Panorama

Unglück bei Ravensburg Privatjet stürzt im Schneetreiben ab

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Tragisches Ende eines Routineflugs: Der private Reisejet stürzt in ein Waldgebiet - rund 15 Kilometer vor der Landebahn.

(Foto: dpa)

Nächtlicher Großeinsatz im Schneetreiben: Nach dem Absturz eines Privatjets in Baden-Württemberg erschwert das Winterwetter die Bergungsarbeiten. In den Trümmern des Geschäftsfliegers entdecken Helfer drei Tote. Der Pilot stammte aus Österreich.

Nach dem Absturz eines Geschäftsflugzeuges bei Ravensburg mit drei Toten prüfen die Ermittler, ob das Wetter bei dem Unglück eine Rolle gespielt hat. Bei den Opfern handelt es sich um den 45 Jahre alten Piloten aus dem österreichischen Vorarlberg, einen 49-Jährigen aus Wien und einen 79 Jahre alten Fluggast aus dem Bodenseekreis, wie ein Polizeisprecher sagte. Ob der 49-Jährige als Copilot an Bord saß oder ebenfalls ein Passagier war, sei noch nicht bekannt. Die drei Opfer seien trotz starken Schneefalls noch in der Nacht geborgen worden.

Wind und Schnee hatten die Arbeiten an der Absturzstelle in der Nach erheblich erschwert. Trotz der widrigen Witterungsbedingungen sei der Einsatz in der Nacht aber mit einzelnen Unterbrechungen weitergegangen, erklärte ein Behördensprecher. Zeitweise waren mehr als 80 Helfer von Polizei und Feuerwehr im Einsatz, um die Unglücksstelle im dichten Schneetreiben abzusichern und nach etwaigen Überlebenden zu suchen.

Für die Insassen an Bord des Business-Jets vom Typ Cessna "Citation" 510 kam offenbar jede Hilfe zu spät: Die in Hessen gestartete Maschine war am Donnerstagabend gegen 18.15 Uhr im Landeanflug auf den Bodensee-Airport Friedrichshafen in einem nur schwer zugänglichen Waldstück bei Waldburg aufgeschlagen. Die drei Männer an Bord waren ersten Erkenntnissen zufolge sofort tot.

Die von Anwohnern alarmierten Einsatzkräfte entdeckten in den Trümmern des Wracks drei Tote. Weitere Opfer sind nicht zu beklagen. Die Absturzstelle liegt Beobachtern zufolge abseits bewohnter Gebiete. Die Identität der drei Toten konnte noch in der Nacht geklärt werden. Der genaue Unfallhergang und die Ursache des Unglücks sind noch vollkommen unklar. "Dazu können wir noch gar nichts sagen", sagte der Polizeisprecher.

Sicher ist bislang nur, dass das zweistrahlige Geschäftsflugzeug zuvor gegen 17.45 Uhr im hessischen Egelsbach gestartet war und sich der Pilot für den frühen Abend zur Landung in Friedrichshafen am Bodensee angekündigt hatte.

Lauter Knall am Abend

Der Startflugplatz Frankfurt-Egelsbach liegt rund 10 Kilometer südöstlich des Verkehrsflughafens Frankfurt am Main und wird vor allem von Geschäftsfliegern genutzt. Für die Flugreise an den Bodensee dürfte der Pilot des bis zu 630 km/h schnellen Privatjets nicht viel mehr als eine Dreiviertelstunde eingeplant haben. Die Reichweite der "Citation" liegt nach Herstellerangaben bei vollen Tanks bei bis zu 2100 Kilometern. Vom Startflughafen bis zum Bodensee sind es nicht viel mehr als 260 Kilometer.

Das vorgesehene Reiseziel sollte die Maschine jedoch nie erreichen: Gegen 18.15 Uhr - also bereits eine halbe Stunde nach dem Start - vernahmen Zeugen bei Sieberatsreute im Kreis Ravensburg einen lauten Knall. Die Absturzstelle liegt in einem schwer zugänglichen Waldstück auf dem Gebiet der Gemeinde Waldburg östlich der Kreisstadt Ravensburg. Der Ortsteil Sieberatsreute ist das nächstgelegene Dorf an der Unfallstelle. Die Ortschaft liegt in der Einflugschneise des Bodensee-Airport Friedrichshafen (IATA-Code FDH). Die Maschine ging knapp 16 Kilometer vor ihrem Zielflughafen nieder.

Beobachtern zufolge befindet sich die Absturzstelle abseits von Wohngebieten. Kurz nach den ersten Notrufen sperrten die Einsatzkräfte den Unglücksort dennoch weiträumig ab. Das Waldgebiet wurde für die Suche nach den Opfern des Absturzes mit Scheinwerfern ausgeleuchtet. An der Unglücksstelle trafen noch in der Nacht Sachverständige der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) ein, um Beweise zu sichern und um in den Trümmern nach Hinweisen zum Unglückshergang zu suchen.

Schnee bedeckt die Trümmerteile

Nach Angaben des Polizeisprechers herrschte zum Unglückszeitpunkt dichtes Schneetreiben mit teils starken Windböen. Ob das Wetter eine Rolle bei dem Flugzeugabsturz spielte, sei Gegenstand der Ermittlungen, teilte die Polizei mit. In Fachkreisen hieß es, es habe Hinweise auf Eisbildung auf den Tragflächen geben. Ob diese jedoch die Unfallursache gewesen sei, sei nicht sicher. Die Polizei konnte das zunächst nicht bestätigen.

Einem Bericht des SWR zufolge standen die Piloten der Maschine bereits in Kontakt mit der Flugsicherung in Zürich, die in der Grenzregion für den Luftverkehr zuständig ist. Im Landeanflug sei die Funkverbindung jedoch plötzlich abgerissen, heißt es.

Am Morgen nach dem Absturz war die Unglücksstelle von einer dichten Schneedecke bedeckt. "Die Ermittlungen sind erst einmal ins Stocken geraten", erklärte ein Polizeisprecher. Bis zur endgültigen Klärung des Vorfalls dürften - wie in solchen Fällen üblich - Monate vergehen. Ein Abschlussbericht der Unfallermittler ist erst nach einer ausführlichen Analyse aller auffindbaren Hinweise und Daten zu erwarten.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP/dpa