Panorama

Ruhepause im Nachbarland Österreich macht an Ostern sechs Tage dicht

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Um die Welle zu brechen, legt Österreich in weiten Teilen des Landes einen Lockdown ein.

(Foto: dpa)

In Deutschland ist der Plan eines Oster-Lockdowns gerade krachend gescheitert, in Österreich will man es für die Hotspot-Regionen Wien und Umgebung mit einem solchen Wellenbrecher versuchen. Die Lockerungen vom Anfang der Woche gelten jetzt als "Pilotprojekt".

In Wien und anderen östliche Regionen Österreichs werden rund um die Osterfeiertage Corona-Maßnahmen verschärft. Eine kurze "Osterruhe" sei notwendig, um eine drohende Überlastung der Kliniken in der Hauptstadt und in Niederösterreich und im Burgenland abzuwenden, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober von den Grünen.

Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt in den östlichen Bundesländern bei fast 300, deutlich über dem Österreich-Schnitt von rund 247. Das habe vor allem mit der starken Ausbreitung der britischen Virusvariante zu tun, die auch schneller zu schweren Covid-Erkrankungen führe, sagte Anschober vor Journalisten. Deshalb brauche es nun einen "Wellenbrecher" gegen die Pandemie.

"Wir wollen in dieser Osterphase wirklich den Betrieb massiv runternehmen", sagte der Minister. Händler, Friseure und Masseure schließen von Gründonnerstag bis Dienstag nach Ostern. Ausgenommen sind Geschäfte des täglichen Bedarfs, kündigte Anschober nach langen Verhandlungen mit den Regierungschefs der drei Regionen an. Im Unterschied zu Deutschland sind am Karfreitag Geschäfte und Firmen in Österreich normalerweise offen. Ferner sollen Menschen über die Feiertage nur für Spaziergänge, Sport und dringende Wege nach draußen gehen.

Berliner Rolle rückwärts genau beobachtet

Die Schulen stellen nach Ostern eine Woche lang auf Online-Unterricht um. Zudem wird die Maskenpflicht in Betrieben und an belebten Orten im Freien verschärft. Berufspendler aus den östlichen Nachbarstaaten wie Tschechien und Ungarn müssen zwei statt bisher einen negativen Test pro Woche vorweisen.

Die Verhandler verfolgten die Rücknahme der deutschen Corona-Osterruhe durch Kanzlerin Angela Merkel äußerst genau, hieß es aus informierten Kreisen. Dennoch entschieden sich die österreichischen Politiker letztlich für Verschärfungen. Die Situation in den Intensivstationen war dabei ein wichtiges Argument. In Wien und Niederösterreich sind bereits mehr als die Hälfte der für Covid-Patienten vorgesehenen Betten in Intensivstationen belegt. Das Burgenland nähert sich der Zwei-Drittel-Marke.

Wirtschaft kritisiert die Schließung

Vor der Entscheidung kritisierte Österreichs Handelsverband die durchgesickerten Pläne. Die Schließtage kosteten Arbeitsplätze, verhinderten aber keine Infektionen, sagte Verbandschef Rainer Will. "Das einzige Unternehmen, das davon massiv profitieren würde und sich über ein vorgezogenes Ostergeschenk freuen darf, ist Amazon."

Am Montag hatte die Wiener Regierung nach Gesprächen mit allen neun Bundesländer-Chefs trotz des ansteigenden Infektionstrends zunächst auf weitere Schritte verzichtet und weiter auf Massentests und Impfungen gesetzt. Am Mittwoch warnte Anschober, dass sich der Corona-Trend in Ost-Österreich auf den Rest des Landes ausbreiten könne. Der Lockdown sei deshalb als Pilotprojekt zu sehen.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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