Panorama

Neue Heimat in den USA Richter lassen Orang-Utan frei

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In Rostock geboren, in Gelsenkirchen aufgewachsen und dann in Buenos Aires alt geworden: Die Orang-Utan-Dame "Sandra".

(Foto: dpa)

Ein Gericht in Argentinien fällt ein grenzüberschreitendes Urteil: Erstmals erkennen die Richter einem Primaten die Rechte einer "nichtmenschlichen Person" an. Die aus einem deutschen Zoo stammende Orang-Utan-Dame "Sandra" kommt frei.

Ein Orang-Utan-Weibchen ist auf Verlangen der argentinischen Justiz aus dem ehemaligen Zoo von Buenos Aires in eine Auffangstation für Menschenaffen in den USA verlegt worden. In einer Aufsehen erregenden Entscheidung sprachen die Richter der 1986 im Rostocker Zoo geborenen Primatin "Sandra" die Rechte einer "nichtmenschlichen Person" zu. Deshalb, so lautete das Urteil, sei ihre Freilassung zwingend.

Das Tier wurde am Donnerstagabend (Ortszeit) per Direktflug nach Dallas gebracht. Sandra reiste allerdings nicht als Passagier mit Bordkarte, sondern im Frachtraum, wie Anwalt Andrés Gil Domínguez erklärte. Da die 53 Kilogramm schwere Menschenäffin nicht imstande ist, sich dem Leben in der Wildnis anzupassen, soll sie zukünftig im Freigehege des "Center for Great Apes" in Florida leben.

Leben mit Michael Jacksons "Bubbles"

Dort sind bereits 21 weitere Orang-Utans und 31 Schimpansen untergebracht. Dabei könnte sich für das Orang-Utan-Weibchen theoretisch auch Gelegenheit für eine Begegnung mit "Bubbles" ergeben. Das frühere Haustier des 2009 gestorbenen Popstars Michael Jackson lebt dort ebenfalls unter verhältnismäßig naturnahen Bedingungen.

Vor dem Einzug in Florida muss Sandra jedoch noch eine rund 40-tägige Quarantäne im Sedgwick County Zoo in Wichita im US-Bundesstaat Kansas überstehen. Sobald die strengen Auflagen der US-Behörden erfüllt sind, steht einem Leben in Frieden und relativer Freiheit nichts mehr im Wege.

Jugend in Deutschland

Für Sandra geht damit eine ungewöhnliche Reise um die Welt zu Ende: Das Affenweibchen verbrachte nach ihrer Geburt in Rostock einige Jahre im ehemaligen Ruhr-Zoo in Gelsenkirchen, bevor sie 1995 nach Buenos Aires kam.

Der 2014 von Tierschützern angestrengte Prozess um "Sandras" Grundrechte hat mit dazu beigetragen, dass der Zoo von Buenos Aires in einen Ökopark umgewandelt wird. Bis 2023 soll dort eine Forschungs- und Bildungsstätte zum Erhalt der Artenvielfalt entstehen. In freier Wildbahn sind Orang-Utans vom Aussterben bedroht.

Die natürlichen Lebensräume der Orang-Utans auf den südostasiatischen Inseln Borneo und Sumatra werden vom Vordringen der Zivilisation immer weiter zurückgedrängt. Ein wichtiger Faktor ist dabei Experten zufolge vor allem der massiv gestiegene Flächenbedarf für die Palmölproduktion. Palmöl kommt in zahlreichen industriell verarbeiteten Lebensmitteln und Kosmetika als günstiger Füllstoff zum Einsatz.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa