Panorama

Probleme mit der Kühlkette Oberfranken und Augsburg verschieben Impfstart

Bundesweit werden am Sonntag die ersten Menschen gegen das Coronavirus geimpft. Doch in Teilen von Oberfranken und im Landkreis Augsburg heißt es: Heute finden keine Impfungen statt. Grund sind Probleme in der Kühlkette für den Impfstoff.

In sechs Landkreisen Oberfrankens ist der Start der Corona-Impfungen wegen möglicher Probleme in der Kühlkette für den Impfstoff verschoben worden. "Beim Auslesen der Temperaturlogger, die in den zentral beschafften Kühlboxen beigelegt wurden, sind Zweifel an der Einhaltung der Kühlkette für den Impfstoff aufgekommen", heißt es in einer Erklärung der Landräte der Kreise Coburg, Lichtenfels, Kronach, Hof, Wunsiedel und Kulmbach. Nicht betroffen sind die oberfränkischen Kreise und kreisfreien Städte Bamberg, Bayreuth und Forchheim.

Wann in den restlichen Kreisen geimpft werden kann, stand einem Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums zufolge nicht fest. Die Landräte wollen zunächst - unter anderem mit der Herstellerfirma Biontech - prüfen, ob der Impfstoff weiterhin problemlos verwendbar ist. "Sollte es nur den geringsten Anhaltspunkt geben, dass der Impfstoff nicht zu 100 Prozent den Qualitätskriterien entspricht, wird diese Charge auch nicht verimpft", sagte der Vorsitzende des Bezirksverbandes Oberfranken des Bayerischen Landkreistages, der Lichtenfelser Landrat Christian Meißner. Es gehe nicht ums Tempo.

Biontech will gelieferte Impfdosen prüfen

Auch im Landkreis Augsburg haben die Behörden den Impfstart gegen das Coronavirus aufschieben müssen. Dort sei ebenfalls die Kühlkette nicht nachvollziehbar gewesen, teilte der Landkreis mit. "Aus dem integrierten Kühlprotokoll geht hervor, dass die erfasste Temperatur während des Transportes zunächst drei Grad Celsius und später minus ein Grad Celsius betragen hat", erläuterte Augsburgs Landrat Martin Sailer.

Möglicher Hintergrund sei eine Fehlfunktion der Kühlbox, aber auch eine Absenkung der erfassten Temperatur in der Box durch den ursprünglich noch tiefgekühlten Impfstoff. "Bis zum jetzigen Zeitpunkt konnte man uns aus medizinischer Sicht nicht bestätigen, dass die Impfdosen bedenkenlos verwendet werden können", sagte Sailer. Deshalb habe man sich entschlossen, die gelieferten Impfdosen vorerst nicht zu verwenden. Es solle nun in den kommenden Stunden geklärt werden, was genau passiert sei und ob der Impfstoff weiter verwendet werden könne.

Nach Angaben des Herstellers Biontech muss der Impfstoff für einen längeren Zeitraum bei minus 70 Grad gelagert werden. In speziell entwickelten Versandboxen mit Trockeneis übersteht das Präparat bei diesen Temperaturen bis zu 15 Tage. In den Impfzentren kann das Vakzin in ungeöffnetem Zustand nach Firmenangaben in den Lieferboxen oder auch in herkömmlichen Kühlschränken bis zu fünf Tage bei zwei bis acht Grad aufgehoben werden. Bis zwei Stunden vor dem Spritzen könne das Präparat sogar bei bis zu 30 Grad gelagert werden. Die eigentliche Impfung könne bei Zimmertemperatur erfolgen, teilte Biontech mit.

In anderen Bundesländern fiel Startschuss wie geplant

Während Senioren und Pflegekräfte in Oberfranken und Augsburg noch auf ihre Impfung warten müssen, bekamen die ersten Menschen in Berlin, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ihr Vakzin. In Berlin erhielt die 101 Jahre alte Gertrud Haase den Impfstoff im Beisein von Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci. Am Samstag war als erste Deutsche noch vor dem offiziellen Impfstart eine 101-jährige Frau in einem Pflegeheim im sachsen-anhaltinischen Halberstadt geimpft worden, danach weitere Bewohnerinnen und Bewohner und Pflegekräfte.

In Frankfurt am Main erhielt eine Krankenschwester die erste Impf-Spritze in Hessen. Sie habe seit Beginn der Pandemie "an vorderster Stelle an Covid-19 erkrankte Menschen stationär versorgt", teilte das hessische Innenministerium mit. Im nordrhein-westfälischen Siegen wurde in der Senioreneinrichtung Marienheim die 95-jährige Erika Löwer geimpft.

In Mecklenburg-Vorpommern starteten die Impfungen in einer Pflegeeinrichtung in Güstrow. "Wir beginnen behutsam und vorsichtig", sagte Landkreissprecher Michael Fengler dem NDR. In Rheinland-Pfalz begannen die Impfungen in Koblenz. Im Seniorenheim "Maria von Siege" bekam eine Bewohnerin den ersten Piks. Dort sollen im Laufe des Tages laut SWR 36 Bewohner und 25 Pflegekräfte geimpft werden. In Brandenburg starten die Impfungen am Vormittag in einer Pflegeeinrichtung in Großräschen, wie das Gesundheitsministerium des Landes twitterte.

"Der Schlüssel raus aus der Pandemie"

Die bundesweite Impfkampagne in Deutschland beginnt in Alten- und Pflegeeinrichtungen, die von mobilen Impfteams aufgesucht werden. Wer zuerst geimpft wird, entscheiden die Bundesländer und Behörden vor Ort. Die ersten Impfdosen waren am Samstagmorgen in den Bundesländern eingetroffen. In den kommenden Tagen und Wochen sollen stetig weitere Dosen geliefert werden.

Spahn schrieb auf Twitter, die Impfung sei "der Schlüssel raus aus der Pandemie". "Dass dieser Impfstoff in Deutschland für uns und für die Welt entwickelt wurde, erfüllt mich mit Stolz."

Quelle: ntv.de, hny/dpa/AFP