Panorama

Zweiter Kreis dicht, MassentestsNordrhein-Westfalen zieht die Notbremse

23.06.2020, 17:33 Uhr
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Noch am Morgen wiegelt Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Laschet in der Tönnies-Krise ab und schließt einen Lockdown für Güterslohs Nachbarkreis Warendorf aus. Am Nachmittag ist die behutsame Variante vom Tisch. Gesundheitsminister Laumann zieht die Notbremse und kündigt Massentests an.

Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies schränken die NRW-Behörden das öffentliche Leben im Kreis Gütersloh und auch im Nachbarkreis Warendorf massiv ein. Im öffentlichen Raum dürfen sich die Bewohner eine Woche lang nur noch mit Personen des eigenen Hausstands bewegen oder zu zweit. Außerdem werden Museen, Kinos, Fitnessstudios, Hallenschwimmbäder und Bars geschlossen, teilte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann mit. Der Kreis Warendorf werde von Donnerstag an zudem alle Schulen und Kitas schließen - in Gütersloh sind sie bereits zu.

Laumann begründete den Lockdown für den kompletten Kreis Warendorf unter anderem mit den Bewegungen der Bewohner: "Man kann das nicht dorfscharf machen. Das gesellschaftliche Leben orientiert sich nicht an Dorfgrenzen", sagte Laumann. Zudem habe die 7-Tages-Inzidenz den Wert von 50 überschritten. "Darauf guckt auch Deutschland. Darauf guckt auch das Ausland. Und ich finde, wenn man das abgemacht hat, muss man sich auch dran halten", so Laumann.

Zugleich kündigte der NRW-Gesundheitsminister massive Ausweitungen der Tests an. Laumann erläuterte, dass die Behörden nun auch Werkvertragsarbeiter anderer Unternehmen testen wollten, die zu den Tönnies-Arbeitern Kontakt gehabt hätten. Noch sei unklar, welche Unternehmen das seien, sagte der CDU-Politiker und fügte hinzu, ein Teil der Werkvertragsunternehmer sei nicht kooperativ. Auch Bewohner und Beschäftigte in den Pflegeeinrichtungen sollen in den kommenden Tagen durchgetestet werden. Gleiches gelte für Mitarbeiter der Krankenhäuser, Beschäftigte im Lebensmitteleinzelhandel und Kioskpersonal. Getestet werden sollen auch die Beschäftigten von Unternehmen und Subunternehmen, die zentrale Gemeinschaftsunterkünfte betreiben oder in einem nennenswerten Umfang Werkvertragsarbeitnehmer beschäftigen.

Betroffene Kreise: Kostenlose Tests für alle Bürger

Alle Bürger der beiden Kreise sollen außerdem die Möglichkeit erhalten, kostenlos einen Test durchführen zu lassen. Die Bevölkerung werde durch Zeitungsannoncen und Lautsprecherdurchsagen zur Testung aufgerufen. "Wir werden auch öffentliche Teststationen über Bundeswehr und Rotes Kreuz errichten", sagte Laumann

Grund für den Schritt ist der Corona-Massenausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies. Beim Schlachtbetrieb des Marktführers im westfälischen Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh hatten sich mehr als 1550 Beschäftigte nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Viele von ihnen leben im Nachbarkreis Warendorf - deshalb war auch dort am Dienstag ein wichtiger Schwellenwert für Neuinfektionen überschritten worden.

Laschet von Ereignissen überholt

Wenige Stunden zuvor hatte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet von der CDU noch angekündigt, die Einschränkungen für den Kreis Warendorf würden "nicht flächendeckend" sein, sondern nur für Orte gelten, die an den Kreis Gütersloh grenzen. Auch Warendorfs christdemokratischer Landrat Olaf Gericke hatte noch am Morgen betont, ein Lockdown im Kreis sei nicht nötig.

Der Lockdown gilt zunächst für eine Woche. Bis zum 30. Juni erwartet die Landesregierung Klarheit, inwieweit sich das Virus womöglich auch bei Menschen, die nicht bei Tönnies arbeiten, ausgebreitet hat. Laumann bat die betroffenen Bewohner der Kreise um Verständnis. "Ohne die Maßnahmen wären die Belastungen am Ende womöglich um ein Vielfaches höher - in den Kreisen Gütersloh und Warendorf, in den benachbarten Kreisen und Städten sowie in den anderen Teilen unseres Landes", sagte er.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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