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Auch seine Nachbarn in Mesquite bekamen Paddock nicht häufig zu sehen.
Auch seine Nachbarn in Mesquite bekamen Paddock nicht häufig zu sehen.(Foto: AP)
Dienstag, 10. Oktober 2017

Gerichtsdokument von 2013: Paddock zeigt sich als Geizhals und Zyniker

Ein 64-jähriger ehemaliger Buchhalter ist der Attentäter von Las Vegas. Vier Jahre alte Gerichtsakten zeigen jedoch noch mehr von Stephen Paddock: einen zwanghaften Spieler, dessen Leben nachts stattfand.

Wer ist der Mann, der in Las Vegas eiskalt 58 Menschen erschoss und wahrscheinlich noch mehr getötet hätte, wenn er gekonnt hätte? Mehrere Tage nach der Bluttat können sich die Ermittler ein immer komplexeres Bild von Stephen Paddock machen.

Dabei können sie nun auch auf Gerichtsakten aus dem Jahr 2013 zurückgreifen, die auch dem US-Sender CNN vorliegen. Das Dokument wurde an die US-Bundespolizei FBI übergeben. Damals hatte Paddock gegen das Cosmopolitan Hotel geklagt, weil er 2011 auf einem Gang im Hotel ausgerutscht und hingefallen war. In diesem eigentlich banalen Verfahren, in dem er über 30.000 US-Dollar Behandlungskosten zurückforderte, äußerte sich Paddock auch ausführlich über sich selbst.

Auf den insgesamt 97 Seiten ist nachzulesen, dass Paddock nach eigener Einschätzung keine psychischen Gesundheitsprobleme habe, keine Suchterkrankungen und keine Vorstrafen. Gegen Angstzustände nehme er gelegentlich Valium. Der spätere Attentäter beschrieb sich als Person, die ständig in Bewegung ist. Normalerweise verbringe er seine Zeit in den Bundesstaaten Kalifornien, Nevada, Texas und Florida, drei von vier Wochen im Monat sei er unterwegs.

Im Kasino zu Hause

De facto seien die Kasinos sein Zuhause, wo er in den dazugehörigen Hotels 95 Prozent der Zeit gratis logiere. CNN zufolge bieten viele Hotels Spielern mit hohen Umsätzen freie Zimmer und andere Vergünstigungen an. Eine dieser Vergünstigungen war auch die Suite im Mandalay Hotel, aus der der 64-Jährige die tödlichen Schüsse abfeuerte.

Paddock bezeichnete sich demnach selbst als "größten Videopoker-Spieler der Welt". Zu dieser Einschätzung komme er, weil niemand so viel und so lange spiele wie er. 2006 habe er im Durchschnitt 14 Stunden an 365 Tagen im Jahr gespielt. "Ich spiele die ganze Nacht, ich schlafe am Tag."

Auf die Frage, ob er je am Hotel-Pool war, antwortete Paddock: "Ich sonne mich nicht." Normalerweise trage er beim Spielen Jogginghosen und Flip Flops. Wenn er spiele, trinke er selten Alkohol. Jedes Mal, wenn er den Knopf drücke, gehe es um 100 bis 1350 US-Dollar. Er lande am Ende eines Abends bei Summen von einer Million US-Dollar. Der Anwalt sagte daraufhin: "Das ist eine Menge Geld." Paddock entgegnete den Gerichtakten zufolge: "Nein, das ist es nicht." Trotzdem habe er seine eigenen Getränke in die Spielautomatensäle der Kasinos mitgenommen, um den Kellnerinnen kein Trinkgeld geben zu müssen.

Zu seinem Lebenslauf sagte er lediglich, er sei überwiegend in Kalifornien aufgewachsen und habe die High School und das College besucht. Eine Zeitlang habe er als Immobilienmakler gearbeitet und dann selbst begonnen, in Immobilien zu investieren. Wie genau er zu Wohlstand gekommen ist, führte er nicht näher aus. Den Gerichtsakten zufolge wirkte Paddock bei seiner Aussage arrogant und sarkastisch. Paddocks Klage gegen das Hotel wurde schließlich abgewiesen.

Quelle: n-tv.de

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