Panorama

Keine schwulen Sex-Szenen "Rocketman" wurde in Russland zensiert

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Taron Egerton (links) verkörpert in "Rocketman" den britischen Star Elton John (rechts).

(Foto: picture alliance/dpa)

Bereits 2013 verurteilt Elton John ein russisches Gesetz, das gleichgeschlechtliche Liebe diskriminiert. Nun wird sein Biopic "Rocketman" dort wohl in zensierter Version gezeigt - für ihn eine traurige Spiegelung unserer heutigen Welt.

Der britische Popstar Elton John hat das Herausschneiden von schwulen Sexszenen in der russischen Version des Films "Rocketman" über sein Leben kritisiert. "Wir lehnen die Entscheidung, Rocketman für den russischen Markt zu zensieren, auf das Schärfste ab", hieß es in einer Stellungnahme.

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In Russland war tags zuvor eine Zensurdebatte entbrannt, nachdem Moskauer Filmkritiker sich beklagt hatten, bei dem Film würden etwa 20 Minuten vom Original fehlen. So seien etwa intime Szenen zwischen Männern herausgeschnitten worden. Das russische Kulturministerium hatte die Verantwortung dafür zurückgewiesen. Es handele sich um einen Fall von "Selbstzensur" beim russischen Vertriebspartner, hieß es. Die Firma Central Partnership in Moskau wiederum hatte das Herausschneiden von Szenen mit russischen Gesetzen begründet.

In der Stellungnahme Elton Johns hieß es, dass der Film eine echte Darstellung des Lebens des Popstars sei. Den Film nicht zu zeigen, wie er sei, "das ist tatsächlich eine traurige Spiegelung einer gespaltenen Welt, in der wir immer noch leben" - eine Welt, die immer noch auf grausame Weise die Liebe zwischen zwei Menschen nicht akzeptieren könne. "Wir glauben an das Bauen von Brücken und an offenen Dialog", heißt es in der Stellungnahme.

Amnesty International sprach von "Zensur", durch die "homosexuelle Beziehungen entmenschlicht" würden. Die Menschenrechtsorganisation forderte die Vorführung des Films in seiner ursprünglichen Fassung.

Wurde auch Abspann geändert?

Laut Kritiker Dolin wurde auch der Text im Abspann von "Rocketman" geändert. Im Original erfahren die Zuschauer, dass Elton John schließlich doch noch seine große Liebe findet und mit seinem Partner zwei Kinder großzieht. In der russischen Version heiße es nun lediglich, er habe eine Organisation für den Kampf gegen Aids gegründet.

Elton John hatte bereits 2013 ein umstrittenes russisches Gesetz gegen "Homopropaganda" kritisiert. Das Gesetz verbietet in Gegenwart von Kindern eine lebensbejahende Darstellung gleichgeschlechtlicher Liebe. Der Musiker ist in Russland sehr populär. Erstmals trat der heute 72-Jährige 1979 und damit noch zu Sowjetzeiten dort auf.

"Rocketman" läuft am 6. Juni in den russischen Kinos an - mit einer Altersfreigabe ab 18 Jahren. Homosexuelle sind in Russland immer wieder schwersten Anfeindungen ausgesetzt - bis hin zu Todesdrohungen.

Quelle: n-tv.de, agr/AFP/dpa

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