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Urteil für Ku'damm-Raser Nur Mord ist Mord

Raser

Die Angeklagten sind zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

(Foto: REUTERS)

Die beiden jungen Männer, die über den Kurfürstendamm in Berlin rasen und einen Mann tödlich verletzen, sind erneut verurteilt worden. Wieder lautet der Richterspruch: Lebenslange Haft für Mord. Doch daran sind Zweifel mehr als angebracht.

Mit Sicherheit ist es keine leichte Straftat, über die die Berliner Richter urteilen mussten. Aus purem Spaß an einem Autorennen haben die beiden Angeklagten das Risiko in Kauf genommen, dass ein Mensch stirbt. Da ist es schwierig, den Fall wie einen normalen Verkehrsunfall zu behandeln. Die als Ku'damm-Raser bekannt gewordenen Angeklagten haben dafür eine der höchstmöglichen Strafen erhalten: Lebenslang wegen Mordes. Doch damit senden die Richter das falsche Signal.

Klar: Die beiden Angeklagten Hamid H. und Marvin N. sind wissentlich mit bis zu 170 Kilometern je Stunde mitten durch die Berliner Innenstadt gerast und dabei in ein unbeteiligtes Fahrzeug gekracht. Ein 69-jähriger Mann musste deswegen sterben. Das ist schrecklich und unverzeihlich. Keine Frage. Aber ist es wirklich gleichzusetzen mit einer Tat, bei der jemand bewusst, skrupellos und planmäßig einen Mord begeht?

Harte Urteile, so wie es heute am Berliner Landgericht gefällt wurde, sollen Signalwirkung haben. Raser sollen es sich künftig zweimal überlegen, ob sie bei einem illegalen Autorennen mitmachen. Nur: Genützt hat solch demonstrierte Härte bislang wenig. Vor drei Jahren sind die beiden Raser schon einmal wegen Mordes verurteilt worden. Die Zahl illegaler Autorennen ist danach nicht wirklich gesunken. Verkehrsrechtler berichten sogar das Gegenteil.

Raser treffen, wo es wirklich wehtut

In deutschen Innenstädten treffen sich nach wie vor Raser, um sich bei waghalsigen Wettrennen mit ihren PS-starken Autos zu messen. Immer wieder kommt es dabei auch zu Unfällen. In Raserhochburgen gibt es deshalb längst eigene Ermittlungsgruppen. Mit Kameras ausgerüstet versuchen Polizisten den Rasern so auf die Spur zu kommen.

Die Beamten sagen: Was wirklich hilft, ist die unmittelbare Beschlagnahmung der schnellen Autos. Denn wer dieses Problem in den Griff bekommen will, muss die Raser da treffen, wo es ihnen wirklich wehtut: bei den Prestigeobjekten, mit denen sie sich darstellen und über die sie sich definieren wollen. Oft handelt es sich bei den Rasern um junge Männer, die sich austesten und mit der Übertretung von Gesetzen Anerkennung verschaffen wollen. Ohne ihre dicken Karren wäre das alles nicht möglich. Mehr noch: Sind keine Autos da, bei denen man mit voller Wucht aufs Gaspedal treten kann, lassen sich auch keine Rennen veranstalten.

Ohne Autos keine Rennen

Sofortiger Führerscheinentzug, Geldstrafen oder ein Fahrverbot auf Lebenszeit - das alles kann Raser für immer aus dem Verkehr ziehen. Aber eine endgültige Sicherheit, dass sich die Fahrer nicht auch ohne Lappen hinters Steuer trauen oder unerlaubt ein Auto mieten, gibt es nicht. Es werden sich eben nie alle Raser aufhalten lassen, bei einem der waghalsigen Rennen mitzufahren.

Darauf hat der Gesetzgeber ja auch längst reagiert. Seit 2017 gibt es dafür Paragraf 315 d im Strafgesetzbuch. Der konnte bei den Berliner Angeklagten aber nicht angewendet werden, weil er erst nach dem Unfall ins StGB aufgenommen wurde. Das neue Gesetz besagt, dass schon die Teilnahme an einem illegalen Autorennen strafbar ist. Bei folgenschweren Unfällen beispielsweise, bei denen ein anderer Mensch zu Tode kommt, drohen Rasern sogar bis zu zehn Jahre Haft. Aber auch hier gilt: Zehn Jahre Höchststrafe ist eben nicht lebenslang, und ein verbotenes Rennen ist kein Mord.

Quelle: n-tv.de

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