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Umstrittenes Bauprojekt auf Rügen Prora-Wohnungen sind Verkaufsschlager

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Das Bauprojekt Prora ist umstritten. Viele Ferienwohnungen sind bereits verkauft worden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der ehemaliger Bau der Nationalsozialisten auf Rügen wird nach einer aufwendigen Sanierung ein Feriendomizil für Gutbetuchte. Wohnungen ab 350.000 Euro werden reihenweise verkauft. Doch die Kritiker fordern einen sensiblen Umgang mit dem historischen Erbe.

Sanfte Ostseewellen, kilometerlanger weißer Sandstrand, dahinter Kiefernwälder. Prora auf der Insel Rügen hat beste Voraussetzungen für ein Urlaubsparadies. Dieses Potenzial wollten auch die Nationalsozialisten nutzen und bauten einen 4,5 Kilometer langen Komplex parallel zum Strand. 20.000 Menschen sollten hier im Rahmen des Programms "Kraft durch Freude" gleichzeitig Ferien machen und nebenbei indoktriniert werden. Doch das nationalsozialistische Massenferienlager wurde nie fertig, nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden die Bauarbeiten eingestellt. Übrig blieb ein gigantisches Betonskelett, bekannt als der "Koloss von Prora".

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95 Prozent der Wohnungen sollen schon verkauft sein.

(Foto: imago/BildFunkMV)

80 Jahre nach Grundsteinlegung wird jetzt wieder gebaut in Prora. Die ersten Ferienwohnungen mit Meerblick und Glasbalkonen sind schon fertig. "Das ist die letzte Anlage in Deutschland mit so einem schönen Strand in direkter Nähe", preist Werner Jung von der Immobilienfirma Irisgerd die Appartements an. Das Unternehmen vermarktet 270 Wohnungen in einem der acht denkmalgeschützten Blöcke von Prora, den sie für 2,75 Millionen Euro gekauft hat. 350.000 Euro kostet die günstigste 100-Quadratmeter-Wohnung, ein Penthouse mit spektakulärem Meerblick ist für 650.000 zu haben. Trotz dieser Großstadtpreise seien 95 Prozent der Wohnungen bereits verkauft, sagt Jung. Die niedrigen Kreditzinsen und die Steuervorteile wegen des Denkmalschutzes spielen dem Immobilienverkäufer in die Hände.   

Forderung nach sensiblem Umgang mit Geschichte

Doch nicht alle auf Rügen teilen Jungs Begeisterung für das neu entstehende Ferienressort. "Prora ist nicht nur ein Ort der NS-Geschichte, sondern auch der DDR-Geschichte", sagt Susanna Misgajski, die das Prora-Zentrum leitet. Die Historikerin erinnert daran, dass 500 bis 600 Zwangsarbeiter am Bau beteiligt gewesen seien. In der DDR diente die Anlage später als Kaserne, das Gelände rundherum war Sperrgebiet. Misgajski fordert, dass mindestens ein Block in seiner ursprünglichen Form erhalten bleibt und darin an die Entstehungsgeschichte Proras erinnert wird.

"Man darf nicht bagatellisieren, was es mit diesem Bau auf sich hat", sagt auch Katja Lucke vom privaten Dokumentationszentrum Prora. Gerade angesichts des Erstarkens der Rechtspopulisten in Mecklenburg-Vorpommern hält sie es für unabdingbar, dass es neben Wellnessclubs und Latte-Macchiato-Cafés weiterhin auch eine Bildungsstätte in Prora gibt. Lucke hält den Investoren zugute, dass sie die Gebäude vor dem Verfall bewahren, kritisiert jedoch deren "unsensiblen Umgang" mit der Geschichte. Doch damit kann nicht jeder in der Region etwas anfangen: "Wir haben genug Gedenkstätten in Deutschland", sagt Karsten Rarrasch. Der 50-jährige Postbote aus Stralsund baut gerade eine Sandburg mit seinem Enkel am Strand. "So viele Jahre ist gar nichts passiert hier, jetzt ist es an der Zeit, etwas Schönes aus Prora zu machen."   

Quelle: n-tv.de, Deborah Cole, AFP

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