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Donnerstag, 13. September 2018

17 Jahre nach ihrem Verschwinden: Razzia bei 41-Jährigem im Mordfall Peggy

Wer hat Peggy getötet? Auch 17 Jahre nach dem Verschwinden der Neunjährigen gibt der Fall den Ermittlern Rätsel auf. Doch nun gibt es Medienberichten zufolge eine große Razzia - und "neue Verdachtsmomente" gegen einen 41-Jährigen.

Im Fall der Peggy aus Oberfranken hat die Polizei mehrere Anwesen eines 41 Jahre alten Beschuldigten durchsucht. Der Mann sei bereits früher zum "relevanten Personenkreis" im Zusammenhang mit dem Verschwinden von Peggy gezählt worden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Nun sei er wieder in den Fokus der Ermittler gerückt, weil inzwischen Untersuchungsergebnisse zu Spuren vom Fundort von Peggys Knochen vorliegen und frühere Erkenntnisse neu bewertet wurden.

Der 41-Jährige sei vernommen und danach wieder entlassen worden. "Zum Inhalt der Aussage können wegen der andauernden Ermittlungen keine Angaben gemacht werden", hieß es. Die Durchsuchungen im oberfränkischen Lichtenberg, dem Heimatort von Peggy, und im rund 50 Kilometer entfernten Marktleuthen fanden bereits am Mittwoch statt.

Nach Angaben der "Neuen Presse Coburg" war der Verdächtige bei Peggys Verschwinden 24 Jahre alt und mit Ulvi K. befreundet, der 2004 für den Mord an der Neunjährigen verurteilt worden war. Das Urteil wurde 2014 jedoch wieder aufgehoben. Der geistig behinderte K. hatte den nun Vernommenen mehrfach beschuldigt, Peggys Leiche weggeschafft oder das Mädchen sogar getötet zu haben.

Peggys Schicksal zählt zu den rätselhaftesten Vermisstenfällen in Deutschland. Am 7. Mai 2001 war die damals Neunjährige auf dem Heimweg von der Schule verschwunden. Gut 15 Jahre später - Anfang Juli 2016 - fand ein Pilzsammler Teile ihres Skeletts in einem Waldstück bei Rodacherbrunn in Thüringen - knapp 20 Kilometer von Peggys Heimatort entfernt.

Bürger wittern "Polizei- und Justizskandal"

Dort, wo ein Pilzsammler im Juli 2016 Teile ihres Skeletts entdecke, fanden Ermittler auch DNA des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt. Wie sich später herausstellte, war der Grund für den Zusammenhang aber eine Verunreinigung bei der Spurensicherung. Eine Gen-Spur Böhnhardts, die an einem zwölf mal vier Millimeter großen Textilstück entdeckt worden war, habe zweifelsfrei einem Kopfhörer Böhnhardts zugeordnet werden können, teilten die Ermittler später mit. Eine Täterschaft des NSU-Mitglieds ist ihren Angaben nach auszuschließen. Allerdings war Peggys Tod deshalb auch Thema im NSU-Prozess vor dem Münchner Oberlandesgericht: Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe bestritt dort, etwas über die getötete Peggy gewusst zu haben.

Die Ermittler haben den Fall bis heute nicht gelöst. Sie hatten im Laufe der Jahre aber mehrere Verdächtige im Visier. 2004 verurteilte ein Gericht den geistig behinerten Ulvi K, zehn Jahre später wurde er aber in einem Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen.

Im vergangenen Jahr hatte sich eine Gruppe von Bürgern aus Lichtenberg mit einem "Hilferuf" an die Öffentlichkeit gewandt. Darin warfen die elf Unterzeichner den Ermittlungsbehörden gravierende Fehler und Schlamperei vor. Sie sprachen von einem "Polizei- und Justizskandal" und einseitigen Ermittlungen. Viele Hinweise aus der Bevölkerung seien ignoriert worden und Zeugenaussagen aus den Akten verschwunden. Unter den Unterzeichnern sind Lichtenbergs Bürgermeister Holger Knüppel und mehrere Stadträte. Der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel wies die Vorwürfe zurück.

Quelle: n-tv.de