Panorama

Großeinsatz im Ruhrgebiet Polizei überwacht Hochzeit von Familienclans

111073030.jpg

Polizeibeamte haben im Ruhrgebiet die Hochzeit von Mitgliedern zweier Familienclans kontrolliert.

picture alliance/dpa

Eine "Null-Toleranz-Politik" war angekündigt und entsprechend scheint die Polizei in Nordrhein-Westfalen vorzugehen. Bei einer Hochzeit zweier Familienclans kontrollieren Beamte hunderte Gäste - drei müssen auf die Wache.

Bei einem Großeinsatz im Ruhrgebiet hat die Polizei hunderte Gäste einer Hochzeitsfeier zweier Familienclans kontrolliert. Mehrere Hundertschaften hätten am Sonntagabend in Mülheim an der Ruhr die Gäste und rund 160 Fahrzeuge überprüft, teilte die Polizei Essen mit. Unter den Gästen seien "etliche Personen mit polizeilichen Vorerkenntnissen" gewesen.

*Datenschutz

"Solche Clans sind nicht harmlos", sagte eine Polizeisprecherin. "Es ist nicht unüblich, dass bei Hochzeiten plötzlich geschossen wird. Man muss die Bevölkerung schützen und die Gäste."

Der Einsatz sei Teil einer "Null-Toleranz-Strategie" gewesen, erklärte die Polizei in einer Mitteilung. "Machtdemonstrationen" und "Normverstöße" sollten nicht zugelassen werden. Zugleich hätten die Feierlichkeiten so wenig wie möglich beeinträchtigt werden sollen.

Drei Verdächtige auf Wache gebracht

Die Polizei errichtete Kontrollstellen an den Einfahrtsstraßen zum Veranstaltungsort der Hochzeit. Drei Verdächtige wurden für weitere Ermittlungen auf eine Polizeiwache gebracht. Eine Person hatte Drogen dabei, eine andere mindestens eine Waffe und bei einer dritten "stimmte etwas nicht mit dem Führerschein", wie die Sprecherin sagte. Gegen einen 38-jährigen Gast lag zudem ein offener Haftbefehl vor.

Viele Mitglieder der beiden Großfamilien von Braut und Bräutigam sind den Angaben zufolge schon einmal vor Gericht verurteilt worden. Bei den Familien handle es sich um zwei der wichtigsten libanesischen Clans mit Verbindungen in alle Bundesländer und Kontakten ins Rocker-Milieu.

Im Koalitionsvertrag hatten CDU und FDP in Nordrhein-Westfalen 2017 eine "Null-Toleranz-Politik" angekündigt. Gemeint ist damit, dass auch kleinere Delikte bestraft werden, was in der Praxis nicht immer der Fall ist. "Wir müssen wieder konsequent sein", erklärte NRWs Innenminister Herbert Reul von der CDU im Frühjahr in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Die Polizei müsse dafür sorgen, dass die Regeln eingehalten werden. "Wer die Regeln verletzt, muss mit einer passenden Sanktion rechnen", wird Reul zitiert. "Wir müssen hier im Kleinen anfangen, um uns den Respekt zurückzuholen."

Quelle: n-tv.de, ame/AFP/dpa