Panorama

Empörung in Spanien Prinzessinnen lassen sich vorzeitig impfen

Zwei Schwestern des spanischen Königs lösen in ihrem Heimatland Diskussionen aus, weil sie sich im Ausland impfen ließen. Sie hatten ihren Vater Juan Carlos in seinem Exil in Abu Dhabi besucht und dort ein Angebot bekommen. Nun verteidigen sie ihre Entscheidung.

Die beiden Schwestern des spanischen Königs Felipe VI. haben sich im Golfemirat Abu Dhabi vorzeitig gegen das Coronavirus impfen lassen - und damit dem ohnehin schon ramponierten Image des Königshauses neuen Schaden zugefügt. Das Verhalten der Infantinnen Elena und Cristina wurde unter anderem von Medien und auch von mehreren Ministern der linken Regierungskoalition heftig kritisiert, weil beide in Spanien noch nicht dran gewesen wären.

Der linke Koalitionspartner von Ministerpräsident Pedro Sánchez kritisierte das Vorpreschen der beiden Schwestern scharf. Ihr Schritt wirke wie eine "Vorzugsbehandlung" und trage weiter zur "Diskreditierung der Monarchie" bei, sagte Gleichstellungsministerin Irene Montero, deren Partei Podemos offen für die Abschaffung der Monarchie eintritt.

Sogar die als eher konservativ geltende Wirtschaftsministerin Nadia Calviño betonte, vor allem "öffentliche Bezugspersonen" wie die Royals müssten in der Pandemie die "Protokolle respektieren". Die Arbeitsministerin Yolanda Díaz bezeichnete das Verhalten der Infantinnen als "abstoßend" und wies darauf hin, dass in Spanien viele Angehörige des medizinischen Personals noch nicht geimpft seien "und sich trotzdem jeden Tag für uns einsetzen".

Schwestern verteidigen sich

Die Digitalzeitung "El Confidencial" hatte enthüllt, dass die Frauen im Februar bei einem Besuch ihres Vaters, des 83 Jahre alten Altkönigs Juan Carlos, geimpft worden seien. Das in Spanien von Korruptionsvorwürfen und Justizermittlungen bedrängte frühere Staatsoberhaupt hatte vor sieben Monaten seine Heimat verlassen und lebt seitdem im Wüstenemirat im Exil.

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Elena (M.) und Cristina de Borbón (r.) bei einer Beerdigung im Januar 2020.

(Foto: imago images/PPE)

In einem Brief an verschiedene Medien bestätigte Elena unterdessen den Bericht. Sie rechtfertigt darin ihr Verhalten. Sie und ihre Schwester hätten in Abu Dhabi das "Angebot" einer Impfung "angenommen", um "einen Gesundheitspass zu bekommen", der ihnen gestatten werde, Juan Carlos regelmäßig zu besuchen.

Das Königshaus wollte auf Anfrage keine Stellungnahme abgeben. Die Zeitung "El Mundo" zitierte aber einen Sprecher der "Casa Real" mit den Worten, Felipe sei für das Verhalten seiner Schwestern "nicht verantwortlich". Der Monarch, seine Ehefrau Letizia sowie die beiden Töchter, Kronprinzessin Leonor und Sofía, wurden bisher, soweit bekannt, nicht geimpft. Sie wollen laut Medien warten, bis ihre jeweilige Altersgruppe an der Reihe ist.

Spanischen Medienberichten zufolge ließ sich auch der frühere Geheimdienstchef Félix Sanz Roldán während eines Besuchs bei Juan Carlos in Abu Dhabi impfen. Im Januar war der spanische Generalstabschef nach Berichten, dass er sich ebenfalls vorzeitig impfen ließ, zurückgetreten.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa/AFP

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