Panorama
Beate Zschäpe konnte ihr Geschenk nicht in Empfang nehmen.
Beate Zschäpe konnte ihr Geschenk nicht in Empfang nehmen.(Foto: picture alliance / dpa)
Donnerstag, 18. Mai 2017

Süßes für die NSU-Angeklagte: Psychiater wollte Zschäpe Pralinen schenken

Seit vier Jahren läuft der Prozess um die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe - und ein Ende ist kaum abzusehen. Ihr Psychiater will der Angeklagten, die nach wie vor in U-Haft sitzt, nun eine kleine Freude machen. Doch der Versuch scheitert.

Keine Pralinen für Zschäpe: Der Psychiater Joachim Bauer ist damit gescheitert, der mutmaßlichen Rechtsterroristin Beate Zschäpe Süßes mit in die U-Haft zu bringen. Die Einlasskontrolle der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim stoppte Bauer bei einem Besuch mit einer Schachtel Pralinen, wie aus einer Aktennotiz einer Justizbediensteten hervorgeht.

Meint es gut mit Zschäpe: Psychiater Joachim Bauer.
Meint es gut mit Zschäpe: Psychiater Joachim Bauer.(Foto: picture alliance / Peter Kneffel)

Darin beschreibt die JVA-Mitarbeiterin, wie Bauer an der Sicherheitsschleuse "unter dem ausgehändigten Begleitschein und der dazugehörigen Kontrollkarte" noch etwas in den Händen hielt. Auf Nachfragen habe er eine Schachtel Pralinen gezeigt und bejaht, dass er diese Zschäpe mitbringen wolle.

Nachdem die Bedienstete ihn darauf hinwies, dass das nicht erlaubt sei, habe der Psychiater die Pralinen weggeschlossen. Bauer soll noch im Laufe des Tages im NSU-Prozess Fragen zu seinem Gutachten über Zschäpe beantworten. Der Vorfall in der JVA ereignete sich einen Tag nach seinem ersten Auftritt im Prozess vor zwei Wochen.

Bauer attestierte verminderte Schuldfähigkeit

Bauer hatte Zschäpe im Prozess eine "abhängige Persönlichkeitsstörung" attestiert und sie für vermindert schuldfähig erklärt. Zschäpe sei hochgradig abhängig von ihrem Freund und Komplizen Uwe Böhnhardt gewesen, so Bauer und bescheinigte ihr eine "erheblich beeinträchtigte Steuerungsfähigkeit". Damit widersprach er dem vom Oberlandesgericht München bestellten Sachverständigen Henning Saß. Dieser hatte Zschäpe in seinem Gutachten volle Schuldfähigkeit attestiert.

Die mutmaßliche Rechtsterroristin hatte 14 Jahre mit den beiden Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Untergrund gelebt. Sie ist die einzige Überlebende des NSU-Trios. Die Bundesanwaltschaft hat sie als Mitglied des "Nationalsozialistischen Untergrunds" für alle Verbrechen der Gruppe angeklagt. Dazu gehören zehn Morde, von denen neun aus rassistischen Motiven verübt wurden.

Quelle: n-tv.de