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"Burglind" fegt über Europa Orkanböen hinterlassen schwere Schäden

Während das erste Sturmtief des Jahres langsam abflaut, werden die Schäden ersichtlich, die "Burglind" hinterlassen hat. Wind und Regen sorgen für umgestürzte Bäume und abgedeckte Dächer. Die Folgen: Es gibt etliche Verletzte und Tote.

Das Sturmtief "Burglind" hat mit Böen von um die 120 Stundenkilometer in großen Teilen Deutschlands zu Beeinträchtigungen geführt. Es kam zu einer Reihe von Verkehrsunfällen und beschädigten Gebäuden. Im Nachbarland Frankreich führte das Tief - dort heißt es "Eleanor" - zu einem Toten und 15 Verletzten, vier davon schwer. Auch in Spanien kamen zwei Menschen ums Leben.

"Burglind"

Sturmtief "Burglind" verdankt seinen Namen einer Berlinerin. Sie habe sich die Wetterpatenschaft für das zweite Tiefdruckgebiet dieses Jahres selbst geschenkt, sagte eine Mitarbeiterin des Instituts für Meteorologie der Freien Universität Berlin. Das Institut vergibt seit 1954 Namen für Hoch- und Tiefdruckgebiete, die das Wetter in Mitteleuropa beeinflussen. In diesem Jahr bekommen die Tiefs weibliche Namen, die Hochs männliche. Begonnen wird am Jahresanfang immer mit «A». Dann geht es in alphabetischer Reihenfolge weiter.

"Burglind" zog vom Norden fast durch ganz Deutschland. Im Laufe des Tages schwächte sich der Sturm aber zunehmend ab, der Deutsche Wetterdienst hob seine für viele Regionen ausgegebenen Unwetterwarnungen zum großen Teil nach und nach auf. Mit 191 Stundenkilometern wurden auf dem Hochgrat im Allgäu in 1720 Metern Höhe die stärksten Böen gemessen, in vielen niedrigeren Regionen wurden Böen von hundert bis 120 Stundenkilometern gemessen.

Im Bahnverkehr führten Schäden durch "Burglind" zu Beeinträchtigungen. Im Fernverkehr wurden ab Köln, Aachen, Kaiserslautern und Stuttgart Strecken gesperrt. Im Nahverkehr musste die Bahn einzelne Strecken in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sperren. Über die Dauer der Sperrungen konnte die Bahn zunächst keine Angaben machen.

Zug kollidiert mit Baumstamm

In Nordrhein-Westfalen prallte am Morgen ein Zug auf der Strecke zwischen Coesfeld und Dortmund im Bereich Lünen auf einen umgestürzten Baumstamm, wie die Bundespolizei mitteilte. Dabei entgleiste der Triebwagen und rutschte trotz Schnellbremsung etwa 120 Meter durch das Gleisbett. Von den rund 70 Fahrgästen wurde niemand verletzt.

In vielen Regionen waren Polizei und Feuerwehr im Dauereinsatz. In Nordrhein-Westfalen zählte die Polizei mehr als 1500 Einsätze und 128 witterungsbedingte Verkehrsunfälle. Dabei seien drei Menschen schwer und sechs Menschen leicht verletzt worden, der gesamte Sachschaden dürfte in Nordrhein-Westfalen mehr als drei Millionen Euro betragen. Auch der Fährverkehr zu den Inseln Langeoog, Spiekeroog, Wangerooge und Helgoland wurde eingeschränkt.

Mit seinen orkanartigen Böen deckte "Burglind" auch Dächer ab. Im baden-württembergischen Kehl etwa wurde laut Polizei eine etwa tausend Quadratmeter große Dachfläche der Hafenverwaltung zerstört, der Sachschaden beträgt etwa 250.000 Euro.

Im rheinland-pfälzischen Sinzig-Bad Bodendorf hob eine Windhose ein Stalldach ab und schleuderte es auf eine Hauptstraße. Dadurch seien etwa 14 geparkte Autos, eine Photovoltaikanlage und mehrere angrenzende Häuser beschädigt worden, so die Polizei.

Orkan bringt Windkraftanlage zum Einsturz

In Niedersachsen warf der Sturm eine Windkraftanlage um. Menschen seien bei dem Vorfall am Mittwoch in Volksdorf nicht verletzt worden, teilte Polizeisprecher Axel Bergmann mit. "Die Anlage stand in ausreichender Entfernung von Häusern, so waren keine Menschen gefährdet", sagte er. Auslöser sei vermutlich ein technischer Defekt gewesen, erklärte Bergmann. So habe sich die Anlage nicht in den Wind drehen können. Nach ersten Erkenntnissen sei zunächst ein Rotorblatt abgebrochen. "Dann stürzte durch die Sturmbelastung der gesamte Turm um", sagte Bergmann. Das Windrad sei rund 70 Meter hoch gewesen, hatten die "Schaumburger Nachrichten" zuvor über Twitter gemeldet.

In Frankreich wurde laut Polizei ein Skifahrer auf einer Piste in Morillon in den französischen Alpen von einem Baum erschlagen. Darüber hinaus seien nach einer vorläufigen Bilanz 15 Menschen durch den Sturm verletzt worden, vier von ihnen schwer, sagte ein Sprecher des Zivilschutzes. Sie wurden zum Teil von umstürzenden Bäumen oder herabfallenden Gegenständen getroffen.

Die Regionalflughäfen in Straßburg und Basel-Mülhausen-Freiburg im Grenzgebiet zu Deutschland wurden wegen des Sturms vorübergehend gesperrt, wie die Betreiber mitteilten. Auch der Eiffelturm in Paris wurde wegen Windböen von bis zu hundert Stundenkilometern geschlossen.

In Frankreich, Irland und Großbritannien waren Tausende Haushalte ohne Strom. Auch in Deutschland gab es in einzelnen Regionen Stromausfälle.

Quelle: n-tv.de, kpi/AFP

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