Panorama

Spitzt "Reizklima" Fronten zu? Polizei beklagt zunehmende Respektlosigkeit

Die Randale in Stuttgart hat den Rückhalt laut Polizei wieder gestärkt.

Die Randale in Stuttgart hat den Rückhalt laut Polizei wieder gestärkt.

(Foto: dpa)

Nach den Krawallen in Stuttgart sieht die Polizei wieder mehr Verständnis für ihre Arbeit in der Bevölkerung. Allerdings sinkt laut den Beamten zunehmend die Akzeptanz für Corona-Maßnahmen, daher sollen Politiker das polizeiliche Vorgehen transparenter machen.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) beklagt in der Corona-Pandemie eine wachsende Respektlosigkeit gegenüber den Beamten. Die Respektlosigkeit gegenüber Polizei und Rettungskräften halte schon einige Jahre an, sagte der stellvertretende GdP-Vorsitzende Jörg Radek im ARD-"Morgenmagazin". "Und wir erleben jetzt offensichtlich durch die Pandemie, wie durch ein Brennglas, dass es sich hier noch weiter zuspitzt."

Zu Anfang der Pandemie seien die polizeilichen Maßnahmen akzeptiert worden, aber je länger die Pandemie mit ihren Auflagen andauere, desto weniger Verständnis gebe es. "Das schlägt auch zum Teil um in Aggression." Erst kürzlich gab es in Göttingen Ausschreitungen, wo sich Bewohner gegen Quarantänemaßnahmen in einem Hochhaus wehrten. Die GdP wünsche sich mehr Rückhalt: "Die Politik müsste polizeiliches Handeln transparenter darstellen." Nach den jüngsten Ausschreitungen in Stuttgart gebe es deutlichen Rückhalt für die Polizei. "Ich möchte mir wünschen an der Stelle, dass das auch nachhaltig bleibt."

In dem aktuellen gesellschaftlichen "Reizklima" müsse jeder, der sich an der Debatte beteiligt, sorgfältig überlegen, welche Worte er wählt, sagte Radek - "ob das als Journalistin ist, ob das eine Parteivorsitzende ist".

Es sei nicht alles hilfreich, was geäußert wurde. Zur Ankündigung des Bundesinnenministers Horst Seehofer, Anzeige gegen eine taz-Autorin zu stellen, sagte Radek: "Ich denke, dass das, was die taz gesagt hat, (...) gerade noch durch die Meinungsfreiheit abgedeckt ist. Aber es drückt eine Menschenverachtung aus, die ich nicht akzeptieren möchte, auch nicht als Satire."

Seehofer hatte am Sonntag angekündigt, Strafanzeige gegen eine taz-Autorin zu stellen, zunächst stand eine endgültige Entscheidung darüber aber noch aus. Die Journalistin hatte in einer Kolumne vor einer Woche ein Gedankenspiel angestellt, wo Polizisten arbeiten könnten, wenn die Polizei abgeschafft würde, der Kapitalismus aber nicht. Zum Schluss hieß es in dem Text: "Spontan fällt mir nur eine geeignete Option ein: die Mülldeponie. Nicht als Müllmenschen mit Schlüsseln zu Häusern, sondern auf der Halde, wo sie wirklich nur von Abfall umgeben sind. Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten."

Quelle: ntv.de, ysc/dpa