Panorama

Zahl akut Infizierter rückläufig R-Wert klettert weiter kräftig

Einzelne Infektionsherde treiben den R-Wert weiter über die kritische Grenze hinaus, obwohl gleichzeitig die aktiven Infektionen zurückgehen. Damit bewegt sich Deutschland zwar auf vergleichsweise niedrigem, aber keinesfalls sicherem Niveau.

Die Reproduktionszahl der Coronavirus-Infektionen in Deutschland, kurz R-Wert, ist nach aktuellsten Angaben des Robert Koch-Instituts erneut deutlich gestiegen und liegt nun bei 1,20 (Datenstand 1.6. 0 Uhr; Vortag: 1,04). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwas mehr als eine weitere Person ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab. Allerdings wies das RKI zu dem Wert am Pfingstwochenende darauf hin, dass er empfindlich auf kurzfristige Änderungen der Fallzahlen reagiere, wie sie etwa durch einzelne Ausbruchsgeschehen verursacht werden können. "Dies kann insbesondere bei insgesamt kleinerer Anzahl von Neuerkrankungen zu verhältnismäßig großen Schwankungen führen."

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So wurden im Landkreis Sonneberg - derzeit Brennpunkt der Corona-Pandemie in Thüringen - innerhalb der letzten sieben Tage mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner bekannt, wie das Landratsamt mitteilte. Damit liegt der Landkreis derzeit als einziger über der von Bund und Ländern vereinbarten kritischen Marke von 50. Zuletzt war dort ein Ausbruch in einem Pflegeheim mit hochbetagten Bewohnern bekanntgeworden. Der Kreis Sonneberg gilt seit Wochen neben dem Landkreis Greiz als Thüringer Hotspot der Corona-Pandemie.

Eine kritische Entwicklung gibt es auch in Göttingen. Dort und in anderen Orten befinden sich inzwischen mehr als 300 Menschen in Quarantäne, darunter viele Kinder und Jugendliche. Wie die Stadt mitteilte, wurden bisher 36 Menschen positiv auf Sars-CoV-2 getestet, einer davon ist schwer erkrankt. Die Betroffenen sind demnach zum größten Teil Mitglieder verschiedener Großfamilien, Zentren des Ausbruchs dürften eine Shisha-Bar in Göttingen und mehrere größere private Familienfeiern gewesen sein.

Das sogenannte 7-Tage-R stieg derweil ebenfalls leicht und lag nach RKI-Schätzungen (Datenstand 1.6. 0 Uhr) bei 0,95 (Vortag: 0,90). Es bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Der Wert zeigt das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen.

Die Gesamtzahl der Neuinfektionen verharrte demnach weiter auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Die Gesundheitsämter der Bundesländer meldeten nach ntv.de-Berechnungen 8820 aktuell Infizierte, also fast 100 weniger als noch am Vortag, allerdings fehlen bislang Zahlen aus Bremen und Sachsen-Anhalt. Die Gesamtzahl aller bestätigten Infektionen stieg damit auf 182.055, 14 weitere Erkrankte verloren durch Covid-19 ihr Leben, Deutschland hat nun 8549 Todesfälle zu beklagen, während knapp 165.000 nachweislich Infizierte inzwischen als von dem Virus geheilt gelten.

Quelle: ntv.de, mra/dpa