Panorama

Ansteckungswelle in Deutschland RKI meldet erneut mehr als 11.000 Fälle

Der starke Anstieg setzt sich fort: Den zweiten Tag in Folge verzeichnet das Robert-Koch-Institut Neuinfektionen in fünfstelliger Höhe. Fast halb Deutschland bewegt sich beim Fallaufkommen über der Obergrenze. Wegen Technikproblemen liegt die tatsächliche Fallzahl vielleicht noch höher.

Die Anzahl der täglich gemeldeten Neuinfektionen ist den Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) zufolge den zweiten Tag in Folge über die 10.000er-Marke gestiegen. In den zurückliegenden 24 Stunden wurden im elektronischen Meldesystem des RKI insgesamt 11.242 nachgewiesene Coronavirus-Ansteckungen erfasst (Stand: 23. Oktober, 0.00 Uhr). Mutmaßlich könnte diese Zahl sogar noch höher liegen, teilte das RKI mit. Wegen "eines dreistündigen Serverausfalls am RKI am 22.10.2020" konnten möglicherweise nicht alle Datensätze von den Gesundheitsämtern und Landesbehörden ans RKI übermittelt werden.

Auch wenn unklar sein, wie viele Fälle betroffen ist, teilte das RKI mit: "Damit wird die Differenz zum Vortag heute wahrscheinlich unterschätzt." Eventuell nicht übermittelte Fälle vom Donnerstag sollten laut RKI im Laufe des Freitags nachübermittelt werden, "wodurch morgen die Differenz zum Vortag auch die nachübermittelten Fälle enthält und dadurch überschätzt wird".

Trotz der mutmaßlich unvollständige Meldedaten liegt der jüngste Tageszuwachs deutlich über dem Niveau der Vorwoche: Am vergangenen Freitag hatte das RKI 7334 Neuinfektionen gezählt. Am gestrigen Donnerstag waren mit insgesamt 11.287 neuen Fällen so viele nachgewiesene Ansteckungen binnen eines Tages bekannt wie noch nie zuvor seit Beginn der Coronavirus-Pandemie in Deutschland. Mit vollständigen Meldedaten wäre dieser Wert heute sehr wahrscheinlich noch einmal übertroffen worden.

*Datenschutz

Üblicherweise steigt das Meldeaufkommen in der zweiten Wochenhälfte deutlich an. Die stärksten Meldetage sind regelmäßig kurz vor dem Wochenende zu beobachten. In der vergangenen Woche fiel die Spitze der Entwicklung auf den Samstag: Am 17. Oktober registrierte das RKI insgesamt 7830 Neuinfektionen.

Ohnehin liefern die Meldedaten nur eine Momentaufnahme zur Infektionslage, die aufgrund verschiedener Faktoren mit gewissen Schwächen und Unschärfen behaftet ist. Das tatsächliche Ausmaß des Ansteckungsgeschehens lässt sich anhand der Anzahl der erkannten und gemeldeten Fälle nur indirekt erfassen.

*Datenschutz

So liefert der Nachweis einer Ansteckung alleine in der Regel noch keine Hinweise zum mutmaßlichen Zeitpunkt der Infektion oder gar zum Krankheitsverlauf. Anhand zusätzlicher Angaben versuchen Experten beim RKI, ein belastbareres Bild der Lage zu erhalten. So liefert zum Beispiel das Nowcasting-Verfahren Hinweise zum mutmaßlichen Erkrankungsbeginn, woraus Epidemiologen des RKI unter anderem auch die Schätzungen zur Ansteckungsrate ableiten können.

In den von ntv.de ausgewerteten Angaben aus den 16 Bundesländern war die Gesamtzahl der bisher nachgewiesenen Coronavirus-Fälle in Deutschland am Vorabend auf insgesamt 397.613 gestiegen. Das entspricht einem Tageszuwachs auf Länderbasis von in der Summe 11.714 neu gemeldeten Fälle.

Es gibt Anzeichen, dass sich der Anstieg vor dem Wochenende fortsetzen dürfte: Die Meldedaten aus Nordrhein-Westfalen - einem der drei am schwersten betroffenen Bundesländer - weisen am Freitagvormittag bereits einen neuen Höchstwert von 2740 Neuinfektionen aus. Diese Zahl, die die Infektionen am Donnerstag von 0 Uhr bis 0 Uhr abdeckt, floss auch in die heute Morgen veröffentlichten RKI-Zahlen ein. Dabei fällt auf, dass für elf Regionen in NRW keine Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag ausgewiesen werden - obwohl sie teils deutlich über der Obergrenze der 7-Tage-Inzidenz liegen. Das deutet daraufhin, dass diese Regionen von den technischen Meldeproblemen betroffen gewesen sein könnten und ihre Fälle in der aktuellen Auswertung fehlen.

"Wir sind nicht machtlos", hatte RKI-Präsident Lothar Wieler erst am Vortag mit Blick auf das wichtigste Element der Pandemie-Abwehrstrategie bekräftigt. Das Verhalten der Öffentlichkeit kann demnach über den weiteren Verlauf der Ansteckungswelle entscheiden.

Es müssten sich mehr Menschen an die sogenannten AHA-plus-L-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske plus regelmäßiges Lüften) halten, appellierte er. Es müsse damit gerechnet werden, dass sich das Virus in einigen Regionen ansonsten stark und auch "unkontrolliert" ausbreiten könne.

Zahlreiche weitere Parameter belegen den Ernst der Lage: Das Durchschnittsalter der Infizierten nimmt von Woche zu Woche leicht zu. Die Zahl der schweren Krankheitsverläufe zieht ebenfalls erkennbar an. Bei der jüngsten Auswertung der Labordaten stieg die Positiven-Quote - also der Anteil der Virus-Nachweise an der Gesamtzahl der durchgeführten Corona-Tests - weiter an.

Auf der Deutschland-Karte leuchten immer mehr Regionen in alarmierenden Rottönen auf. Das Infektionsgeschehen der laufenden Coronavirus-Pandemie breitet sich offenkundig in nahezu allen Bundesländern auch in der Fläche aus.

Wie aus den am Morgen veröffentlichten Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervorgeht, liegen mittlerweile 198 Städte, Bezirke und Landkreise beim Fallaufkommen über der Obergrenze. Davon überschreiten 35 Regionen derzeit sogar die Schwelle von 100 Neuinfektionen aus den letzten sieben Tagen je 100.000 Einwohner.

Anmerkung: Die Meldung wurde um 17.30 Uhr um den Hinweis auf die technischen Probleme beim RKI ergänzt. Einige Textpassagen wurden entsprechend angepasst.

Quelle: ntv.de