Mordprozess gegen VideobloggerRaser "Alpi" wollte Geld verdienen

Auf seiner Kawasaki rast "Alpi" regelmäßig mit über 100 Sachen durch Bremen - bis er einen Rentner überfährt. Vor Gericht sagt er nun, was ihn zu den gefährlichen Fahrten getrieben hat.
In der Bikerszene ist er bekannt als "Alpi", in den Gerichtsakten wird er unter dem Namen Alperen T. geführt. Seit Beginn der Woche muss sich der der 24-Jährige vor dem Bremer Landgericht verantworten - wegen Mordes an einem 75-Jährigen, den er mit seinem Motorrad überfahren hat.
Er habe davon geträumt, mit seinen rasanten Fahrten seinen Lebensunterhalt zu verdienen, gestand der Angeklagte am zweiten Prozesstag. Die Mitschnitte seiner Fahrten stellte der 24-jährige Student regelmäßig ins Internet, um mit den spektakulären Videos Einnahmen zu erzielen. Den tödlichen Unfall habe seine Helmkamera aber nicht mehr aufgezeichnet, vermutlich weil der Akku leer war, sagte der Angeklagte.
Im Juni soll "Alpi" mit seiner 200 PS starken Kawasaki durch die Bremer City gerast sein, mit mehr als Tempo 100. Als dann der 75-jähriger Arno S. bei Rot über die Ampel ging, konnte der 24-Jährige nicht mehr rechtzeitig bremsen. Das Opfer wurde durch die Luft geschleudert und starb noch an der Unfallstelle. Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass er noch leben könnte, wäre Alperen T. mit Tempo 50 gefahren.
Besetzungseinwand abgelehnt
Zu Beginn der Sitzung hatte das Gericht einen sogenannten Besetzungseinwand der Verteidigung abgelehnt. Das Bremer Landgericht hatte für den Prozess wegen Überlastung der Strafkammern eine Hilfsstrafkammer berufen. Hätte das Gericht dem Einwand stattgegeben, hätte das Verfahren neu beginnen müssen.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten niedere Beweggründe und deshalb Mord vor. Er habe sein Geltungsbedürfnis befriedigen und sich mit der Fahrt einen Kick verschaffen wollen. Der Anwalt des Angeklagten sagte dagegen, der 24-Jährige habe den Tod anderer Menschen nicht billigend in Kauf genommen. "Junge Fahrer neigen dazu, Gefahr zu unterschätzen. Häufig geht es gut, manchmal aber führt dies zu tragischen Ereignissen, die niemand gewollt hat", sagte der Anwalt beim Prozessbeginn.