Panorama

Personalmangel in Großbritannien Quarantäne führt zu leeren Regalen

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Supermärkte und andere Branchen bekommen den Personalmangel zu spüren.

(Foto: picture alliance/dpa/PA Wire)

Hunderttausende Angestellte in Großbritannien müssen als Kontaktpersonen von Corona-Infizierten in häusliche Quarantäne. Die Folge: leere Regale in Lebensmittelläden, volle Mülltonnen, geschlossene Tankstellen. Doch nicht nur die Pandemie ist verantwortlich für die Probleme.

Die hohe Zahl an Menschen in coronabedingter Quarantäne bereitet in Großbritannien immer mehr Probleme. Mehrere Supermarktketten entschuldigen sich bereits für teilweise leere Regale. Der Chef der Kette Iceland, Richard Walker, warnt vor Hamsterkäufen. Es gebe genug Waren, versichert er. Woran es fehle, seien Mitarbeiter.

Das bereitet auch in vielen anderen Bereichen Schwierigkeiten. Wie die BBC berichtet, konnten teilweise Mülltonnen nicht geleert werden. Auch die Polizei warnt vor längeren Wartezeiten, da viele Kräfte fehlen. Schulen gehen wegen Lehrermangels teilweise schon früher in die Sommerferien, und Tankstellen werden vorübergehend geschlossen.

Allein in der zweiten Juli-Woche wurden durch die britische Corona-Warnapp etwa 620.000 Menschen in England und Wales "gepingt", also in häusliche Quarantäne geschickt, weil sie als Kontaktpersonen identifiziert wurden. Schätzungen zufolge sollen sich derzeit rund 1,7 Millionen Briten selbst isolieren.

Aufhebung fast aller Corona-Maßnahmen

Angesichts weiterhin steigender Infektionszahlen und der Aufhebung fast aller Corona-Maßnahmen in England dürfte sich dieses Problem auch noch weiter verschärfen. Die hochansteckende Delta-Variante lässt die Corona-Zahlen trotz hoher Impfquote im Vereinigten Königreich weiter ansteigen. Die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner lag zuletzt bei 472 (Stand: 16. Juli).

Die "Pingdemic", wie das Phänomen von britischen Medien bezeichnet wird, hat eine Debatte darüber ausgelöst, ob vollständig Geimpfte der Pflichtquarantäne entgehen können und sich stattdessen täglich testen dürfen. Ab Mitte August soll diese Regelung gelten. Bislang gelten Ausnahmen jedoch nur für Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines Pilotprojektes oder etwa für Beschäftigte des Gesundheitsdienstes. Viele Branchen, darunter der Einzelhandelsverband British Retail Consortium sowie die Fleischindustrie, fordern weitere Ausnahmen für ihre Beschäftigten.

Für die leere Supermarktregale scheint indessen nicht nur die Pandemie verantwortlich zu sein, sondern auch der Brexit und die derzeit große Hitze in Großbritannien, wie Branchen-Experte Bryan Roberts von Shopfloor Insights der BBC erklärte. Verbände schätzen, dass dem Vereinigten Königreich bis zu 100.000 Lkw-Fahrer fehlen - ein Job, den bislang viele Osteuropäer gemacht haben. Seit dem Brexit benötigen EU-Bürger, die in Großbritannien arbeiten wollen, jedoch teure Arbeitsvisa. Frischware wie Obst und Gemüse importiert Großbritannien zu großen Teilen aus der EU. Hinzu kämen die hohen Temperaturen von mehr als 30 Grad in dieser Woche, die zum Ausfall von Kühlregalen führten, so der Experte weiter.

Quelle: ntv.de, sbl/dpa

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