Panorama

Wegen steigender Corona-Fälle Reisewarnung für etliche Länder verlängert

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Urlaub in fernen Ländern ist während der Pandemie kaum möglich.

(Foto: picture alliance/dpa)

Vor gut fünf Monaten hat die Bundesregierung eine weltweite Reisewarnung für Touristen wegen der Corona-Pandemie ausgesprochen. Für fast alle Länder außerhalb Europas ist sie noch aktuell. Nun ist klar: Das wird auch erst mal so bleiben.

Die Bundesregierung hat die Reisewarnung für rund 160 Staaten um zwei Wochen verlängert. Einem Kabinettsbeschluss zufolge soll sie nun bis zum 14. September gelten. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts begründete den Schritt mit den vielerorts steigenden Corona-Infektionszahlen. "Die Lage wird sich bis Mitte September nicht ausreichend entspannen, um die weltweite Reisewarnung aufheben zu können", sagte sie.

Außenminister Heiko Maas hatte am 17. März eine Reisewarnung für Touristen für alle rund 200 Länder der Welt ausgesprochen. Im Juni wurden dann die Länder der Europäischen Union, des grenzkontrollfreien Schengen-Raums sowie Großbritannien, Andorra, Monaco, San Marino und der Vatikanstaat ausgenommen. Später kamen noch Teile der Türkei hinzu. Für die anderen mehr als 160 Länder wurde die Reisewarnung zunächst bis zum 31. August verlängert. Jetzt gilt sie bis Mitte September, dann muss neu entschieden werden.

Abschreckende Wirkung

Eine Reisewarnung ist kein Verbot, soll aber eine erhebliche abschreckende Wirkung haben. Die Außenamtssprecherin verwies darauf, dass derzeit "oftmals Rückkehrer aus dem Ausland die Infektion nach Deutschland bringen". Vizeregierungssprecherin Ulrike Demmer rief die Bürger auf, bei der Wahl ihrer Reiseziele Vernunft walten zu lassen. Sie appellierte an die "Verantwortung jedes einzelnen, die Vorgaben einzuhalten und abzuwägen, ob die Reise ins Risikogebiet wirklich unumgänglich ist".

Wegen steigender Infektionszahlen in Europa hat die Bundesregierung die Reisewarnung inzwischen auch für mehrere EU-Regionen reaktiviert. Dazu zählen Spanien mit Ausnahme der Kanaren, Paris und Teile der französischen Mittelmeerküste, die belgische Hauptstadt Brüssel sowie mehrere Gebiete in Rumänien und Bulgarien. Mehrere bei Deutschen beliebte Urlaubsziele wie Ägypten und Tunesien hatten zuletzt gefordert, die Reisewarnung wieder aufzuheben.

Mehr Klarheit für Urlauber

Verbraucherschützer erklärten indes, dass die Verlängerung der Reisewarnung vielen Verbrauchern Rechtssicherheit gebe. Urlauber seien nun berechtigt, ihre Pauschalreisen zu stornieren, ohne dafür hohe Stornierungskosten tragen zu müssen, erklärte Nicole Mertgen-Sauer, Rechtsreferentein bei der Verbraucherzentrale Bremen. "Gerade im Hinblick auf die im Herbst beginnenden Ferien war diese Entscheidung wichtig."

Die Befristung der Reisewarnung habe zuletzt dafür gesorgt, dass nach Beobachtung der Verbraucherzentrale viele Verbraucher verunsichert gewesen seien; Reiseanbieter hätten häufig hohe Stornogebühren verlangt für Reisen nach dem 31. August verlangt. Individualreisenden sollten nun bei den Airlines anfragen, ob bereits gebuchte Flüge weiterhin wie geplant gehen.

Die Reisebranche reagierte dagegen mit scharfen Worten auf die Entscheidung. "Die Bundesregierung vernachlässigt Fakten und verengt ein komplexes Problem auf Reiserückkehrer", erklärte der Präsident des Deutschen Reiseverbandes, Norbert Fiebig. Zugleich fehle der Bundesregierung ein durchdachtes Konzept bei den Tests für Reiserückkehrer.

Umgang mit Rückkehrern wird zum Streitpunkt

Der Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) drängte auf eine "differenzierte Risikobewertung anhand objektiver Kriterien". Dies wäre ein "überlebenswichtiger Beitrag zur Krisenbewältigung der Tourismuswirtschaft und der Rettung von Millionen von bedrohten Arbeitsplätzen", erklärte BTW-Generalsekretär Michael Rabe. Für Länder, deren Infektionsgeschehen auf einem unkritischen Niveau liegt und die ihrerseits Einreisen zulassen, sollte laut Rabe die Warnung aufgehoben werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Regierungschefs der Länder verhandeln am Donnerstag über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie. Dabei zeichnet sich ab, dass der Umgang mit Reiserückkehrern ein zentraler Streitpunkt wird. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten sich am Montag für neue Vorgaben bei den Corona-Tests ausgesprochen.

Bei der Einreise aus einem Risikogebiet soll grundsätzlich eine 14-tägige Quarantänepflicht bestehen. Die Quarantäne soll frühstens fünf Tage nach der Einreise durch ein negatives Testergebnis beendet werden können. Die Möglichkeit, sich bei der Einreise aus einem Nicht-Risikogebiet kostenlos testen zu lassen, soll beendet werden.

Quelle: ntv.de, hek/dpa/AFP