Panorama

Lage "sehr besorgniserregend" RKI: Veranstaltungen absagen, Kontakte reduzieren

3afb78c17e65c70379c0f8f37b28c997.jpg

Beim Kölner Karnevalsauftakt dürfen sich nur geimpfte und genesene Jecken drängen. Das RKI rät, große Versammlungen grundsätzlich zu vermeiden.

(Foto: dpa)

Wer jetzt noch nicht geimpft ist, hat aktuell ein sehr hohes Risiko, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Angesichts der rasant steigenden Infektionszahlen rät das RKI zu harten Maßnahmen. Auch Geimpfte sollten sich schützen und größere Versammlungen vermeiden.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) stuft die aktuelle Corona-Entwicklung weiter als "sehr besorgniserregend" ein. Es rät "dringend dazu, größere Veranstaltungen möglichst abzusagen oder zu meiden, aber auch alle anderen nicht notwendigen Kontakte zu reduzieren". Das geht aus dem Wochenbericht des Instituts vom Donnerstagabend hervor. "Sofern sie nicht gemieden werden können, sollte man unabhängig vom Impf- oder Genesenenstatus vorher einen Test machen und die Corona-Warn-App nutzen."

Auch Geimpfte und Genesene sollten demnach Masken tragen, Abstand halten und Räume, in denen mehrere Menschen sind, regelmäßig lüften. Bei Atemwegserkrankungen wie etwa Schnupfen oder Husten sei es für alle Menschen, auch geimpfte, "unbedingt erforderlich", daheim zu bleiben, zudem jedoch einen Hausarzt zu kontaktieren und dort einen PCR-Test machen zu lassen, heißt es in dem Wochenbericht. Das RKI schätzt die Gefährdung der nicht oder nicht vollständig Geimpften in Deutschland weiterhin als sehr hoch ein. Für vollständig Geimpfte sei sie moderat, aber ansteigend. Parallel zum Corona-Virus breiten sich auch andere Infektionen derzeit schnell aus. Die Zahlen der Grippefälle und anderer Atemwegserkrankungen liegen laut RKI deutlich höher als in der vorherigen Saison.

Die Zahl der gemeldeten Corona-Ausbrüche in Schulen nahm von Anfang August bis Anfang Oktober wieder sehr deutlich zu. Danach gab es einen Rückgang, der laut RKI vermutlich auf die Herbstferien zurückzuführen ist. Bisher wurden 693 Schulausbrüche für die letzten vier Wochen übermittelt, doch sei noch mit Nachmeldungen zu rechnen. Seit Anfang August waren es mehr Ausbrüche als im Vergleichszeitraum 2020. Als Gründe führt das RKI die leichtere Übertragbarkeit der nun verbreiteten Delta-Variante an und außerdem die ausgeweiteten Tests, die auch symptomlose Infektionen früh erkennbar machen.

Die meisten Toten waren über 70

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Covid-19-Patienten ab 60 Jahren ist in den vergangenen vier Wochen weiter angestiegen. In diesem Alter werden die meisten Hospitalisierungen verzeichnet. Allerdings nahm auch die Zahl bei den 15- bis 59-Jährigen seit Anfang Oktober zu.

Der Anstieg der Inzidenz macht sich inzwischen auch in der Zahl der Todesfälle bemerkbar. Meist liegen zwischen Infektion und Tod laut RKI zwei bis drei Wochen. Die vergangenen drei Wochen zeigen dem RKI zufolge einen Anstieg auf nun 643 Todesfälle in der ersten Novemberwoche. Hier sei zudem noch mit Nachmeldungen zu rechnen. Der RKI-Bericht betrachtet jeweils die vergangene Woche. Von allen knapp 100.000 Menschen, die mit oder an Covid in Deutschland bislang starben, waren 86 Prozent über 70 Jahre alt. Bislang seien dem RKI 32 validierte Covid-19-Todesfälle bei unter 20-Jährigen übermittelt worden, schreibt das Institut. Bei 21 Fällen lagen Angaben zu bekannten Vorerkrankungen vor.

Das RKI geht weiter von einer hohen Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe aus. "Dass im Laufe der Zeit mehr Impfdurchbrüche verzeichnet werden, ist erwartbar, da generell immer mehr Menschen geimpft sind und sich Sars-CoV-2 derzeit wieder vermehrt ausbreitet."

Seit Wochen steigen die Inzidenzen in allen Altersgruppen an. Den höchsten Wert haben die 10- bis 14-Jährigen mit 411 gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Menschen in einer Woche, die 5- bis 9-Jährigen mit 345 und die 15- bis 19-Jährigen mit 302. In Schulen wird besonders häufig getestet. Angesichts der sehr besorgniserregenden Entwicklung empfiehlt das RKI in einem Tweet "dringend", die Maßnahmen aus dem Control-Covid-Stufenplan umzusetzen. Er beschreibt beim Überschreiten bestimmter Werte etwa klare Schutzkonzepte für Bars, Geschäfte, Schulen, im öffentlichen Verkehr und an anderen Orten.

Quelle: ntv.de, ino/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen