Panorama

Nach tödlicher Messerattacke Rechte ziehen durch Chemnitz

Am Rande des Chemnitzer Stadtfestes kommt es zu einer tödlichen Auseinandersetzung, bei der ein 35-Jähriger stirbt. In der Stadt gibt es daraufhin spontane Demos mit Hunderten Rechten. Es gibt Zusammenstöße mit der Polizei.

Nach dem gewaltsamen Tod eines 35-Jährigen in Chemnitz sind Hunderte mutmaßliche Rechte durch die sächsische Stadt gezogen. Dabei kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei, wie die Polizeidirektion Chemnitz mitteilte. Rund 800 Menschen versammelten sich demnach am berühmten Karl-Marx-Monument und zogen dann durch die Innenstadt. Dabei wurden Flaschen in Richtung der Polizei geworfen.

3672893a2560ef56dfba577dc695e3f6.jpg

Polizisten vor dem Chemnitzer Karl-Marx-Denkmal.

(Foto: dpa)

Bei einer Rangelei wurde mindestens ein Beamter verletzt, wie eine Polizeisprecherin sagte. Angaben über mögliche Festnahmen konnte sie nicht machen. Der Polizei zufolge lagen zunächst vier Anzeigen vor: "Hierbei handelt es sich um zwei Anzeigen wegen Körperverletzung, eine Anzeige wegen Bedrohung sowie eine Anzeige wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte."

Laut der Polizei hatte es am Sonntag mehrere Aufrufe im Internet gegeben, sich in der Innenstadt einzufinden. Den Angaben nach hatten sich daraufhin zunächst gegen 15 Uhr rund 100 Menschen versammelt. Dies sei störungsfrei verlaufen. Diese Versammlung ging auf einen Aufruf der AfD zurück.

Polizei zunächst überfordert

Dem folgte eine weitere Versammlung um 16.30 Uhr. Zu dieser Versammlung hatte laut Medienberichten die rechte Ultra-Fußballvereinigung Kaotic Chemnitz aufgerufen. "Die Personengruppe reagierte nicht auf die Ansprache durch die Polizei und zeigte keine Kooperationsbereitschaft", teilten die Beamten mit. Die Gruppierung habe sich plötzlich in Bewegung gesetzt.

Die "Bild"-Zeitung berichtete, dass sich unter den Demonstranten "gewaltbereite Rechte" befanden. Die Demonstranten protestierten demnach gegen Ausländerkriminalität und skandierten Sprüche wie "Wir sind das Volk". Der Mitteldeutsche Rundfunk berichtete von Rangeleien. Auf Twitter wurde von Jagdszenen auf Migranten berichtet. Die Polizeisprecherin konnte diesbezüglich keine Angaben machen.

Offenbar war die Polizei zunächst mit der Situation überfordert: Die Beamten waren nach eigenen Angaben zunächst "nur mit geringen Kräften vor Ort". Deswegen wurden Einsatzkräfte der sächsischen Bereitschaftspolizei nach Chemnitz verlegt. "Die Einsatzkräfte werden auch in der Nacht im Stadtgebiet präsent sein", erklärte die Polizeidirektion Chemnitz. Die Ansammlungen hatten sich aber bereits am Abend nach und nach aufgelöst.

Mann stirbt nach mutmaßlicher Messerattacke

Die Stadt zeigte sich besorgt über die spontanen Demonstrationen. "Wenn ich sehe, was sich in den Stunden am Sonntag hier entwickelt hat, dann bin ich entsetzt", sagte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig dem MDR. "Dass es möglich ist, dass sich Leute verabreden, ansammeln und damit ein Stadtfest zum Abbruch bringen, durch die Stadt rennen und Menschen bedrohen - das ist schlimm." Stadtsprecher Robert Gruner sagte: "Wir sind erschrocken, über die Menschenansammlungen, die passiert sind." Man habe friedlich miteinander das Jubiläum der Stadt feiern wollen. Nun habe sich jedoch gezeigt, dass es richtig war, dass Stadtfest vorzeitig abzubrechen. Es endete statt um 20 Uhr bereits um 16 Uhr. Grund waren laut seinen Angaben Sicherheitsbedenken.

Auslöser der Proteste war der Tod eines 35-jährigen Deutschen in der Nacht auf Sonntag. Nach Angaben der Polizei war es gegen 3.15 Uhr zu einer "tätlichen Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen unterschiedlicher Nationalitäten gekommen". Dabei wurden drei deutsche Männer im Alter von 33, 35 und 38 Jahren schwer verletzt. Der 35-Jährige erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Laut "Freie Presse" soll es sich bei der Tatwaffe um ein später gefundenes Messer handeln.

Die Polizei fasste nach eigenen Angaben zwei 22 und 23 Jahre alte Männer, die sich vom Tatort entfernt hatten. Ob sie wirklich in den Streit involviert waren, war demnach aber zunächst unklar. Angaben über die Nationalität der Männer wurden zunächst nicht gemacht, ebenso wie über den Grund für die Auseinandersetzung. Ihr soll ein verbaler Streit vorausgegangen sein. Mehrere Personen waren danach vom Tatort geflohen. Die Staatsanwaltschaft Chemnitz und die Polizeidirektion Chemnitz ermitteln wegen des Verdachts des Totschlags.

Kursierende Informationen, nach denen dem Streit eine Belästigung von Frauen vorausgegangen sein soll, bestätigten sich nach ersten Ermittlungen der Polizei nicht. Die Polizei rief dazu auf, sich nicht an Spekulationen zu beteiligen.

Quelle: n-tv.de, fhe/dpa/AFP