Panorama

Fälle in Tübinger Pflegeheim Palmer entschuldigt sich für Falschaussage

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Wollte keine bewusste Fehlinformation verbreiten: Boris Palmer.

(Foto: dpa)

Das Modell Tübingen wird mit seiner Anti-Corona-Strategie Vorbild für andere Städte, doch jetzt gibt es Rückschläge. Bei den Infiziertenzahlen in Pflegeheimen gehen dem Landratsamt einige Fälle durch die Maschen - Bürgermeister Palmer nennt als Grund eine Datenpanne.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer fährt in seiner Stadt mit rund 90.000 Einwohnern einen eigenen Weg in der Corona-Pandemie - unter anderem mit besonderen Schutzmaßnahmen für Senioren. Voller Stolz betonte der 48-Jährige im Interview mit dem "Tagesspiegel" am vergangenen Mittwoch, dass Tübingen keine Fälle mehr bei den über 75-Jährigen habe. Eine Aussage, die - wie sich nun herausstellt - nur einen Tag Gültigkeit hatte.

Im Bürgerheim, einer Einrichtung der Altenhilfe Tübingen, sind seit Donnerstag sechs Bewohner sowie vier Pflegekräfte infiziert. Insgesamt sind gleich drei Tübinger Pflegeeinrichtungen von Infektionsfällen betroffen, wie Oberbürgermeister Boris Palmer mitteilte. "Obwohl es mehrfach Infektionen bei den Pflegekräften gab, hat die Barriere, die wir durch die regelmäßigen Schnelltests errichtet haben, in den meisten Fällen gehalten. Leider war das Netz nicht engmaschig genug, denn wir konnten die Tests nicht verpflichtend anordnen", sagte Palmer.

Seine Aussage im "Tagesspiegel"-Interview muss Palmer nun revidieren. In zwei Wochen habe das Landratsamt sechs Infizierte in der Altersgruppe 75 plus festgestellt, die in der städtischen Auswertung zu den Quarantäneanordnungen nicht auftauchen, erklärte er. Dies sei keine bewusste Fehlinformation gewesen, sondern es habe Probleme bei der Datenübermittlung gegeben. "Ich entschuldige mich dafür, an dieser Stelle eine falsche Aussage gemacht zu haben."

Neben dem Bürgerheim trat auch im Pauline-Krone-Heim eine Infektion bei einer Bewohnerin auf, die kurz zuvor aus einer Tübinger Klinik entlassen worden war. Die Altenhilfe Tübingen habe sofort alle Bewohner sowie Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen testen lassen, bisher mit negativem Ergebnis, sagte Palmer. Der Wohnbereich wurde geschlossen, Besuche in anderen Wohnbereichen seien nur nach einem Schnelltest möglich. Weitere Fälle wurden in einer privaten Pflegeeinrichtung verzeichnet: 19 Bewohner sowie sieben Beschäftigte seien positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das Heim habe ein Besuchsverbot erlassen.

Palmer und der Datenschutz

Anfang September hatte Tübingen regelmäßige Corona-Tests für das Personal in Alten- und Pflegeheimen eingeführt. Mit diesem Schutzkonzept sollte das tödliche Eindringen des Virus in die Einrichtungen verhindert werden.

Palmer setzte sich auch für eine Lockerung der Datenschutzauflagen bei der Corona-Warn-App ein. "Wir müssen runter von diesem Datenschutz-Kult", sagte der Grünen-Politiker am Sonntagabend in einem Live-Talk der "Bild"-Zeitung. Es gehe darum, die App "scharf zu schalten" und die Wirksamkeit deutlich zu erhöhen. "Sonst werden wir nicht herauskommen aus diesem Winterschlaf." Dafür müsse man endlich auf mehr Daten auf dem Handy zugreifen können.

Quelle: ntv.de, mba/dpa

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