Rechter VerschwörungsmythosErika Kirk wird Ziel von "Transvestigations"

Immer wieder behaupten vor allem rechte Kreise, erfolgreiche Frauen des öffentlichen Lebens seien Transpersonen. Nun trifft der ebenso frauen- wie transfeindliche Verschwörungsmythos eine Ikone der MAGA-Bewegung: Erika Kirk.
Seit mehreren Jahren tauchen sie immer wieder auf: Verschwörungsmythen, in denen von manchen Frauen des öffentlichen Lebens behauptet wird, sie seien als Männer geboren oder heimlich "trans". Ziel solcher Mutmaßungen waren unter anderem Michelle Obama und Brigitte Macron, aber auch die Olympiasiegerin Imane Khelif oder US-Popstars wie Taylor Swift und Lady Gaga.
Die Behauptungen tauchen so häufig auf, dass es inzwischen eine eigene Bezeichnung dafür gibt: Transvestigations. Die Quelle sind zumeist rechte Kreise, die damit ihr Narrativ füttern, Transgeschlechtlichkeit sei etwas Schlechtes. Sogenannte "Transvestigatoren" identifizieren dabei vermeintlich männliche körperliche Merkmale auf Fotos und Videos berühmter Frauen, von denen sie überzeugt sind, dass sie als Männer geboren wurden. Manche deuten auch Körpersprache und Haltung als verräterische "Zeichen". Sowohl Obama als auch Macron haben sich gerichtlich gegen diese Diffamierungen gewehrt.
Überraschend ist nun Erika Kirk in den Fokus einer Transvestigations-Kampagne gerückt. Die Witwe des ermordeten Gründers von Turning Point USA, Charlie Kirk, wird als eine der zentralen neuen Galionsfiguren der MAGA-Bewegung gesehen. Vor allem als Symbol- und Führungsfigur für den rechten Jugend- und Frauenteil des Lagers rund um US-Präsident Donald Trump spielt sie eine wichtige Rolle.
Kurze Haare als Beweis
Seit Ende Februar veröffentlichte die rechtsgerichtete Influencerin Candace Owens eine Serie von Videos, in denen sie nach dem Muster der Transvestigations die nur scheinbar naive und offene Frage stellt, ob Erika Kirk als männliches Baby geboren wurde. Die Serie trägt den Namen "Bride of Charlie".
Im ersten Teil zeigt Owens unter anderem Fotos, die aus einem Grundschuljahrbuch der damaligen Erika Frantzve stammen sollen. Auf zwei der Fotos hat Kirk kurze Haare. Owens behauptet, sie habe nicht nur ihre Haare wie ein Junge getragen, sondern trage auch "Jungenkleidung" und posiere wie ein Junge. Obwohl Owens nicht so weit ging, zu behaupten, Kirk sei als Mann geboren worden, drängten einige Kommentatoren unter den Videos darauf, eine Untersuchung zu ihrem Geschlecht einzuleiten.
Zuvor hatte Owens bereits das Geburtsdatum von Erika Kirk infrage gestellt und antisemitische Andeutungen über eine mögliche jüdische Herkunft Kirks gemacht. Außerdem behauptet sie mehrfach, Kirk sei eine notorische Lügnerin.
Ausdruck von Machtkampf
Owens und Charlie Kirk waren jahrelang enge politische Weggefährten. Sie arbeitete von 2017 bis 2019 für Turning Point USA, unter anderem als Kommunikationsdirektorin. Als nach der Ermordung von Charlie Kirk im September 2025 seine Witwe Erika die neue Führungsfigur der Organisation wurde, machte Owens unter anderem geltend, dass eine "junge Frau ohne jegliche berufliche Qualifikation" an die Spitze einer Wohltätigkeitsorganisation mit Millionen an Spendeneinnahmen berufen worden sei. Owens hat bei Youtube und Instagram jeweils etwa sechs Millionen Follower.
Medienexperten betonen, dass Transvestigations auf Stereotypen basieren, die Transfrauen beispielsweise als hinterlistig oder unzuverlässig darstellen. Das soll die Glaubwürdigkeit der mit diesen Verschwörungsmythen angegriffenen Frauen untergraben. Politische Beobachter werten die Angriffe von Owens gegen Kirk als Zeichen eines Machtkampfes innerhalb der MAGA-Bewegung. Auch Owens selbst sieht sich heftigen Vorwürfen ausgesetzt. Unter anderem behaupten Kritiker, die sich auf Kirks Seite schlagen, sie stehe unter "satanischem" Einfluss und sei Teil einer bezahlten Schmutzkampagne gegen die junge Witwe.