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Dimension macht "fassungslos" Pfleger werden 84 weitere Morde vorgeworfen

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Niels H. musste sich bereits wegen sechs Taten verantworten und ist zu lebenslanger Haft verurteilt.

(Foto: picture alliance / Ingo Wagner/d)

Der ehemalige Krankenpfleger Niels H. sitzt bereits wegen sechs Morden in Haft. Jetzt gibt es einen grausigen Verdacht: Der 40-Jährige soll Dutzende weitere Menschen auf dem Gewissen haben. Drei Jahre wurden ermittelt.

Der verurteilte Patientenmörder Niels H. soll 84 weitere Menschen auf dem Gewissen haben. Das gaben die Ermittler nach Abschluss ihrer fast dreijährigen Ermittlungen am Montag in Oldenburg bekannt. Bislang war bekannt, dass H. mindestens 36 Menschen getötet haben soll.

Der heute 40 Jahre alte ehemalige Krankenpfleger musste sich vor Gericht bereits für sechs Taten auf der Delmenhorster Intensivstation verantworten und verbüßt eine lebenslange Haftstrafe. Eugen Brysch, der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, sagte, dass der Fall "wohl die größte Mordserie in Nachkriegsdeutschland" sei.

H. bereits zu lebenslanger Haft verurteilt

Niels H. hatte zwischen 2003 und 2005 Patienten im Krankenhaus Medikamente gespritzt, die Herzversagen oder einen Kreislaufkollaps auslösten. Dann belebte er die Schwerkranken wieder, um als heldenhafter Retter vor seinen Kollegen dazustehen. Das gelang jedoch nicht immer. Auch an seiner früheren Arbeitsstelle am Klinikum Oldenburg soll er Patienten getötet haben.

In sechs Fällen hatte sich der Ex-Pfleger bereits vor Gericht verantworten müssen. Die Richter hatten ihn in zwei Prozessen in den Jahren 2008 und 2015 wegen zweifachen Mordes, drei versuchter Morde sowie einer gefährlichen Körperverletzung im Klinikum Delmenhorst zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Prozess hatte er aber deutlich mehr Taten gestanden. Wie viele Menschen er tatsächlich auf dem Gewissen hat, versuchte über drei Jahre eine Sonderkommission der Polizei zu klären.

"Morde hätten verhindert werden können"

Die Ermittler werteten Hunderte Patientenakten aus und ließen mehr als 100 Leichen ausgraben, um diese auf Rückstände von Medikamenten zu testen. Die Dimension der Verbrechen mache "fassungslos", sagte Oldenburgs Polizeipräsident Johann Kühme. Es handle sich nur um die Fälle, bei denen die Beweislage so eindeutig sei, dass eine Anklage wahrscheinlich sei. Die Zahl der Todesfälle, für die Niels H. verantwortlich ist, liege wahrscheinlich noch um ein Vielfaches höher, weil viele Patienten eingeäschert worden sind, so Kühme.

Weil auffällig viele Patienten während der Schichten von Niels H. starben, gab es an beiden Kliniken Gerede. In Delmenhorst lagen nach Ansicht der Staatsanwaltschaft aber auch konkrete Hinweise vor, dass er Patienten tötete. Zwei frühere Oberärzte und der Stationsleiter werden deshalb wegen Totschlags durch Unterlassen vor Gericht stehen.

Die Ermittlungen gegen Verantwortliche am Klinikum Oldenburg laufen noch. "Die Morde hätten verhindert werden können", sagte Kühme. Die damals Verantwortlichen hätten aus Sicht der Ermittler schneller handeln und Unterstützung suchen sollen. "Im Klinikum Oldenburg wusste man um die Auffälligkeiten", sagte Kühme.

Kliniken fehle "anonymes Meldesystem"

Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte "ein großes Versagen" im Umfeld des Mannes. "Sowohl Kolleginnen und Kollegen, Arbeitgeber als auch Polizei und Justiz haben zu lange weggeschaut", erklärte Vorstand Brysch. "Es waren vor allem Angehörige und Journalisten, die die Mauer des Schweigens durchbrochen haben", erklärte Brysch. "Aber immer noch machen wir es Tätern in Krankenhaus und Pflegeheim zu leicht, denn wirksame Konsequenzen wurden bis heute nicht gezogen."

In vielen der bundesweit 2000 Krankenhäuser seien "die Kontrollmechanismen nicht verschärft" worden. So fehle "für die meisten Kliniken weiterhin ein anonymes Meldesystem". "Whistleblower müssen ihre Beobachtungen aber einer unabhängigen und externen Stelle melden können, ohne Angst vor beruflichen Konsequenzen zu haben", erklärte Brysch. Zudem gelte es, "eine Kultur des Hinschauens auf allen Ebenen im Krankenhaus zu verankern - von Pflegekräften über Ärzte bis hin zum Management".

Quelle: n-tv.de, ara/dpa/AFP

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