Panorama

So lief der Aachener Bankraub Polizei vermutet Täter im Ausland

3m312302.jpg1561368584135263103.jpg

Die Räuber erwarteten die Angestellten bereits in der Filiale.

(Foto: dpa)

Ein Überfall im Morgengrauen, alles läuft wie am Schnürchen, bevor sich die Angestellten versehen, sind die Täter mit ihrer Beute schon weg. Der Überfall von Aachen war offenbar das Werk von Profis, und die sind nun auf der Flucht.

Einen Tag, nach dem spektakulären Bankraub von Aachen, fahndet die Polizei intensiv nach den Tätern. Nur wenig ist bisher klar: Die vier bis sechs Räuber waren bereits in den Räumen, noch bevor die Filiale der katholischen Pax-Bank überhaupt öffnete. Als die Bankangestellten eintrafen, wurden sie bereits erwartet.

Alle 16 Angestellten wurden nacheinander gefesselt und mit mindestens einer Waffe bedroht. Die Bankmitarbeiter gingen davon aus, dass es eine Schusswaffe war. Die Polizei konnte die Zahl der Räuber nicht genau angeben, da die Angaben der Opfer auseinandergingen. Inzwischen gehen die Ermittler von vier bis sechs Tätern aus. Alle seien dunkel gekleidet und mit Perücken und Sonnenbrillen maskiert gewesen.

Die Täter forderten die Herausgabe von Bargeld aus dem Tresor. Sie seien mit der Beute "in nicht unerheblicher Höhe" in Richtung Innenstadt geflohen, hieß es von der Polizei. Die Rede ist von einem sechsstelligen Euro-Betrag. Ob sie zu Fuß oder mit Fahrzeugen unterwegs waren, wurde nicht bekannt. Nachdem die Täter die Bank verlassen hatten, gelang es einem der Bankangestellten, sich selbst aus den Fesseln zu befreien. Er alarmierte gegen 8.30 Uhr die Polizei. Danach befreiten sich die Mitarbeiter gegenseitig.

Hunde folgen Duftspur

In der Nähe des Tatorts fanden die Ermittler offenbar Bekleidung, die möglicherweise von den Tätern stammt. Die Polizei setzte bei ihrer Fahndung auch Hunde ein. Auf der Suche nach Zeugen klapperten die Ermittler auch Häuser im direkten Umfeld der Bank ab. Man hoffe insbesondere auf Personenbeschreibungen, um gezielter nach den flüchtigen Tätern suchen zu können, hieße es von der Polizei.

Die Opfer wurden unterdessen von Notfallseelsorgern betreut. Die Angestellten seien körperlich unverletzt, aber geschockt, hieß es von der Polizei. "Man stelle sich vor, da kommen dunkle Gestalten mit einer Schusswaffe in die Bank. Da weiß man doch nicht, wie komme ich da raus aus der Nummer", sagte Polizeisprecher Werner Schneider. Für die Opfer sei das eine extreme Situation, möglicherweise verbunden mit Todesangst, betonte auch der Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter Nordrhein-Westfalen, Sebastian Fiedler.

Chef der Räuber eine Frau?

Ein Überfall dieser Art geschieht in Deutschland nur selten. "Das waren Profis", sagte Polizeisprecher Schneider in einer ersten Einschätzung. Um 16 Bankangestellte in Schach zu halten und für die Koordination von mehreren Komplizen brauche man Erfahrung. "Ein Banküberfall in dieser Dimension ist selten", erklärte auch der Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter Nordrhein-Westfalen, Sebastian Fiedler.

Nicht ohne Grund, denn der Strafverfolgungsdruck bei solchen Taten sei sehr hoch: "Es werden sich viele mit dem Fall beschäftigen, um die Täter zu kriegen." Das Tatmuster deute auf ein bestimmtes Täterklientel hin: Solche Räuber brauchten Kontakte, um skrupellose und gewaltbereite Komplizen zu finden oder Waffen zu besorgen. Im Vergleich zur Internetkriminalität sei die Strafandrohung bei Banküberfällen außerdem deutlich höher und könne auch im zweistelligen Bereich liegen.

Nach Zeugenaussagen soll einer der Täter eine Frau gewesen sein. Sie sei die einzige gewesen, die gesprochen habe, berichteten die Bankangestellten. Die sehr schlanke und relativ kleine Frau könnte sogar die Anführerin der Gruppe gewesen sein. Die Fahndung laufe, auch im benachbarten Belgien und in den Niederlanden, teilte die Polizei Aachen mit. Allerdings fehlt bisher jede Spur von den Bankräubern. Wie es die Bankräuber schafften, in die Bank zu kommen und womit sie ihre Opfer fesselten, dazu sagte die Polizei aus taktischen Gründen nichts.

Quelle: n-tv.de, sba

Mehr zum Thema