Panorama

Intensivpatienten verdreifacht Pariser Kliniken sagen wegen Corona wieder OPs ab

135807717.jpg

In Frankreich steigt die Zahl der Neuinfektionen seit Wochen an.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Ärzte in Frankreichs Hauptstadt schlagen wegen hoher Infektionszahlen Alarm: Weil sich die Intensivbetten wieder füllen, müssen geplante OPs verschoben werden. Doch nicht alle Franzosen sind einsichtig. In Paris und Marseille formiert sich Widerstand gegen Sperrstunden und Barschließungen.

Erstmals seit der ersten Corona-Welle im Frühjahr müssen die Pariser Krankenhäuser wieder nicht zwingend notwendige Operationen absagen. Ab dem kommenden Wochenende werden zunächst 20 Prozent der geplanten OPs verschoben. Das teilte die öffentliche Krankenhaus-Gesellschaft Assistance publique-Hôpitaux de Paris (AP-HP) mit. Grund ist der Druck auf die Intensivstationen infolge der seit Wochen steigenden Corona-Infektionszahlen.

Am Mittwoch wurden in den öffentlichen Krankenhäusern in Paris 132 Intensiv-Patienten mit der Lungenkrankheit Covid-19 behandelt, die durch das Coronavirus verursacht wird. Das waren gut zweieinhalb Mal so viele wie Anfang September, als es 50 Patienten gab. Bis kommende Woche wird ein Anstieg auf mehr als 200 Corona-Notfälle erwartet, wie der stellvertretende AP-HP-Direktor François Crémieux sagte.

In Paris hatte die Zahl der Neuinfektionen zuletzt die Marke von 200 pro 100.000 Einwohner überschritten, das Vierfache des Corona-Warnwerts. In ganz Frankreich wurden erneut mehr als 13.000 Neuansteckungen binnen 24 Stunden registriert, das ist einer der höchsten Werte seit Beginn der Pandemie. Allerdings werden inzwischen mehr als 1,2 Millionen Tests wöchentlich gemacht, während im Frühjahr noch kaum Tests zur Verfügung standen.

Marseille fühlt sich "kollektiv bestraft"

*Datenschutz

Zugleich wächst in Frankreich der Widerstand gegen die erneute Verschärfung der Corona-Maßnahmen. Die besonders betroffene Stadt Marseille nannte die angekündigte Schließung aller Bars und Restaurants einen "Affront", ein Regionalvertreter sprach von einer "kollektiven Bestrafung" durch die Pariser Zentralregierung. Auch in der Hauptstadt mehrten sich die kritischen Stimmen.

Die französische Regierung verweist zur Begründung der neuen Restriktionen darauf, dass die Zahl der Neuinfektionen im Land weiter extrem hoch ist. Gesundheitsminister Olivier Véran warnte, ohne rasches Gegensteuern drohe "in einigen Wochen wieder eine kritische Lage" in den Krankenhäusern.

Die Regierung verhängte deshalb die härtesten Maßnahmen seit Ende der Ausgangssperre am 11. Mai: In Marseille müssen ab Samstag alle Gastronomiebetriebe schließen. In Paris, Bordeaux, Nizza und sieben weiteren Großstädten sollen Bars und Restaurants "spätestens um 22 Uhr" dicht machen. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo nannte dies genauso "schwer verständlich" wie die Schließung aller Fitnessclubs und Sporthallen.

In allen Städten mit hoher Virus-Ausbreitung sind zudem Versammlungen von mehr als zehn Menschen untersagt sowie Großveranstaltungen mit mehr als Tausend Teilnehmern. Landesweit gilt überdies weiter eine Maskenpflicht in Unternehmen, Schulen und in öffentlichen Gebäuden und Verkehrsmitteln. Mit fast 31.500 Corona-Todesfällen ist Frankreich nach absoluten Zahlen eines der am stärksten betroffenen Länder Europas.

Quelle: ntv.de, mau/AFP