Panorama

12 Morde, 50 Vergewaltigungen Polizei fasst "Golden State Killer"

6ed5fb4c4f0fd00b0058ff2bee38eb34.jpg

Sheriff Scott Jones (l.) vom Sacramento County spricht nach der Festnahme mit Reportern. Daneben steht ein große Bild von Joseph James DeAngelo, dem 72-jährigen Verdächtigen.

(Foto: AP)

Jahrelang ermordet und vergewaltigt der "Golden State Killer" etliche Menschen in Kalifornien. Die erste Tat begeht er bereits 1976. Nun nehmen Ermittler einen 72-Jährigen in einem ruhigen Vorort von Sacramento fest.

Mehr als 40 Jahre nach seiner ersten Tat hat die US-Polizei einen mutmaßlichen Serienmörder gefasst. Der 72-Jährige wurde im Bundesstaat Kalifornien festgenommen, wie Staatsanwaltschaft und Polizei mitteilten. Die Ermittler vermuten, dass es sich bei dem Verdächtigen um den "Golden State Killer" handelt, der zwischen 1976 und 1986 in Kalifornien mindestens zwölf Morde verübt und mehr als 50 Frauen vergewaltigt haben soll.

Joseph James DeAngelo sei am Dienstag in Citrus Heights festgenommen worden, erklärten Polizei und Staatsanwaltschaft in der kalifornischen Hauptstadt Sacramento. Der Mann sei "sehr überrascht" gewesen, sagte Sheriff Scott Jones vor Reportern. Ein "weggeworfenes" DNA-Beweismittel habe die Ermittler in den vergangenen Tagen auf die heiße Spur gebracht. Wie genau DeAngelo als mutmaßlicher Täter überführt wurde, gab die Polizei zunächst nicht preis. "Wir haben die Stecknadel im Heuhaufen gefunden", erklärte die Bezirksstaatsanwältin Anne Marie Schubert.

Der Mann wurde zunächst in zwei Mordfällen in Sacramento aus dem Jahr 1978 angeklagt, weitere Anklagen in anderen Teilen Kaliforniens sollten folgen. Eine Frau, die 1976 zu den ersten Vergewaltigungsopfern des gefürchteten "East Area Rapist" und des späteren "Golden State Killer" gehörte, reagierte mit Erleichterung auf die Festnahme. "Ich bin von Freude überwältigt. Ich muss heulen und schluchzen", sagte Jane Carson-Sandler der Zeitung "The Island Packet". Der Eindringling hatte die damals 30-Jährige und ihren drei Jahre alten Sohn gefesselt, mit einem Messer bedroht und die Frau vergewaltigt.

Erst Vergewaltigungen, dann Morde

Die zehnjährige Verbrechensserie hatte 1976 mit Vergewaltigungen im nordkalifornischen Bezirk Sacramento begonnen. Oft stellte der Täter Frauen nach, die alleine zu Hause waren. Sein kaltblütiges Vorgehen versetzte den Westküstenstaat in Angst und Schrecken. Nach Vergewaltigungen kamen brutale Morde hinzu, die meisten wurden in Südkalifornien verübt.

c182afe056f02cbae141f8111984b020.jpg

Unter anderem diese beiden Skimasken soll DeAngelo bei seinen Taten verwendet haben.

(Foto: AP)

Der maskierte Täter war für seine sadistische Handschrift berüchtigt: Er weckte seine Opfer nachts mit Taschenlampen auf, trug Messer, Pistolen, Seile und Schnürsenkel bei sich. Oft fesselte er den Ehemänner, vergewaltigte die Frauen und brachte danach beide um. Häufig verweilte er länger an den Tatorten, bediente sich am Kühlschrank und ließ Gegenstände aus den Häusern mitgehen, hieß es in Polizeiberichten.

Das jüngste Opfer war 13 Jahre alt. Das letzte Opfer, das dem Serienmörder zugeschrieben wird, war eine 18-Jährige, die 1986 im kalifornischen Irvine vergewaltigt und erschlagen aufgefunden wurde. Trotz einer bundesweiten Jagd auf den Killer konnte der Mann immer wieder unerkannt entkommen.

Die Fahnder hatten schon früh vermutet, dass er sich mit polizeilichen Ermittlungen auskannte. Tatsächlich stellte sich jetzt heraus, dass der Festgenommene in den 1970er Jahren als Polizist gearbeitet hatte. Wegen eines Ladendiebstahls sei er 1979 aus dem Dienst entlassen worden, berichteten US-Medien.

"Er ist erledigt"

Nachbarn des Mannes, der angeblich mit einer erwachsenen Tochter und einem Enkel in dem ruhigen Vorort von Sacramento wohnte, reagierten nach der Festnahme geschockt. Er sei ein guter Nachbar gewesen, der gerne Fahrrad fuhr, sagte eine Frau der Zeitung "Sacramento Bee". Andere erklärten, er sei schnell wütend geworden und habe häufig laut geflucht. Sie hätten ihn "Freak" genannt, gab eine Nachbarin an.

Jetzt sei es an der Zeit, mit dem Schmerz der letzten 40 Jahre abzuschließen, sagte der Kalifornier Bruce Harrington auf der Pressekonferenz der Polizei. Sein damals 24-jähriger Bruder und dessen Ehefrau waren 1980 brutal ermordet worden. Alles deutete auf die Handschrift des "Golden State Killers" hin, spätere DNA-Tests erbrachten den Beweis.

Harrington hatte sich seitdem für DNA-Untersuchungen bei der Fahndung nach Kriminellen stark gemacht. Am Mittwoch wandte er sich an die überlebenden Vergewaltigungsopfer des Täters. Heute Nacht könnten sie alle besser schlafen, sagte Harrington. "Er wird nicht durch das Fenster steigen. Er ist nun im Gefängnis und er ist erledigt."

Quelle: n-tv.de, bad/chr/dpa/AFP

Mehr zum Thema