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Soll Kollegin bedrängt habenRichter aus Kassel steht wegen sexueller Belästigung vor Gericht

09.06.2026, 15:09 Uhr
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Die Verteidigung streitet die Vorwürfe ab und spricht von einer einvernehmlichen Beziehung. (Foto: picture alliance/dpa)

Eine Proberichterin in Kassel wirft einem Richter vor, sie über lange Zeit immer wieder sexuell bedrängt zu haben. Zudem soll er mit seiner Machtposition gedroht haben. Nun steht er vor Gericht. Er streitet sämtliche Vorwürfe ab. Ein Verhältnis gesteht er dann aber doch ein.

Er ist Richter - jetzt sitzt er auf der Anklagebank: Vor dem Landgericht Fulda muss sich ein 56 Jahre alter Jurist wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung einer Kollegin verantworten. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, in der Zeit von September 2023 bis Februar 2025 eine Proberichterin "mehrfach in sexuell bestimmter Weise körperlich berührt und dadurch belästigt zu haben". Zudem soll er die Proberichterin bedroht haben. Die Verteidigung wies die gegen den Richter erhobenen Vorwürfe als "nicht haltbar" zurück.

Laut Anklage soll der verheiratete Jurist der "jungen, unerfahrenen Proberichterin" in den Räumen des Amtsgerichts Kassel bei mehreren Gelegenheiten über der Kleidung an Po und Brüste gefasst haben. Mit Hinweis auf seine leitende Funktion habe er die Frau unter Druck gesetzt.

Von einer negativen Beurteilung und möglichen Versetzung sei die Rede gewesen, erklärte die Staatsanwaltschaft. Die Frau habe klargestellt, dass sie ein rein dienstliches Verhältnis zu dem Richter haben wolle. Aus Sorge vor einer Versetzung aus Kassel weg habe die Proberichterin, die einen pflegebedürftigen Vater habe, das Verhalten des Mannes lange geduldet.

Im Februar 2025 sei ihr die "ständige, latente Bedrohung" zu viel geworden und sie habe die Versetzung ans Landgericht Kassel beantragt, erklärte die Staatsanwaltschaft. Die Versetzung erfolgte im Mai 2025.

Die Verteidigung erklärte, die Vorwürfe seien "an den Haaren herbeigezogen" und beruhten auf Gerüchten. Vor Dienstantritt der Proberichterin habe es "wechselseitige Flirts" zwischen den beiden gegeben. In dem von der Anklage geschilderten Zeitraum habe es ein einvernehmliches Verhältnis gegeben. "Er wollte ihr zu keinem Zeitpunkt Leid zufügen", erklärte die Verteidigung.

Während der Aussage der betroffenen Frau, die als Nebenklägerin an dem Prozess teilnimmt, wurde die Öffentlichkeit auf Antrag des Angeklagten von dem Verfahren ausgeschlossen. Das Landgericht hat zunächst sieben Fortsetzungstermine anberaumt.

Quelle: ntv.de, als/dpa

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