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Verschüttetes Berghotel "Rigopiano" Retter kämpfen unermüdlich um 24 Vermisste

Neun Gerettete, fünf Tote und zwei Dutzend Vermisste: Vier Tage nach der Erdbebenserie in Mittelitalien kämpfen Einsatzkräfte weiter um die im Hotel "Rigopiano" verschütteten Menschen. Derweil berichten Überlebende von ihren dramatischen Erlebnissen.

Vier Tage nach dem schweren Lawinenunglück in Italien haben die Rettungskräfte vor Ort die Hoffnung auf weitere Überlebende nicht aufgegeben. Nachdem bis Samstagfrüh neun Menschen aus dem verschütteten Berghotel "Rigopiano" gerettet wurden, setzten die Helfer die Suche das ganze Wochenende über unter schwierigsten Bedingungen fort. Es gab aber zunächst keine weiteren Lebenszeichen der 24 Vermissten. Die Geretteten schilderten ihre dramatischen Erlebnisse.

In der Nacht zum Samstag waren zwei Frauen und zwei Männer aus dem verschütteten Hotel gerettet worden. Bereits am Freitag hatten Retter vier Kinder und die Mutter eines der Kinder lebend geborgen. Zwei Männer hatten das Unglück im Freien überlebt. Bis Sonntag wurden fünf Leichen geborgen, darunter die Eltern eines der geretteten Jungen.

Die Behörden setzten die Zahl der Vermissten auf 24 herauf, nachdem Überlebende berichtet hatten, dass ein Senegalese in dem Hotel gearbeitet habe. Er hatte nicht auf der Mitarbeiterliste gestanden.

Viele Gebäudeteile noch verschüttet
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Helfer gelangen nur langsam in das Innere des Hotels.

(Foto: AP)

"Wir haben Hoffnung. Selbst wenn es kein Lebenszeichen gibt - man kann durch eine Mauer stoßen und dann plötzlich einen Kontakt haben, so war es auch bei den anderen Überlebenden", sagte der Feuerwehrsprecher Luca Cari. Das Hotel habe an einer Felswand gestanden, so dass die Rückseite des Gebäudes geschützt gewesen sei. Daher sei es möglich, dass noch weitere Räume intakt geblieben seien. Das Problem sei, dorthin vorzudringen.

Kälte, hoher Schnee, Lawinengefahr und Nebel behinderten die Bergungsarbeiten. Laut Cari waren seit Tagen dieselben Helfer im Einsatz, weil sie die Unglücksstelle inzwischen gut kennen. "Wir sind erschöpft, wir haben seit drei Tagen nicht geschlafen, aber wir bleiben hoffnungsvoll", sagte der Bergretter Alessandro Massa.

Die Retter müssen mit bloßen Händen, Schaufeln und Motorsägen äußerst vorsichtig und langsam vorgehen, um die tonnenschweren Schneemassen nicht zum Einsturz zu bringen.

"Ich bin Georgia, und ich lebe."

Von den am Freitag geretteten Kindern berichtete der neunjährige Edoardo Di Carlo örtlichen Medien, er habe sich zum Unglückszeitpunkt mit zwei anderen Kindern im Billardzimmer des Hotels befunden. Die Kinder fanden Wasserflaschen und kleine Frühstücksportionen, dank derer sie die mehr als 40 Stunden bis zu ihrer Rettung durchhielten. Mit Rufen konnten sie sich zudem mit der Mutter der kleinen Ludovica verständigen, die in einem anderen Raum überlebte.

Die bislang geborgenen Überlebenden hatten 40 Stunden im Dunkeln in den Überresten des verschütteten Hotels ausgeharrt, bevor sie erstmals Rufkontakt mit den Rettern hatten. Ihre ersten Worte seien "Ich bin Georgia, und ich lebe", gewesen, berichtete die 22-jährige Studentin Georgia Galassi dem "Corriere della Sera": "Es war das Schönste, was ich jemals gesagt habe."

Galassi musste mit ihrem Freund Vincenzo Forti noch weitere 18 Stunden ausharren, bevor sie geborgen wurden - die Retter hatten sich zunächst auf die Bergung der Kinder konzentriert. Ihr Freund habe andere Überlebende aufgebaut, sagte Galassi. Immer wenn die Stimmung auf dem Tiefpunkt gewesen sei, habe der 25-Jährige ein Lied angestimmt.

Lippen mit Schnee befeuchtet

Die Überlebende Francesca Bonzi saß allein in einem Hohlraum fest: "Es war sehr klaustrophobisch, aber am Schlimmsten war der Durst. Ich habe ständig meine Lippen mit Eis und schmutzigem Schnee befeuchtet."

Die gerettete Adriana Parete erzählte, ein einstürzender Balken habe ihren achtjährigen Sohn Gianfilippo um wenige Zentimeter verfehlt. "Ich habe ihn umarmt und ich glaube, wir blieben so für den Rest der Zeit, Tag und Nacht." Auch ihre nebenan eingeschlossene Tochter Ludovica wurde schließlich gerettet.

Die Schneemassen, deren Menge der Ladung von 4000 Lastwagen entsprach, waren am späten Mittwochnachmittag durch eine Serie von Erdbeben ins Rollen gekommen und hatten das "Rigopiano" begraben. Das dreistöckige Vier-Sterne-Hotel liegt einsam in 1200 Metern Höhe am Hang des Gran Sasso-Berges.

Quelle: n-tv.de, shu/AFP

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