschen, die arm waren, sind jetzt noch ärmer, und Menschen, die ordentliche Jobs hatten, die sie über Wasser hielten, sind jetzt auch arm."

Vor der Krise seien 1,2 Millionen Menschen in New York auf Hilfe angewiesen gewesen, sagt der Vize-Chef des Tafelbetreibers, Eric Ripert. "Jetzt sind es dreimal so viele." Die Corona-Krise sieht er als beispiellos. "Wir haben den 11. September 2001 überstanden, die große Rezession von 2008/2009. Wir haben vieles überstanden, aber nichts ist vergleichbar mit der Katastrophe, die wir jetzt erleben."

Quelle: ntv.de, Catherine Triomphe, AFP