Panorama

Nach Nerztötungen in DänemarkPelzmesse Fur steht vor dem Aus

12.11.2020, 22:41 Uhr
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Nerzcape auf einer Nerzmesse in Kopenhagen. (Archivbild)

Die massenhafte Ausbreitung mutierter Coronaviren auf Nerzfarmen in Dänemark trifft auch die Pelzindustrie ins Mark. Nach Massentötungen der Tiere zieht das größte Auktionshaus der Welt Konsequenzen: Fur teilt seinen Mitarbeitern mit, dass die Schließung bevorsteht.

Das weltgrößte Auktionshaus für Pelze, Kopenhagen Fur, muss im Zuge der Massenkeulung von Millionen Nerzen in Dänemark schließen. Diese entmutigende Nachricht habe er den derzeit rund 300 Mitarbeitern des Unternehmens mitgeteilt, sagte Firmenchef Jesper Lauge Christensen am Abend dem dänischen Sender TV2. Grund dafür sei, dass alle Nerze im Land getötet werden sollen. Das hatte die Regierung angeordnet, weil das Coronavirus bei den Pelztieren mutiert sei und sich auf den Menschen übertragen habe.

Mit augenblicklicher Wirkung ist jedoch noch nicht Schluss bei dem Pelzhaus, wie das Unternehmen später in einer Mitteilung unterstrich: Kopenhagen Fur stehe vor einer normalen Verkaufssaison 2021 und rechne damit, im Laufe der nächsten Wochen rund fünf bis sechs Millionen Nerzfelle von dänischen Zuchtfarmen ohne Corona-Infektionen und außerhalb der Gefahrenzonen zu erhalten. Diese sollen 2021 gemeinsam mit schätzungsweise sechs Millionen Fellen aus dem Vorjahr sowie weiteren Fellen aus dem Ausland auf insgesamt vier geplanten Auktionen angeboten werden.

Langfristig betrachtet bedeute der Verlust der dänischen Nerzproduktion jedoch, dass die Eigentümerbasis wegbreche. Deshalb habe sich das Management entschlossen, über die nächsten zwei bis drei Jahre eine kontrollierte Schließung durchzuführen. Kopenhagen Fur ist im Besitz der dänischen Nerzzüchter. Die Firma wurde 1930 von der dänischen Pelztierzuchtvereinigung gestiftet.

EU-Gesundheitsbehörde warnt vor Mutationen

Am Abend warnte die EU-Gesundheitsbehörde ECDC angesichts vor Coronavirus-Varianten bei den Pelztieren. Wenn das Virus in eine Nerzfarm eingeschleppt werde, könne es sich schnell ausbreiten und zu vielen Infektionen unter den Tieren führen, teilte die in Stockholm ansässige Behörde mit. Aufgrund der hohen Infektionszahl und möglicherweise auch durch biologische Unterschiede zwischen Nerzen und Menschen könne das Virus Sars-CoV-2 so schneller Mutationen anhäufen.

Bei mehr als 200 Menschen in Dänemark sind mit Nerzen in Verbindung stehende Virusvarianten nachgewiesen worden. Bei einer davon, der sogenannten Cluster-5-Variante, befürchtet das dänische Gesundheitsinstitut SSI, dass diese Auswirkungen auf die Wirkung künftiger Corona-Impfstoffe haben könnte. Sie ist bislang bei zwölf Menschen in der Region Nordjütland nachgewiesen worden, weshalb die Regierung für weite Teile der Region strenge Corona-Maßnahmen erlassen hat.

Quelle: mau/dpa

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