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Mittwoch, 03. Januar 2018

"Burglind" legt los: Orkanböen wüten im Westen

Entwurzelte Bäume, überflutete Straßen, lahmgelegte Bahnstrecken: Der erste Sturm des Jahres fegt über den Westen der Republik. Ein zweites Sturmfeld wird in Norddeutschland erwartet. Die Polizei mahnt zur Vorsicht.

Mit orkanartigen Böen von mehr als 120 Kilometern pro Stunde ist Sturmtief "Burglind" auf den Westen Deutschlands getroffen. Umgestürzte Bäume und heftiger Regen behinderten am Morgen in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz massiv den Berufsverkehr. Straßen waren blockiert und der Bahnverkehr gestört. Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz. Die Polizei appellierte an Autofahrer, besonders vorsichtig zu fahren.

Wegen des Sturms sperrte die Bahn die Strecken von Köln nach Bonn, Aachen, Koblenz und Niederlahnstein sowie von Aachen nach Krefeld und von Kaiserslautern nach Ludwigshafen ein, wie das Unternehmen mitteilte. Es sei noch nicht absehbar, wann die Verbindungen wieder voll befahrbar seien. Auch im Regionalbahnverkehr gab es eine Reihe von Streckensperrungen.

"Burglind"

Sturmtief "Burglind" verdankt seinen Namen einer Berlinerin. Sie habe sich die Wetterpatenschaft für das zweite Tiefdruckgebiet dieses Jahres selbst geschenkt, sagte eine Mitarbeiterin des Instituts für Meteorologie der Freien Universität Berlin. Das Institut vergibt seit 1954 Namen für Hoch- und Tiefdruckgebiete, die das Wetter in Mitteleuropa beeinflussen. In diesem Jahr bekommen die Tiefs weibliche Namen, die Hochs männliche. Begonnen wird am Jahresanfang immer mit «A». Dann geht es in alphabetischer Reihenfolge weiter.

In Cuxhaven wurde die einzige Insel-Fährverbindung nach Helgoland vorsorglich eingestellt. Einige Urlauber seien bereits am Vortag abgereist, andere würden zurück fliegen oder länger bleiben, sagte eine Sprecherin auf der Hochseeinsel. Früher abgereist sind auch einige Gäste auf der Insel Wangerooge. Dort fielen wegen Hochwasser zwei Verbindungen vom und zum Festland aus. Je eine Abfahrt wurde auch von Spiekeroog nach Neuharlingersiel und umgekehrt gestrichen.Einschränkungen gab es zudem bei der Langeoog-Fähre.

Schiffsverkehr auf dem Rhein eingeschränkt

Ein Regionalzug in Selm im südlichen Münsterland prallte am Morgen gegen einem entwurzelten Baum. Der Zug sei teilweise aus den Schienen gesprungen, verletzt worden sei aber niemand, sagte ein Bahnsprecher. Die Bergung auf der Strecke zwischen Lünen und Lüdinghausen dauerte am Vormittag an.

Wegen des starken Regens der vergangenen Tage wird der Schiffsverkehr auf dem Rhein eingeschränkt. In Köln wurde die Hochwassermarke I überschritten, bei der Schiffe eine bestimmte Geschwindigkeit nicht überschreiten dürfen. Für die nächsten Tage erwartet der Hochwassermeldedienst einen weiteren deutlich Anstieg des Rhein-Pegels.

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Im Westen habe Tief "Burglind" bereits die ersten schlimmen Böen gebracht, sagte n-tv Meteorologe Björn Alexander. Orkanböen vermeldeten demnach Aachen-Orsbach mit 122 km/h sowie Daun in der Eifel mit 120 km/h. Orkanartige Windböen von 100 bis 115 km/h gab es laut Alexander unter anderem in Fröndenberg, Unna, Düren und am Nürburgring. Die Flughäfen in Düsseldorf und Köln/Bonn meldeten demnach Böen um die 90km/h. Auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze, wurden 174 Kilometer pro Stunde gemessen.

Hochsitz stürzt auf Autobahn

In Essen und Mülheim standen Straßen unter Wasser, Gegenstände flogen umher. Ein umgestürzter Baum blockierte die wichtige Regionalbahnlinie zwischen Aachen und Düsseldorf. Auch auf den Autobahnen A44 zwischen Jülich und Aldenhoven und auf der A59 bei Duisburg kam es laut WDR und Radio Duisburg zu Behinderungen: Auf der A44 stürzte ein Hochsitz auf die Fahrbahn.

In Hessen legte "Burglind" den Verkehr teilweise lahm. Vielerorts stürzten Bäume um und behinderten den Verkehr. Bei Limburg fiel ein Baum auf die Oberleitung der Bahn und bremste Züge auf der Strecke Limburg-Frankfurt aus. Das Polizeipräsidium Westhessen registrierte zahlreiche umgestürzte Bäume. Es gingen laufend Meldungen ein, vor allem für den Rheingau, Hochtaunus und Limburg, sagte ein Sprecher.

Schwere Verkehrsbehinderungen meldeten die Behörden auch in Rheinland-Pfalz: Umgestürzte Bäume blockierten viele Straßen, auch im Bahnverkehr gab es Störungen. In mindestens drei Ortschaften in der Südwestpfalz fiel der Strom aus, wie die Polizei in Dahn mitteilte. Die Böen erreichten Geschwindigkeiten von 120 Kilometern pro Stunde. Alle Einsatzstellen seien am Rotieren, sagte eine Polizeisprecherin.

Etliche Zoos in Bayern geschlossen

In Bayern haben Zoos geschlossen. "Zur Sicherheit von Besuchern, Tieren und Mitarbeitern haben wir entschieden, den Tierpark heute nicht zu öffnen", sagte der Direktor des Münchner Tierparks Hellabrunn mit. "Bei orkanartigen Böen besteht beim alten Baumbestand Hellabrunns eine starke Gefahr vor herunterfallenden Baumteilen. Gefährliche Tiere wie Großkatzen und Bären bleiben in ihren Ställen."

Auch der Augsburger Zoo teilte mit, dass er aufgrund der aktuellen Wetterwarnung geschlossen bleibe. Die Betreiber der Zugspitzbahn teilten mit, dass die Zahnradbahn ausschließlich zwischen den Zugspitzbahnhöfen Garmisch-Partenkirchen und Eibsee verkehrt - auf Deutschlands höchsten Berggipfel geht es aber nicht. Auch das Skigebiet Garmisch-Classic bleibe geschlossen. Andernorts könnten ebenfalls Liftanlagen wegen des drohenden Sturms den Betrieb einstellen, hieß es in einer Mitteilung weiter.

Der Luftverkehr an den Flughäfen Basel-Mulhouse-Freiburg und Straßburg im Elsass ist wegen Sturms "Eleanor" vorläufig eingestellt worden. Wann wieder Flugzeuge starten und landen können, war zunächst nicht absehbar.

Zweites Sturmfeld im Norden

"Ab Mittag bis in den frühen Abend hinein zieht dann ein zweites Sturmfeld über den Nordwesten und den Norden hinweg", sagte Alexander. "Auch dort zum Teil mit Spitzenböen jenseits der 100km/h." Gleichzeitig sorge der neue Regen für eine weitere Verschärfung der Hochwassersituation - vor allem im Einzugsgebiet von Rhein und Donau.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte vor umherfliegenden Gegenständen und umstürzenden Bäumen gewarnt. "Die Böden sind durch den Regen der vergangenen Tage durchnässt, Bäume kippen leichter um", sagte der Meteorologe Robert Hausen. Vor allem in Wäldern solle man sich am Mittwoch lieber nicht aufhalten.

Quelle: n-tv.de