Panorama

Missverständnis in einer Favela Polizei erschießt spanische Touristin in Rio

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Fast 100.000 Menschen leben in Rocinha auf engstem Raum.

(Foto: picture alliance / dpa)

Eine spanische Touristin will einen Eindruck von den berühmten Armenvierteln Rios bekommen und nimmt an Gruppentour durch eine Favela teil. Der gefährliche Ausflug endet tragisch.

In der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro hat die Polizei versehentlich eine spanische Touristin erschossen. Die tödlichen Schüsse fielen nach Angaben der Behörden in Rocinha, dem größten Elendsviertel von Rio. Nur eine Stunde zuvor waren in der Favela zwei Polizisten durch bewaffnete Auseinandersetzungen mit Rauschgifthändlern verletzt worden.

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In der größten Favela von Rio ist seit Wochen die Lage extrem angespannt. Polizei und Soldaten versuchen mit Razzien und Kampfeinsätzen die Macht der Drogenbanden zu brechen.

(Foto: picture alliance / Silvia Izquie)

Wie das Portal "O Globo" berichtete, hatte die Polizei ein Auto mit sechs Touristen stoppen wollen, weil es "eine Straßensperre der Polizei durchbrach". Weil das Auto nicht sofort anhielt, sei das Feuer eröffnet worden. Polizisten sei nicht klar gewesen, dass es sich bei den Insassen des Jeeps um Touristen handelte.

Die 67-jährige Spanierin erlag später im Krankenhaus ihren Verletzungen. Nach eigenen Angaben hat die Polizei bereits interne Ermittlungen eingeleitet.

Angespannte Lage

In der größten Favela der Olympiastadt von 2016 ist die Lage seit Wochen extrem angespannt. Polizei und Soldaten versuchen mit Razzien und Kampfeinsätzen, die Macht der Drogenbanden zu brechen.

Rocinha galt lange Zeit als befriedet und ist ein beliebtes Ausflugsziel von Touristen, die das Leben in den Armenvierteln mit ihren an die steilen Hänge gebauten Häusern kennenlernen wollen. Wegen starker Sparzwänge unter anderem bei der Polizei hat sich die Sicherheitslage zuletzt allerdings stark verschlechtert. Die Regierung schickte 8500 Soldaten nach Rocinha, die bis Anfang 2018 helfen sollen, Gewalt und Kriminalität einzudämmen.

Quelle: n-tv.de, uzh/dpa/AFP

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