Panorama

Neuer Höchstwert RKI meldet erstmals mehr als 1000 Corona-Tote

Kurz nach Weihnachten steigen die Totenzahlen steil an: Erstmals verzeichnet das Robert-Koch-Institut mehr als 1000 Todesfälle binnen eines Tages. Neben fälligen Nachmeldungen zeigen sich auch Folgen der Infektionslage von Anfang Dezember.

Die Zahl der gemeldeten Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus hat in der amtlichen Zählung zum ersten Mal die Schwelle von 1000 überschritten und damit einen neuen Höchststand erreicht. Binnen eines Tages übermittelten die deutschen Gesundheitsämter dem Robert-Koch-Institut (RKI) insgesamt 1129 neue Todesfälle, wie aus den RKI-Zahlen vom Mittwochmorgen hervorgeht. Am Nachmittag musste diese Zahl leicht nach unten korrigiert werden: In Nordrhein-Westfalen wurden für die Stadt Herne versehentlich 55 Todesfälle zu viel ans RKI übermittelt. In den offiziellen NRW-Zahlen erfolgt die Korrektur mit dem nächsten Meldestand.

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Zusätzlich zu den Todesfällen verzeichnete das RKI 22.459 Neuinfektionen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bundesweit meldeten die Gesundheitsämter bis 30. Dezember, 0.00 Uhr insgesamt 22.459 Neuinfektionen. Vergangenen Mittwoch (23.12.) waren 24.740 Neuinfektionen und der bisherige Höchststand von 962 Todesfällen gemeldet worden. Die Fallübermittlung ans RKI bedeutet nicht, dass in den zurückliegenden 24 Stunden unvermittelt mehr Menschen an den Folgen einer Coronavirus-Infektion verstorben sind. Das Sterbedatum kann mehrere Tage zurückliegen. Über die Feiertage war bereits im Vorfeld mit einem eingeschränktem Meldeaufkommen gerechnet worden. Einlaufende Nachmeldungen können die Zahlen nach oben verzerren.

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Das RKI hatte vor den Weihnachtstagen mitgeteilt, dass die aktuellen Zahlen nur bedingt mit den Werten der Vorwoche vergleichbar seien, da es zum Jahreswechsel hin mit einer geringeren Zahl an Tests und auch weniger Meldungen von den Gesundheitsämtern rechnete. Tatsächlich liegt die Zahl der aktuell gemeldeten Todesfälle deutlich über dem Niveau vor einer Woche.

Ein möglicher Grund für diese Entwicklung eröffnet düstere Perspektiven: Die Entwicklung der Sterbefälle folgt dem Anstieg der Infektionszahlen in der Regel mit einem Abstand von zwei bis drei Wochen. So lange dauert es im Schnitt im Fall eines lebensbedrohlichen Covid-19-Verlaufs vom Symptombeginn über die Behandlung im Krankenhaus bis zum Tod. Der Anstieg der Infektionszahlen von Anfang bis Mitte Dezember dürfte sich damit erst nach dem Jahreswechsel in den Sterbefallzahlen voll niederschlagen.

Die Zahl der binnen sieben Tagen an die Gesundheitsämter gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag am Mittwochmorgen bundesweit bei 141,3. Ihr bisheriger Höchststand war am 22. Dezember mit 197,6 erreicht worden.

Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind jedoch enorm: Die höchsten Inzidenzen hatten am Dienstag Sachsen mit 330,0 und Thüringen mit 255,1, den niedrigsten Wert hatte Niedersachsen mit 79,6. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 1.687.185 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland (Stand: 30.12., 0 Uhr).

Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg bis Mittwoch auf 32.107. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 1.302.600 an. Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Bericht vom Dienstagabend bei 0,67 (Montag: 0,74). Dieser R-Wert bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 67 weitere Menschen anstecken.

Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab. Das RKI betont in seinem Bericht aber, dass zum Jahreswechsel hin Corona-Fälle nur verzögert angezeigt, erfasst und übermittelt werden, "sodass der R-Wert zudem ggf. unterschätzt wird".

Hinweis: Die Zahlen des RKI weichen in der Regel leicht von jenen Falldaten ab, die ntv.de täglich am Abend meldet. Das ntv.de-Datenteam greift direkt auf die Meldezahlen aus den Bundesländern zu, wie sie von den Ministerien und Behörden vor Ort veröffentlicht werden. Das RKI hingegen ist an die gesetzlich vorgeschriebenen Meldewege gebunden, was zu einem zeitlichen Verzug führen kann.

Zudem bilden die jeweiligen Tageswerte unterschiedliche Erfassungszeiträume ab: Die ntv-Auswertung sammelt die jeweils bis zum Abend veröffentlichten Länderangaben und errechnet daraus einen täglichen Stand der gemeldeten Fallzahlen, der in der Regel ab 20 Uhr veröffentlicht wird. Das Erfassungssystem des RKI dagegen berücksichtigt eingehende Meldungen bis Mitternacht, wobei der aktuelle Datenstand dann am nachfolgenden Morgen bekannt gegeben wird.

Quelle: ntv.de, hek/dpa